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Industrie Eurozone: Drittes Produktionswachstum in Folge im Mai
Ergebnisse auf einen Blick:
HCOB Einkaufsmanagerindex Industrie Eurozone bei 49,4 (April: 49,0), 33-Monatshoch
HCOB Industrie Eurozone Index Produktion bei 51,5 (April: 51,5), unverändert
Kontinuierliche Produktionssteigerung und optimistischerer Ausblick
Die Eurozone-Industrieunternehmen steigerten ihre Produktion im Mai zum dritten Mal hintereinander. Gleichzeitig stabilisierte
sich die Nachfrage nach mehrjährigem Rückgang nahezu, während Beschäftigung, Einkaufsmenge und Lager nicht mehr ganz
so stark sanken wie zuletzt. Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist fielen so optimistisch aus wie seit Februar 2022 nicht
mehr und lagen damit auch wieder über ihrem Langzeit-Durchschnittswert.
Der HCOB Einkaufsmanagerindex™ Industrie Eurozone näherte sich mit 49,4 Punkte im Mai nach 49,0 im April der
neutralen Wachstumsmarke von 50 Punkten weiter an und signalisierte mit dem höchsten Wert seit August 2022, dass sich die
Talfahrt der Eurozone-Industrie weiter abgeschwächt hat. Der Index spiegelt das Ergebnis der Mai-Umfrage zur
Geschäftsentwicklung in der Eurozone-Industrie in einem Wert wider.
Unter den von der Umfrage erfassten Ländern blieb Griechenland mit beschleunigtem Wachstum Spitzenreiter, gefolgt von
Spanien, wo es nach dreimonatiger Schrumpfung wieder bergauf ging. Alle übrigen Länder verzeichneten größtenteils nur noch
minimale Rückgänge, allen voran in Frankreich, wo das 28-Monatshoch des dortigen PMIs eine annähernde Stabilisierung der
Geschäftslage im Verarbeitenden Gewerbe signalisierte. Deutschland war in der PMI-Rangliste Schlusslicht, wenngleich die
Geschäftseinbußen hier so schwach ausfielen wie selten zuvor in den zurückliegenden drei Jahren.
Die Produktion wurde den dritten Monat in Folge und genauso stark ausgeweitet wie im April, als sie mit der zweithöchsten
Rate seit März 2022 gesteigert worden war. Insgesamt blieb das Tempo jedoch verhalten.
Die Nachfrage stabilisierte sich im Mai weitgehend – eine deutliche Verbesserung gegenüber den zurückliegenden drei Jahren,
in denen der Auftragseingang im Durchschnitt ein hohes Minus ausgewiesen hatte.
Auch die Exporte näherten sich der
Stabilisierung weiter an, was der entsprechende Exportorderindex mit seinem 38-Monatshoch nur knapp unter der neutralen
50-er Marke signalisierte. Mit der sich langsam wieder erholenden Nachfrage sanken auch die Auftragsbestände mit der
niedrigsten Rate seit Juni 2022.
In den Kategorien, in denen es noch zu Rückgängen kam, verlangsamten sich diese allesamt. So sank die Einkaufsmenge mit
der niedrigsten Rate seit Beginn der Reduzierung vor knapp drei Jahren, die Vormateriallager wurden so langsam abgebaut
wie zuletzt im April 2023, und die Bestände an Fertigwaren schrumpften mit der niedrigsten Rate seit sieben Monaten. Und der
seit zwei Jahren anhaltende Stellenabbau fiel so schwach aus wie seit September 2023 nicht mehr.
Die Einkaufspreise sanken den zweiten Monat in Folge und so stark wie zuletzt vor 14 Monaten. Da der Kostenrückgang
teilweise an die Kunden weitergegeben wurde, sanken die Verkaufspreise erstmals seit Februar wieder.
Die Geschäftsaussichten binnen Jahres verbesserten sich wieder und fielen so optimistisch aus wie seit Februar 2022 nicht
mehr. Damit lag der entsprechende Index auch wieder über seinem Langzeit-Durchschnittswert.
Rangliste der Industrie-PMIs im Mai
Griechenland 53,2 Unverändert
Spanien 50,5 4-Monatshoch
Frankreich 49,8 (Flash: 49,5) 28-Monatshoch
Italien 49,2 2-Monatstief
Niederlande 49,0 4-Monatstief
Österreich 48,4 32-Monatshoch
Deutschland 48,3 (Flash: 48,8) 2-Monatstief
Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, kommentiert:
"Der Aufwärtstrend beim Eurozone-PMI setzt sich fort und deutet auf eine baldige Erholung hin, was durch den seit März zu
beobachtenden Anstieg bei der Produktion bestätigt wird. Ermutigend ist dabei, dass die Produktion in allen vier großen
Euroländern gestiegen ist, wodurch die Breite der Erholung unterstrichen wird.
Hinzu kommt, dass bei drei Indexanstiegen in
Folge die historisch abgeleitete Wahrscheinlichkeit eines erneuten Anstiegs im folgenden Monaten bei 72 % liegt. Natürlich
bleibt die Möglichkeit, dass die USA die Zölle auf Importgüter aus der EU deutlich anhebt, ein wichtiger Risikofaktor. Die
Unternehmen zeigen sich jedoch deutlich zuversichtlicher als im vergangenen Monat, was auf eine gewisse Resilienz
gegenüber den protektionistischen Maßnahmen der USA hindeutet.
Der europäische Industriemotor lief im Mai relativ synchron. So ist die Produktion in den vier großen Euroländern Deutschland,
Frankreich, Italien und Spanien überall gestiegen. Diese Entwicklung spricht dafür, dass es gemeinsame Faktoren sind, welche
die europäische Industrie beflügeln. Dazu zählen die Zolldrohungen der USA, die für die gesamte EU gelten und bei US-Importeuren zu Vorzieheffekten bei den Bestellungen aus dem Ausland geführt haben dürften, wenngleich Frankreich hiervon
offensichtlich weniger profitiert hat als Deutschland und Italien. Darüber hinaus dürften die gefallenen Leitzinsen und die
niedrigeren Öl- und Gaspreise grundsätzlich den Industriesektor insgesamt entlasten. Im Laufe der nächsten Quartale rechnen
wir damit, dass die deutschen Unternehmen relativ zu den anderen europäischen Ländern überdurchschnittlich wachsen
werden, weil sie vermutlich am direktesten von der expansiven Fiskalpolitik der neuen deutschen Regierung profitieren werden.
Die EZB bekommt für ihre voraussichtlichen Zinssenkungen Rückenwind vom Industriesektor, der seine Verkaufspreise
gesenkt hat, nachdem diese zwei Monate in Folge angehoben worden waren. Geholfen haben dabei die gefallenen
Energiepreise, die am stärksten zum Rückgang der Einkaufspreise beigetragen haben dürften."
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