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Deutschland: Produktion steigt im April so kräftig wie seit über drei
Jahren nicht mehr
Ergebnisse auf einen Blick:
HCOB Einkaufsmanagerindex™ Deutschland bei 48,4 (Mär: 48,3), 32-Monatshoch.
HCOB Einkaufsmanagerindex™ Deutschland Index Produktion bei 52,3 (Mär: 52,1), 37-Monatshoch
Geschäftsaussichten schwächen sich auf 4-Monatstief ab
Wie die aktuellen Umfrageergebnisse zum HCOB Einkaufsmanagerindexâ„¢ zeigen, wurde die Produktion im
verarbeitenden Gewerbe Deutschlands so stark ausgeweitet wie seit über drei Jahren nicht mehr, befeuert von
einem Zuwachs bei den Exportaufträgen. Allerdings trübte sich der Geschäftsausblick etwas ein und der
Stellenabbau hielt an, obgleich er weniger stark ausfiel.
Bemerkenswert ist der erste leichte Anstieg der Verkaufspreise seit fast zwei Jahren und das trotz eines
merklichen Rückgangs der Einkaufspreise.
Der HCOB Einkaufsmanagerindex™ Deutschland - ein Indikator, der das Geschäftsklima anhand der
Kennzahlen für Produktion, Auftragseingang, Beschäftigung, Lieferzeiten und Vormaterialbestände in einem Wert
abbildet - notierte im April bei 48,4 Punkten nach 48,3 im März. Damit kletterte der EMI auf den höchsten Wert seit
über zweieinhalb Jahren, was hauptsächlich dem beschleunigten Produktionsanstieg zugeschrieben werden kann.
Die Industrieproduktion ist den zweiten Monat hintereinander gewachsen, nachdem sie zuvor fast zwei Jahre lang
kontinuierlich geschrumpft war. Die Steigerungsrate zog gegenüber dem Vormonat minimal an und fiel so kräftig
aus wie seit März 2022 nicht mehr, getragen von deutlichen Zuwächsen im Investitionsgüterbereich. Dennoch lag
sie immer noch leicht unter dem Langzeitmittel. Die Unternehmen, die ihre Produktion ausweiteten, verwiesen
häufig auf ein Plus bei den Neuaufträgen. Daneben gab es auch einige, die Rückstände aufzuholen hatten oder
ihre Fertigwarenlager aufstocken wollten.
Auch die Auftragseingänge stiegen zum zweiten Mal in Folge an. Das Wachstum verlangsamte sich jedoch, sodass
das Neugeschäft im Vormonatsvergleich insgesamt nur geringfügig wuchs. Viele Befragte berichteten von einer
stärkeren Nachfrage sowohl im Inland als auch aus dem Ausland, wobei die Exportumsätze erstmals seit Anfang
2022 wieder - wenn auch nur minimal - zunahmen. Einige Hersteller konnten neue Aufträge in Europa und Asien
an Land ziehen, während andere Kunden Projekte in Erwartung höherer Zölle vorzogen.
Die Auftragsbestände sanken im Berichtsmonat so rasant wie seit drei Monaten nicht mehr. Da viele Unternehmen
mehr Aufträge abschlossen als sie neue hereinbekamen, setzte sich auch der Jobabbau fort. Die Kürzungen beim
Personal fielen zwar so geringfügig aus wie seit Juni letzten Jahres nicht mehr, dennoch war das Minus im
historischen Vergleich immer noch sehr hoch.
Der jüngste Beschäftigungsrückgang ging mit einer Verschlechterung der Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist
einher. Demnach sackte der Optimismus vom 37-Monatshoch im März auf den niedrigsten Stand seit
Jahresbeginn ab. Laut Umfrageteilnehmern drückten die mögliche Einführung weiterer Zölle sowie das nach wie
vor hohe Maß an Unsicherheit die Stimmung.
Bei den Fertigwarenlagern wurde die kleinste Abnahme seit acht Monaten verzeichnet. Im Gegensatz dazu
beschleunigte sich der Rückgang bei den Vormateriallagern. Derweil hat sich die Reduzierung der Einkaufsmenge
deutlich abgeschwächt und fiel so minimal aus wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Höhere Produktionsraten sowie
eventuelle Preisanstiege in der Zukunft veranlassten einige Herstellern, mehr einzukaufen.
Unterdessen gingen die durchschnittlichen Einkaufspreise im April so kräftig zurück wie seit über einem Jahr nicht
mehr. Ein stärkerer Euro, Preisnachlässe von Zulieferern und niedrigere Rohstoffpreise waren einige der Faktoren,
die zur Verbilligung führten. Die Verkaufspreise wurden dagegen zum ersten Mal seit fast zwei Jahren angehoben,
wenn auch nur geringfügig.
Abschließend signalisieren die Daten, dass sich die Lieferzeiten weiter verkürzten. Die jüngste Verbesserung, die
etwas weniger deutlich war als im März, spiegelte die branchenübergreifende Nachfrageflaute nach
Rohmaterialien wider.
Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, kommentiert:
"Da sich der EMI der Wachstumsschwelle von 50,0 Punkten sukzessive nähert, könnte man meinen, dass die
deutsche Industrie allmählich aus dem seit knapp drei Jahre andauernden Abschwung herauskommt, denn die
Hersteller haben den zweiten Monat in Folge ihre Produktion ausgeweitet. Dass dieser Weg holprig wird, dazu
bedarf es keiner Glaskugel. Denn die US-Zölle und die damit verbundene Unsicherheit sind eine Belastung für
die deutschen Exporteure. Zudem ist es gut möglich, dass die Produktionssteigerungen der vergangenen
beiden Monate mit Vorzieheffekten im Zusammenhang mit den drohenden US-Zollerhöhungen zu tun haben
und es daher in den nächsten Monaten zu Rückschlageffekten kommt.
Trotz des globalen Gegenwinds konnten die deutschen Hersteller erstmals seit gut drei Jahren einen marginalen
Anstieg bei den Exportaufträgen verzeichnen. Die Auftragseingänge insgesamt sind damit schon den zweiten
Monat in Folge gestiegen. Vermutlich spielen dabei Aufträge von der Bundeswehr noch keine entscheidende
Rolle, aber perspektivisch dürften viele Firmen – Rüstungsunternehmen, aber auch Fahrzeug- und
Drohnenhersteller sowie Produzenten von optischen Geräten – von den geplanten zusätzlichen
Rüstungsausgaben profitieren.
Die sinkenden Energiepreise helfen dem verarbeitenden Gewerbe. Die aufgrund der gestiegenen
Rezessionsangst in den USA gefallenen Öl- und Gaspreise spiegeln sich in niedrigeren Einkaufspreisen wider
und tragen mit dazu bei, dass die Unternehmen ihre Gewinnmargen ausweiten können. Denn
überraschenderweise konnten im April die Verkaufspreise das erste Mal seit zwei Jahren leicht erhöht werden."
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