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Deutschland: Servicesektor verzeichnet im Juli wieder Wachstum
Ergebnisse auf einen Blick:
HCOB Dienstleistungsindex Deutschland bei 50,6 (Finalwert Juni: 49,7), 4-Monatshoch
HCOB Composite PMI Deutschland bei 50,6 (Finalwert Juni: 50,4), 4-Monatshoch
Inflationsdruck lässt so deutlich nach wie zuletzt Anfang 2021
Die deutschen Dienstleister sind positiv in die zweite Jahreshälfte gestartet. So ging es sowohl mit der Geschäftstätigkeit als
auch mit der Nachfrage wieder leicht bergauf. Erstere stieg allerdings nur minimal und der Stellenaufbau hat sich sektorweit
verlangsamt. Trotzdem äußerten sich die Befragten zunehmend optimistisch über ihre Wachstumsaussichten in den
kommenden zwölf Monaten.
Der Inflationsdruck hat indes abermals nachgelassen. Folglich schwächten sich die Teuerungsraten der Kosten und der
Angebotspreise im Vormonatsvergleich spürbar und auf das niedrigste Niveau seit Anfang 2021 ab.
Der finale und saisonbereinigte HCOB Index Geschäftstätigkeit notierte im Juli mit 50,6 Punkten über dem Juni-Wert von
49,7 und damit erstmals seit vier Monaten wieder oberhalb der Referenzlinie von 50,0. Er signalisiert aktuell allerdings nur
verhaltenes Wachstum, das zudem unter dem langjährigen Durchschnitt rangiert.
Vielen Umfrageteilnehmern zufolge war das Geschäftstätigkeitsplus der Ausweitung der personellen Kapazitäten, neuen
Serviceangeboten und den steigenden Auftragseingängen zu verdanken. Tatsächlich legten die Neuaufträge das erste Mal seit
knapp einem Jahr wieder zu, wenngleich nur marginal. Der Nachfrageschub konzentrierte sich auf den Binnenmarkt, während
das Auslandsgeschäft erneut – obgleich langsamer – zurückging.
Auch zum Quartalsstart widmete man sich den unerledigten Projekten und Aufträgen, und das bereits den fünfzehnten Monat in
Folge. Dabei war die Abbaurate kräftig und hat sich gegenüber Juni sogar etwas beschleunigt.
Mit zur Abarbeitung der Auftragsbestände beigetragen hat das erneute Beschäftigungsplus. Der jüngste Jobaufbau war jedoch
der schwächste seit Beginn der bis zum Jahresanfang zurückreichenden Einstellungsphase. Einige Unternehmen rekrutierten
zusätzliche Mitarbeiter, um der wachsenden Geschäftstätigkeit gerecht zu werden, andere gaben allerdings an, offene Stellen
vorerst nicht neu zu besetzen.
Unterdessen sank der Inflationsdruck im deutschen Dienstleistungssektor. Obwohl die Kosten angesichts der steigenden Löhne
abermals anzogen, hat sich der Auftrieb deutlich abgemildert. Tatsächlich zählte die Steigerungsrate zu den schwächsten seit
Februar 2021.
Gleichzeitig hat sich die Teuerungsrate der Angebotspreise zum fünften Mal verlangsamt. Sie liegt aktuell auf dem tiefsten
Stand seit über vier Jahren, aber nichtsdestotrotz über dem Langzeitmittel von vor der Pandemie.
Letztlich hat sich der Geschäftsausblick binnen Jahresfrist wie bereits in den beiden Vormonaten verbessert. Der
zukunftsgerichtete Index kletterte auf den höchsten Wert seit Januar und rangiert mittlerweile wieder über dem langjährigen
Durchschnitt der Datenreihe. Viele Befragte sprachen in diesem Zusammenhang von geplanten Geschäftsausweitungen, der
Hoffnung auf einen Nachfrageschub aufgrund gesunkener Zinsen und steigender Haushaltseinkommen, und der Aussicht auf
einen generellen Wirtschaftsaufschwung dank der angekündigten Regierungsmaßnahmen.
Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, kommentiert die aktuellen Umfrageergebnisse:
"Deutschland ist mit Wachstum in das zweite Halbjahr gestartet. Dieses fiel zwar nur minimal aus, war aber in der Breite,
also sowohl bei den Dienstleistern als auch im Verarbeitenden Gewerbe zu beobachten. Die sektorübergreifend leicht
steigenden Auftragseingänge und die moderate Verbesserung beim Auslandsgeschäft zeichnen das Bild einer
Volkswirtschaft, die sich etwas mühsam, und doch sichtbar aus einer langen Schwächephase befreit. Nach dem Rückgang
des BIPs im zweiten Quartal erwarten wir für das dritte Quartal wieder bescheidene Zuwächse.
Im Servicesektor hat die Geschäftstätigkeit nach einer dreimonatigen Durststrecke wieder zugenommen. Erfreulich ist vor
allem, dass beim Neugeschäft ein Plus verbucht wurde - das erste seit August 2024. Auch blicken die Unternehmen wieder
mit mehr Zuversicht in die Zukunft. Euphorie sieht allerdings anders aus und der Aufwärtstrend zeigt hier eine gewisse
Fragilität, denn zum einen ist der Auftragsbestand geschrumpft und zum anderen ist der bereits seit Beginn des Jahres
anhaltende Stellenaufbau nahezu zum Stillstand gekommen.
Die Kosten im Dienstleistungssektor sind mit der niedrigsten Rate seit Februar 2021 gestiegen. Dies passt zum Wage
Tracker der Europäischen Zentralbank (EZB), der seit dem Jahresstart fallende jährliche Erhöhungen der Löhne aufzeigt,
die eine wichtige Kostenkomponente für die Serviceanbieter sind. Vor diesem Hintergrund haben die Branchenakteure ihre
Verkaufspreise so geringfügig erhöht wie zuletzt im April 2021. Für die EZB sind das gute Nachrichten, zumal die Inflation in
Deutschland einen entscheidenden Einfluss auf die Teuerungsrate der Eurozone insgesamt hat."
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