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Deutschland: Dienstleister schließen im Juni bestes Quartal der letzten drei Jahre ab
- Finaler Service-Index Geschäftstätigkeit Deutschland bei 54.6 (3-Monatstief; Mai 56.0)
- Finaler Composite Index Produktion Deutschland bei 54.0 (8-Monatstief; Mai 55.6)
Eine zunehmende Auftragsvergabe sorgte im Juni dafür, dass sich die Geschäfte der Dienstleister weiter belebten. Auch die Beschäftigung und die Angebotspreise legten erneut zu. Bei letzteren erreichte die Inflationsrate ein 5-Monatshoch.
Der saisonbereinigte finale Service-Index Geschäftstätigkeit gab gegenüber Mai nur leicht nach und bleibt damit nahe seines 3 Jahreshochs. Von 56.0 Punkten ging er binnen Monatsfrist auf 54.6 Punkte zurück. Damit hielt er sich weiterhin deutlich über der neutralen 50 Punkte-Grenze und
signalisierte den 13. Geschäftszuwachs in Folge. Neben der hohen Zahl an Neuaufträgen hatte die begrenzte Abarbeitung von Auftragsbeständen die Geschäftstätigkeit aktuell weiter beflügelt. Für das zweite Quartal insgesamt wies der Index das stärkste Wachstum seit drei Jahren aus.
Auch das Wachstum der gesamten deutschen Privatwirtschaft verlangsamte sich im Juni, wie der saisonbereinigte finale Composite Index Produktion zeigt. Dieser vereint die Ergebnisse von Industrie- und Dienstleistungssektor in einem Wert und gab binnen Monatsfrist von 55.6 auf 54.0 Punkte nach. Der Rückgang ist vor allem auf eine abgebremste Expansion des Industriesektors zurückzuführen. Hinsichtlich des Beschäftigungsniveaus des Privatsektors wurde ein erneuter Anstieg gemessen, wenngleich die Einstellungsrate gegenüber Mai leicht abnahm und insgesamt moderat ausfiel.
Die Neuaufträge der Dienstleister legten mit einer der höchsten Raten der vergangenen drei Jahre zu. Nach Angaben der Befragten hatten effektivere Marketingmaßnahmen, erfolgreiche Kundenakquisen und eine stärkere Auslandsnachfrage entscheidend zu der positiven Entwicklung beigetragen. Besonders im Hotel- und Gaststättengewerbe nahm die Inanspruchnahme der angebotenen Leistungen zu.
Ihre unerledigten Aufträge arbeiteten die Dienstleister den siebten Monat in Folge ab, allerdings verringerten sich die Auftragspolster weniger als in den vier Vormonaten.
Angesichts der jüngsten Entwicklungen stellten die Unternehmen saldiert zusätzliche Mitarbeiter ein. Somit weitete sich der Beschäftigungsaufbau auf acht Monate aus. Die Einstellungsrate ging dabei nur leicht gegenüber Mai zurück und zählt derzeit zu den höchsten der letzten drei Jahre.
Ihre Angebotspreise hoben die Dienstleister den 14. Monat in Folge und zugleich etwas stärker als im Vormonat an. Zwar senkten einige Finanzdienstleister infolge sinkender Zinsen ihre Preise, sektorweit betrachtet trieb allerdings ein markanter Kostenanstieg das Preisniveau in die Höhe. Hauptgrund für die Kostenzunahme waren gestiegene Personalausgaben. Zumindest jedoch ging die entsprechende Inflationsrate gegenüber dem Vormonat zurück und lag unterhalb ihres Langzeitdurchschnitts.
Im Hinblick auf die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist zeigten sich die Dienstleister weiterhin sehr zuversichtlich. Die Befragten begründeten ihren Optimismus mit zunehmenden Neuaufträgen, gesunkenen Zinsen und einer Verbesserung der Marktlage.
Oliver Kolodseike, Ökonom bei Markit, kommentiert die finalen Markit-Indizes:
„Für die deutschen Dienstleister ging das zweite Quartal einem guten Ende entgegen. Sowohl die Geschäftstätigkeit als auch die Neuaufträge legten mit einer der höchsten Raten der letzten drei Jahre zu. Die wachsende Nachfrage verlieh den Unternehmen auch eine größere Preismacht, so dass sie ihre Angebotspreise überdurchschnittlich stark anheben konnten.
Während der Dienstleistungssektor derzeit die deutsche Wirtschaft kräftig ankurbelt, verlor die Industrie im Juni ein wenig ihrer Antriebskraft. Dennoch legen die aktuellen PMI-Umfragewerte nahe, dass das BIP im zweiten Quartal erneut solide angestiegen ist. Offizielle BIP-Daten wiesen für die ersten drei Monate dieses Jahres ein Wachstum von 0.8 % aus. Historische Vergleiche zwischen BIP und PMI lassen darauf schließen, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal um bis zu 0.7 % gewachsen ist.“
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