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Deutschland: Leicht gebremster Aufwärtstrend im April
Die April-Daten für den deutschen Dienstleistungssektor wiesen eine leicht verlangsamte aber dennoch kräftige Zunahme der Geschäftstätigkeit aus. Auch die Neuaufträge nahmen ein wenig schwächer zu. Dies hatte insgesamt zur Folge, dass bei der Beschäftigung die niedrigste Einstellungsrate seit knapp über einem Jahr gemessen wurde. Bei den Kosten schlug die höchste Inflationsrate seit letztem Mai zu Buche, weshalb die Dienstleister auch ihre Angebotspreise weiter anhoben. Der Prognosewert für die Geschäftsentwicklung binnen Monatsfrist sank
gegenüber März leicht ab, blieb aber auf einem hohen Niveau.
Der finale Service-Index Geschäftstätigkeit gab von 55.4 Punkten im März auf 54.0 im April nach, hielt sich damit aber deutlich oberhalb der neutralen 50-Punkte-Linie und schloss auch über seinem Langzeitdurchschnitt. Mittlerweile signalisiert er seit fast zwei Jahren Wachstum. Günstig wirkten sich nicht zuletzt vermehrte Neuaufträge und verstärkte Marketingmaßnahmen aus.
Auch auf Ebene der deutschen Privatwirtschaft flachte der Aufwärtstrend ab. Der finale Composite Index Produktion, welcher die Ergebnisse von Industrie- und Dienstleistungssektor in einem Wert bündelt, verlor gegenüber seinem 8-Monatshoch von März um 1.3 Punkte und notiert nun bei 54.1. Dennoch signalisiert der Index damit weiterhin ein solides Wachstum.
Die Neuaufträge der Dienstleister nahmen im April vor allem dank einer erhöhten Nachfrage und niedriger Zinsen robust zu, wenn auch nicht ganz so stark wie im Vormonat.
Bei der Beschäftigung zeichnete sich im Dienstleistungssektor der 18. Zuwachs in Folge ab. Jedoch verringerte sich die Einstellungsrate auf das niedrigste Niveau seit März 2014, wofür Unter-nehmen mitunter die Spätauswirkungen der Mindestlohneinführung verantwortlich machten.
Die Auftragsbestände reduzierten sich den zweiten Monat in Folge und wiesen auf freie Kapazitäten bei den Dienstleistern hin. Die Abbaurate nahm sich dabei ähnlich gering aus wie im Vormonat.
Zudem signalisierten die jüngsten Umfragedaten den dritten und zugleich stärksten Kostenanstieg seit fast einem Jahr. Hierbei schlugen insbesondere gestiegene Personalausgaben zu Buche.
Die Dienstleistungsunternehmen passten daher auch ihre Angebotspreise nach oben an. Die entsprechende Teuerungsrate nahm geringfügig zu und entsprach der höchsten Inflation seit Juni letzten Jahres.
Hinsichtlich der Geschäftsaussichten für die nächsten zwölf Monate nahm der Optimismus der Befragten leicht ab, blieb aber deutlich oberhalb seines Langzeitdurchschnitts. Über ein Viertel von ihnen rechnen mit Geschäftszuwächsen.
Oliver Kolodseike, Ökonom bei Markit, kommentiert die finalen Markit-Indizes:
„Der deutsche Dienstleistungssektor verzeichnete abermals einen kräftigen Anstieg, wenngleich mit der geringsten Wachstumsrate seit Januar. Die befragten Unternehmen führten die erhöhte Geschäftstätigkeit vor allem auf eine erneute Nachfragebelebung zurück. Zugleich vollzog sich der Beschäftigungsaufbau allerdings mit der geringsten Einstellungsrate seit knapp über einem Jahr. Diesbezüglich verwiesen einige Unternehmen auf negative Auswirkungen der landesweit ersten Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns zu Jahresbeginn.
Hinsichtlich der Preisentwicklung bekamen die Unternehmen einen gestiegenen Inflationsdruck zu spüren. Dieser resultierte hauptsächlich aus erhöhten Personalkosten. Die Inflationsrate erreichte dabei den höchsten Stand seit fast einem Jahr. Als Reaktion hierauf hoben die Unternehmen ihre Angebotspreise verstärkt an.“
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