Konjunktur - Eurozone-Wachstum verlangsamt sich im Juni leicht

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Eurozone-Wachstum verlangsamt sich im Juni leicht



- Finaler Eurozone Composite Index: 52.8 (Flash 52.8, Mai 53.5)
- Finaler Eurozone Service-Index: 52.8 (Flash 52.8, Mai 53.2)

Rangliste nach Composite Output Index (Jun):

Irland 59.7 2-Monatshoch
Spanien 55.2 3-Monatstief
Italien 54.2 38-Monatshoch
Deutschland 54.0 (Flash: 54.2) 8-Monatstief
Frankreich 48.1 (Flash: 48.0) 4-Monatstief

Für die Eurozone wurde auch im Juni eine solide Expansionsrate gemessen. Diese rundeten das stärkste Quartalswachstum der letzten drei Jahre ab. Die Aussichten für die zweite Jahreshälfte sind jedoch gemischt, da Zeichen für ein Abflauen der Geschäftstätigkeit mit einem verstärkten Anstieg bei den Neuaufträgen kontrastieren.

Der finale Markit Eurozone Composite Index (PMI®) blieb mit 52.8 Punkten gegenüber seiner Vorabschätzung unverändert und signalisierte damit den zwölften Monat in Folge Wachstum. Obwohl er erneut gegenüber dem Vormonat nachgab und einen neuen Jahrestiefststand erreichte, deuten die PMI-Daten für das zweite Quartal insgesamt auf einen leichten BIP-Anstieg von annähernd 0.4 % hin. Die Neuaufträge legten derweil mit der stärksten Rate seit über drei Jahren zu.

Das Produktionsniveau in der Industrie und die Geschäftstätigkeit im Dienstleistungssektor legten mit ähnlichen und gegenüber dem Vormonat abgeschwächten Raten zu. Irland setzte seinen Vormarsch im Juni fort und erreichte einen der höchsten Geschäftszuwächse der letzten acht Jahre und nahezu den größten Anstieg an Neuaufträgen seit 14 Jahren. Auch in Italien beschleunigte sich die Wirtschaftsaktivität dank zunehmender Auftragseingänge mit der höchsten Rate seit drei Jahren.

In Deutschland nahm die Expansionsrate den zweiten Monat hintereinander ab, entsprach aber weitgehend dem Durchschnitt der 14-monatigen Wachstumsphase. In Spanien ging sie infolge einer nachlassenden Auftragsvergabe ebenfalls zurück.

Frankreich blieb eine Belastung für die Eurozone und verbuchte im Juni die größten Einbußen seit vier Monaten. Diese rühren von sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor gemessenen Rückgängen her.

Das Beschäftigungsniveau der Eurozone stieg den dritten Monat hintereinander moderat an. Sowohl in Deutschland als auch in Italien, Spanien und Irland wurden saldiert neue Stellen geschaffen. Französische Unternehmen bauten hingegen ihren Personalbestand weiter ab und folgten damit einem seit Anfang 2012 nahezu durchgängigen Negativtrend.

Indes beschleunigte sich die Inflationsrate der Einkaufspreise auf ein 7-Monatshoch, sowohl im Industrie- als auch im Dienstleistungssektor wurde eine Verteuerung gemessen. Höhere Ölpreise und Personalausgaben waren dabei die Hauptkostentreiber. Der Rückgang der Verkaufspreise verlangsamte sich hingegen insgesamt, da die Preise der Hersteller leicht anzogen und die Dienstleister ihren Kunden weniger Rabatte gewährten.

Servicesektor:

Die Geschäftstätigkeit im Dienstleistungssektor weitete sich im Juni den elften Monat in Folge aus. Der saisonbereinigte finale Eurozone Service-Index gab zwar von 53.2 auf 52.8 Punkte leicht nach, markierte aber dennoch ein gutes Ende für das beste Quartal seit drei Jahren.

Auch die Prognosen für die Entwicklung binnen Jahresfrist blieben relativ rosig. Angesichts der stärksten Neuauftragszuwächse seit Mai 2011 erreichten die Geschäftsaussichten* ein 3-Monats-hoch. Der dritte leichte Jobaufbau in Folge untermalte den Optimismus der Unternehmen.

Die Geschäftstätigkeit und Neuaufträge nahmen in Deutschland, Italien, Spanien und Irland zu. Irland verbuchte dabei den höchsten Anstieg, die Expansionsraten für Geschäftstätigkeit und Neuaufträge erreichten dabei fast ein 7-Jahreshoch. Zusätzlich nahmen die irischen Unternehmen saldiert neue Mitarbeiter unter Vertrag.

Deutschland folgte an zweiter Stelle, wenngleich sowohl die Geschäftstätigkeit als auch die Nachfrage gegenüber dem Vormonat langsamer zunahmen. Das Beschäftigungsniveau stieg zudem kräftig an. In Spanien wurden in begrenztem Umfang neue Stellen geschaffen, obwohl die Geschäfts- und Auftragszuwächse abebbten.

In Italien zeichnete sich eine erneute Verbesserung ab. Hier erreichten die Wachstumsraten für die Geschäftstätigkeit und Neuaufträge den höchsten Stand seit November 2010 bzw. Juli 2007. Diese Entwicklung schlug sich allerdings nicht auf den Arbeitsmarkt durch. Die Belegschaft der Unternehmen blieb daher weitgehend unverändert.

Frankreich bremste den ansonsten annehmbaren Aufwärtstrend der Eurozone-Dienstleister ab und musste als einziges der vier Kernländer der Eurozone sowohl Geschäfts- als auch Auftragseinbußen hinnehmen. Die Stellenstreichungen setzten sich den achten Monat in Folge fort.

Die Kosteninflation beschleunigte sich im Juni erneut und erreichte fast die höchste Rate seit November 2013. Ausschlaggebend hierfür waren primär höhere Ölpreise und Personalausgaben. Ein hoher Wettbewerbsdruck hinderte die Unternehmen jedoch nicht nur daran, die höheren Kosten an ihre Kunden weiterzugeben. Er trug auch dazu bei, dass die Angebotspreise der Dienstleister den 31. Monat in Folge sanken.

*Zur Bestimmung der Geschäftsaussichten werden die Umfrageteilnehmer gebeten einzuschätzen, ob die Geschäftstätigkeit binnen Jahresfrist gegenüber dem aktuellen Befragungszeitraum höher, gleich oder niedriger ausfallen wird.

Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite Index:

„Auf den ersten Blick vermitteln die PMI-Umfragedaten für Juni einen düsteren Eindruck und wecken Bedenken, dass die Erholung der Eurozone bereits wieder verblassen könnte. Die Geschäftszuwächse haben den zweiten Monat in Folge abgenommen und sind so schwach ausgefallen wie seit Dezember nicht mehr. Deutschland, der Konjunkturmotor der Eurozone, hat an Antriebskraft verloren, während in Frankreich wieder eine Abwärtsbewegung eingesetzt hat.

Bei näherer Betrachtung gibt es jedoch auch Grund zur Zuversicht. Denn wenngleich sich die Konjunkturerholung etwas verlangsamt hat, sollten wir nicht aus den Augen verlieren, dass die Juni-Daten das beste Quartal der letzten drei Jahre abgerundet haben. Die Wachstumsrate dürfte von 0.2 % im ersten Quartal auf bis zu 0.4 % im zweiten Quartal zugelegt haben.

Angesichts der stärksten Auftragszuwächse seit drei Jahren sollte sich der Konjunkturaufschwung in der zweiten Jahreshälfte noch weiter beschleunigen. Zusätzliche Zuversicht vermitteln die soliden Expansionsraten für Spanien und Italien, deren BIP um 0.6 % bzw. 0.4 % im zweiten Quartal angestiegen sein dürfte, während die Daten für Deutschland gar 0.7 % ausweisen.

Frankreich bildet weiterhin die Schwachstelle der erstarkenden Eurozone-Entwicklung. Dort deutet der PMI auf einen Rückgang von mindestens 0.1 % im zweiten Quartal hin.

Während Pessimisten den anhaltenden Preisverfall bei Produkten und Dienstleistungen als weiteres Zeichen für bedrohliche Deflationskräfte in der Region werten dürften, werden Optimisten anmerken, dass der Preisrückgang nur marginal und zugleich der schwächste seit über zwei Jahren war.“




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