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Deutschland: Produktionsanstieg flacht im Juni weiter ab
- Einkaufsmanager Index gibt auf 8-Monatstief nach
- Auftragszuwächse verringern sich weiter
- Ende des sechsmonatigen Jobaufbaus
Die Expansion des Industriesektors hielt auch im Juni an. Dies zeigt der saisonbereinigte Markit/BME Einkaufsmanager Index, der erneut oberhalb der Wachstumsgrenze von 50 Punkten schloss. Allerdings gab er von 52.3 Punkten im Mai auf aktuell 52.0 Punkte leicht nach und signalisierte damit das geringste Wachstum seit letztem Oktober. Der Index fasst die Geschäftslage von über 500 Unternehmen des produzierenden Gewerbes in einem Wert zusammen.
Nachdem die Unternehmen zu Jahresanfang noch starke Zuwächse bei Produktion und Auftragseingängen hatten verbuchen können, mussten sie ihre Fertigung jüngst an die nachlassende Auftragsdynamik anpassen. Damit legte auch das Produktionsniveau schwächer zu als in den Vormonaten. Der 14. Anstieg in Folge war zugleich der schwächste seit September 2013. Die Sektordaten weisen darauf hin, dass die Fertigungsvolumen in der Investitions- und Vorleistungsgüterindustrie insgesamt gestiegen sind, bei den Herstellern von Konsumgütern jedoch stagnierten. Bei den Neuaufträgen zeichnete sich das kleinste Plus seit fast einem Jahr ab.
Auch der Exportanstieg flachte merklich ab, er nahm sich nur noch marginal aus. Wie aus den Umfragerückmeldungen hervorgeht, konnten am ehesten Unternehmen mit chinesischen Kunden ihre Ausfuhr erhöhen.
Angesichts der verminderten Auftragszunahme schränkten die Hersteller ihre Einkaufstätigkeit erstmals seit zwölf Monaten saldiert ein, wenngleich nur geringfügig.
Das Beschäftigungsniveau der Unternehmen stagnierte im Vergleich zum Vormonat weitgehend. Somit endete der bis dahin andauernde sechsmonatige Stellenaufbau. Derweil nahmen die Auftragsbestände insgesamt marginal zu, nachdem sie im Mai noch geschwunden waren.
Bei den Einkaufspreisen setzte sich die im Februar begonnene Entwicklung weiter fort, die Preisnachlässe fielen diesmal aber vergleichsweise gering aus. Vereinzelt verbuchten Unternehmen einen Kostenanstieg infolge höherer Materialpreise, insgesamt dominierten jedoch erfolgreiche Preisverhandlungen den aktuellen Trend. Die Verkaufspreise zogen dagegen den zweiten Monat mit nahezu unveränderter Teuerungsrate an.
Hinsichtlich ihrer Lagerhaltung ließen die Hersteller weiterhin Vorsicht walten. Darauf deuten die abnehmenden Bestände der Vormaterial- und Fertigwarenlager hin. Zugleich verlängerten sich die Lieferfristen der Zulieferer, und zwar so deutlich wie seit Januar nicht mehr.
Oliver Kolodseike, Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Markit/BME Einkaufsmanager Index:
“Die Umfragedaten für Juni weisen ein verlangsamtes Wachstum für den deutschen Industriesektor aus. Der Einkaufsmanager Index sank auf ein 8-Monatstief, zugleich verringerten sich die Produktions- und Auftragszuwächse. Viele unserer Umfrageteilnehmer gaben an, dass das Produktionsniveau nach dem starken Anstieg zu Jahresbeginn aktuell an die veränderten Gegebenheiten hatte angepasst werden müssen.
Angesichts des abgeschwächten Fertigungs- und Auftragstrends schwand im Juni auch die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen. Dadurch endete ein sechsmonatiger Beschäftigungsaufbau.
Zudem flachte die Nachfrage nach Exportgütern gegenüber den Vormonaten ab. Dies weist darauf hin, dass der verhältnismäßig starke Euro die Exportgeschäfte derzeit belastet und sich auch in den kommenden Monaten negativ auf die Auslandsnachfrage auswirken könnte.”
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