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Eurozone-Wachstum bleibt im Juli trotz leichter Beschleunigung schwach
Ergebnisse auf einen Blick:
HCOB Composite PMI® Eurozone bei 50,9 (Finalwert Juni: 50,6), 4-Monatshoch
HCOB Dienstleistungsindex Eurozone bei 51,0 (Finalwert Juni: 50,5), 4-Monatshoch
Stagnierende Nachfrage bremst Eurozone-Wachstum
Die Eurozone-Wirtschaft blieb im Juli zwar den siebten Monat in Folge auf Wachstumskurs, die Steigerungsrate fiel jedoch
wegen der stagnierenden Nachfrage erneut niedriger aus als im langjährigen Mittel. Auch die Beschäftigtenzahlen legten nur
leicht zu, wenngleich der vierte Stellenzuwachs in Folge der stärkste seit über einem Jahr war. Und die Geschäftsaussichten
binnen Jahresfrist gaben gegenüber Juni etwas nach.
Der finale saisonbereinigte HCOB Composite PMI für die Eurozone - ein gewichteter Mittelwert aus dem HCOB Eurozone
Index Industrieproduktion und dem HCOB Eurozone Service-Index Geschäftstätigkeit – stieg im Juli auf 50,9 Punkte von 50,6
im Juni. Damit hat sich das Wachstum zwar leicht beschleunigt, die Steigerungsrate blieb jedoch äußerst schwach und fiel
niedriger aus als der langjährige Durchschnittswert (52,4 Punkte seit Beginn der Datenerhebung 1998).
Beide von der Umfrage erfassten Sektoren (Industrie und Servicesektor) vermeldeten im Berichtsmonat nur relativ schwaches
Wachstum. Zusätzliche Impulse lieferten diesmal vor allem die Serviceanbieter, da die Industrieproduktion nicht mehr ganz so
stark ausgeweitet wurde wie im Juni.
Mit Blick auf die vier wirtschaftlich bedeutendsten Länder der Eurozone stieg die Wirtschaftsleistung fast überall. Außenseiter
war Frankreich, hier schrumpfte siezum elften Mal hintereinander und mit beschleunigter Rate. Spanien verzeichnete den
stärksten Aufschwung, gefolgt von Italien. Leicht an Dynamik gewonnen hat das Wachstum in Deutschland, der größten
Volkswirtschaft der Eurozone, hier erreichte die Steigerungsrate ein 4-Monatshoch.
Bremsfaktor Nummer eins war im Juli die stagnierende Nachfrage, was daran zu erkennen war, dass der Auftragseingang –
wie bereits im Juni – ein geringfügiges Minus auswies. Ein Plus hatte es hier zuletzt im Mai 2024 gegeben. Und mit dem 41.
Rückgang in Folge blieben auch die Exporte eine Belastung.
Die Auftragsbestände wurden im Berichtsmonat erneut abgebaut, diesmal jedoch mit der niedrigsten Rate seit April 2024.
Erfreulicherweise nahm die Beschäftigung trotz ausbleibender Neuaufträge und fehlendem Kapazitätsdruck den fünften Monat
in Folge zu. Das Plus fiel jedoch nur minimal aus, obwohl der Stellenzuwachs der stärkste seit über einem Jahr war.
Nach dem kurzfristigen Höhenflug der Erwartungen gaben die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist im Juli erstmal seit April
wieder nach und fielen weniger optimistisch aus als im langjährigen Mittel. Sowohl im Verarbeitenden Gewerbe als auch bei
den Dienstleistern schwächte sich die Zuversicht ab.
Der Anstieg der Einkaufspreise verlangsamte sich im Juli und resultierte im schwächsten Kostenanstieg seit Oktober 2024.
Ausschlaggebend hierfür war der Servicesektor. Der Anstieg der Verkaufspreise beschleunigte sich hingegen leicht auf ein 3-
Monatshoch.
Rangliste der Composite PMIs im Juli 2025
Spanien 54,7 5-Monatshoch
Italien 51,5 2-Monatshoch
Deutschland 50,6 (Flash: 50,3) 4-Monatshoch
Frankreich 48,6 (Flash: 49,6) 3-Monatstief
HCOB Dienstleistungsindex Eurozone
Mit 51,0 Punkten nach 50,5 im Vormonat signalisierte der finale HCOB Dienstleistungsindex Eurozone, dass sich das
Wachstum des Servicesektors im Juli beschleunigt hat und so stark ausgefallen ist wie zuletzt im März.
Der Auftragseingang stagnierte hingegen und blieb gegenüber Juni weitgehend unverändert. Bei den Exporten lief es noch
schlechter, wenngleich das 26. Minus in Folge nur noch moderat und damit nicht mehr ganz so gravierend ausfiel wie in den
beiden Vormonaten.
Um das Geschäftswachstum aufrecht zu erhalten, wurden die Auftragsbestände im Juli mit leicht beschleunigter Rate
abgebaut. Folglich nahmen die unerledigten Aufträge – wie bereits seit Mai 2024 – ein weiteres Mal ab. Dessen ungeachtet
setzte sich der Stellenaufbau fort und fiel wie im Mai und Juni moderat aus.
Der Inflationsdruck nahm im Juli ab. So stiegen die Einkaufspreise mit der niedrigsten Rate seit Oktober letzten Jahres, und die
Angebotspreise wurden etwas weniger stark angehoben als im Juni.
Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, kommentiert:
„Für die Dienstleister könnte dies ein guter Sommer werden. In Italien und Spanien ist die Geschäftsaktivität im Juli stärker
gestiegen als im Vormonat, während man in Deutschland nach einigen schwierigen Monaten wieder in den Wachstumsbereich
vorgedrungen ist. Hervorstechen tut das Land auf der iberischen Halbinsel, hier hat der Einkaufsmanagerindex einen Sprung
von über drei Punkten nach oben gemacht, was auf eine überdurchschnittlich gut verlaufendes drittes Quartal Urlaubssaison
hindeutet.
Frankreich ist das einzige der vier großen Euroländer, in dem der private Dienstleistungssektor schrumpft. Zudem hat sich hier
die Rezession in diesem Sektor auch noch verschärft. Dies liegt unter anderem daran, dass die Regierung massive
Einsparungen plant, die sich negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken können. In diesem Zusammenhang häufen sich
auch Spekulationen, dass es ein Misstrauensvotum geben könnte. Entsprechend hoch ist die Unsicherheit. Während in der
Eurozone also vor allem Spanien kräftig aufs Gaspedal drückt, steht Frankreich auf der Bremse.
Die Beschäftigung expandiert in der Eurozone seit Februar 2021 ununterbrochen. Man ist geneigt, dies als Zeichen einer
gesunden Verfassung dieses Sektors zu werten. Tatsächlich aber ist in diesem Zeitraum die Produktivität, gemessen an
anderen Daten von S&P Global, seit Mitte 2022 mit einer nur kurzen Unterbrechung zum Jahreswechsel 2024/25 gefallen. Das
deutet darauf hin, dass das Wachstum im Dienstleistungssektor auch im Zeitalter der digitalen Geschäftsmodelle nicht mit
umfassenden Produktivitätsfortschritten einhergeht. Angesichts der Tatsache, dass über die Hälfte der Bruttowertschöpfung im
Dienstleistungssektor geschieht, ist dies eine beunruhigende Diagnose.
Die Inflation im Dienstleistungssektor der Eurozone zeigt eine rückläufige Tendenz – ein Umstand, der eine weitere
Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank in der zweiten Jahreshälfte wahrscheinlicher macht. Die Kosten steigen so
langsam wie seit neun Monaten nicht mehr und liegen unter dem langfristigen Durchschnitt. Das passt zu den jüngsten Daten
des EZB-Wage-Trackers zur Lohnentwicklung, der in den vergangenen Monaten eine Abschwächung des Lohnwachstums
zeigt – ein zentraler Kostenfaktor für Dienstleister.“
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