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Jobaufbau in der Eurozone erreicht im Mai Vier-Jahreshoch trotz leichter Wachstumsabschwächung
Flash Eurozone Composite Index Produktion bei 53.4 (Finalwert April 53.9); 3-Monatstief
Flash Eurozone Service-Index Geschäfts-tätigkeit bei 53.3 (Finalwert April 54.1); 4-Monatstief
Flash Eurozone EMI™ Industrie bei 52.3 (Finalwert April 52.0); 13-Monatshoch
Flash Eurozone Index Industrieproduktion bei 53.5 (Finalwert April 53.4); 2-Monatshoch
Das Wirtschaftswachstum der Eurozone hat im Mai zum zweiten Mal hintereinander leicht an Dynamik verloren. Dies zeigt der Markit Flash Eurozone Composite Index Produktion, der gegenüber April um 0.5 Punkte auf 53.4 sank. Gleichwohl blieb das Wachstum robust genug, dass sich der Jobaufbau so stark beschleunigte wie seit vier Jahren nicht mehr. Der Anstieg der Einkaufspreise erreichte indes ein Drei-Jahreshoch, was darauf hindeutet, dass die Deflationsgefahren weiter abgenommen haben. Der Index basiert auf circa 85% der regulären Rückmeldungen der monatlichen Umfragen unter rund 5.000 Einkaufsmanagern in Europa.
Die Industrieproduktion wurde geringfügig stärker ausgeweitet als im Vormonat, während sich das Wachstum im Servicesektor zwar leicht abschwächte, insgesamt aber kräftig blieb und der allgemeine Aufschwung damit weiter intakt war.
Einiges spricht laut aktueller Umfrage jedoch dafür, dass die Dynamik im Juni weiter nachlassen könnte. So verringerte sich der Auftragszuwachs zum zweiten Mal hintereinander, was vorrangig auf den Servicesektor zurückzuführen war. Und die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist landeten bei den Dienstleistern auf einem Fünf-Monatstief. Die Industrie wies hingegen das höchste Auftragsplus seit über einem Jahr aus, vor allem beim Exportneugeschäft.
Erstmals seit Jahresbeginn nahmen die Auftragsbestände minimal ab, wofür jedoch größtenteils der stärkste Beschäftigungsaufbau seit Mai 2011 ausschlaggebend war.
Denjenigen, die die Eurozone in Deflationsgefahr sahen, liefert die aktuelle Umfrage gute Nachrichten. Die Einkaufspreise stiegen im Mai so stark wie zuletzt im April 2012, getrieben von höheren Ölpreisen, gestiegenen Löhnen und dem Anstieg der Importpreise infolge der jüngsten Abwertung des Euro. Gleichzeitig nahmen die Verkaufspreise mit der niedrigsten Rate seit Beginn der Abwärtsspirale vor 38 Monaten ab.
Nach Ländern betrachtet, vermeldete Deutschland das schwächste Wirtschaftswachstum seit fünf Monaten, ausgelöst von nachlassenden Steigerungsraten bei Industrieproduktion und Geschäftstätigkeit im Servicesektor. In Frankreich dümpelte die Wirtschaft weiter so dahin, wobei die leicht erhöhte Dynamik schon eine gewisse Verbesserung gegenüber der annähernden Stagnation im April bedeutet. Während die Geschäfte der französischen Dienstleister besser liefen als im Vormonat, wurde die Industrieproduktion weniger stark zurückgefahren als im Februar, März und April. Mit der Beschäftigung ging es in beiden Ländern hingegen bergauf, in Frankreich sogar so stark wie seit über drei Jahren nicht mehr.
Speerspitze des Aufschwungs waren im Mai jedoch die übrigen von der Umfrage erfassten Länder. Zwar schwächte sich der Aufschwung dort leicht ab, doch sind die Länder auf dem besten Weg, im laufenden Quartal mit Bestmarken bei Wirtschaftswachstum und Jobaufbau seit dem zweiten bzw. dritten Quartal 2007 zu glänzen.
Chris Williamson, Chief Economist bei Markit, kommentiert den aktuellen Eurozone Flash-EMI:
“Der Aufschwung der Eurozone hat im Mai zum zweiten Mal in Folge leicht an Fahrt verloren. Zwar ist dies momentan kein allzu großes Problem, doch dürfte die Ungeduld bei den Entscheidungsträgern der EZB wachsen, die in der quantitativen Lockerung das Allheilmittel zur Stimulierung eines robusten, nachhaltigen Aufschwungs gesehen haben - und derweil noch immer auf die Früchte ihrer Arbeit warten.
Den vorläufigen Durchschnitts-PMIs für das zweite Quartal zufolge dürfte das Wirtschaftswachstum den im ersten Quartal erreichten 0.4% nahe kommen, was darauf hindeutet, dass die Währungsunion in diesem Jahr eine Zuwachsrate von 2% erreichen könnte – der beste Wert seit 2010. Allerdings bedarf es hierfür auf jeden Fall einer Wiederbelebung des Auftragseingangs, nicht zuletzt, um das momentane Tempo des Jobaufbaus beizubehalten.
Dass es mit der Beschäftigung derzeit so rasant aufwärts geht wie seit vier Jahren nicht, liegt vor allem an dem guten Geschäftsklima und der Zuversicht unter den Arbeitgebern, insbesondere in der Industrie, wo der schwache Euro offensichtlich das Exportgeschäft kräftig ankurbelt. Besorgnis erregend sind jedoch die sich eintrübenden Geschäftsaussichten im Servicesektor im Vergleich zum Stimmungshoch am Jahresanfang.
Dass die Region keineswegs wie von vielen befürchtet vor einer Deflation steht, zeigt der stärkste Anstieg der Einkaufspreise seit drei Jahren. Dies dürfte sich alsbald wieder in höheren Inflationsraten niederschlagen.
Die aktuellen Umfragedaten deuten für Deutschland im zweien Quartal auf eine recht ordentliche Wachstumsrate von 0.4% hin, während sich Frankreich mit 0.3% schwertun dürfte. Außerhalb dieser beiden Schwergewichtsländer läuft es derzeit jedoch am besten, hier könnte es in Q2 mit Wirtschaft und Beschäftigung so stark aufwärts gehen wie seit nahezu acht Jahren nicht mehr.”
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