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Bank Austria Konjunkturindikator: Nach schwachem Jahresbeginn Wachstumsprognose 2014 auf 1,5
Prozent gesenkt
-Bank Austria Konjunkturindikator im Mai unverändert bei 0,9 Punkten: Verhaltener
Wachstumstrend seit neun Monaten ohne frische Impulse
- Aber trotz schwachem Jahresbeginn Aussicht auf Belebung im zweiten Quartal vor
allem durch Auslandsnachfrage
- Wachstum in Österreich wird durch Konjunkturfestigung in Europa gestärkt, doch
Schwellenländer bremsen unerwartet
- BIP-Prognose für 2014 auf 1,5 Prozent gesenkt. 2015 werden unverändert 2,1 Prozent
erwartet
- Steigendes Arbeitskräftepotenzial und verhaltener Konjunkturaufwind treiben
Arbeitslosigkeit 2014 auf Nachkriegsrekord
- 1,7 Prozent Inflation im Jahresdurchschnitt 2014: Gründe für Inflationsaufschlag in
Österreich gegenüber anderen europäischen Ländern sind hausgemacht
Nach dem moderaten Start ins Jahr 2014 mit einem Anstieg des BIP um 0,2 Prozent zum
Vorquartal zeichnet sich vorerst weiter keine kräftigere Konjunkturbelebung in Österreich ab.
„Der Bank Austria Konjunkturindikator hat sich auch im Mai mit aktuell 0,9 Punkten gegenüber
dem Vormonat nicht verändert“, meint Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und
ergänzt: “Seit mittlerweile neun Monaten stagniert der Indikator auf einem Niveau, das aber
ungebrochen eine Erholung der heimischen Wirtschaft mit verhaltenem Tempo anzeigt. Auch bis
zur Mitte des zweiten Quartals 2014 hat sich am ruhigen Konjunkturverlauf nichts geändert, die
nach wie vor erwartete kräftige Auffrischung hat noch nicht eingesetzt.“
„Einzelne Komponenten des Bank Austria Konjunkturindikators stärken jedoch die Aussicht auf
eine bald lebhaftere Wirtschaftsentwicklung. Sowohl die Industriestimmung in der Europäischen
Union als auch die Zuversicht der heimischen Industriebetriebe haben sich im Mai spürbar
erhöht. Ein Anstieg des Bank Austria Konjunkturindikators wurde nur durch die stärkere
Verunsicherung der österreichischen Konsumenten verhindert“, erklärt Bruckbauer. Die
Verbraucherstimmung in Österreich ist in der Vergangenheit zudem mitunter vom tatsächlichen
Verhalten der Konsumenten abgewichen. Bisher vorliegende Einzelhandelsdaten sowie eine
leichte Bewegung am Kreditmarkt sprechen trotz der vorhandenen Skepsis für eine Stärkung
des Konsums. In Kombination mit den günstigeren Aussichten für die Industrie ist eine Belebung
der Konjunktur bereits im laufenden Quartal in Sicht. „Für das zweite Quartal 2014 erwarten wir
nach dem verhaltenen Start zu Jahresbeginn dank positiver Exportentwicklung, aber auch eines
etwas lebhafteren Konsums ein kräftigeres BIP-Wachstum von 0,6 Prozent zum Vorquartal“, so
Bruckbauer.
„Die Entwicklung der heimischen Wirtschaft blieb in der ersten Jahreshälfte hinter unseren
Erwartungen, die wir zu Jahresbeginn hatten, zurück. Wir haben daher unsere
Wachstumsprognose für 2014 um ½ Prozentpunkt auf 1,5 Prozent gesenkt. Dahinter steht vor
allem die noch schwache Auslandsnachfragedynamik aufgrund der nachlassenden Konjunktur in
den Schwellenländern, die die Investitionstätigkeit in Österreich zurückhaltender als von uns
erwartet ausfallen ließ“, so Bruckbauer. Doch die Ökonomen der Bank Austria sind weiterhin
optimistisch, denn die Erholungstendenz der heimischen Wirtschaft ist intakt. Der Bedarf an Ersatzinvestitionen ist aufgrund des Investitionsstaus der vergangenen zwei Jahre hoch und in
einem Umfeld, das zunehmend von mehr Exportnachfrage und anhaltend günstigen
Finanzierungsbedingungen gekennzeichnet ist, werden auch Erweiterungsinvestitionen verstärkt
erfolgen. Zudem wird der private Konsum seine leichte Aufwärtstendenz in den kommenden
Monaten beibehalten können. Die niedrige Inflation und die steigende Beschäftigung werden
nach dem leichten Rückgang im Vorjahr 2014 wieder ein Wachstum des Konsums ermöglichen.
Obwohl die Investitionen und der Konsum im laufenden Jahr abermals zum BIP-Anstieg
beitragen werden, sollte die Auslandsnachfrage 2014 der wichtigste Träger der andauernden
Erholung der heimischen Wirtschaft werden.
Erst 2015 werden die Investitionen gemeinsam mit dem privaten Konsum die anhaltend kräftige
Auslandnachfrage als wichtigste Stütze des Wirtschaftswachstums in Österreich ablösen. „Für
2015 sind wir optimistisch, dass der Aufschwung der Inlandsnachfrage ein Wirtschaftswachstum
von 2,1 Prozent ermöglichen wird“, so Bruckbauer. Damit sind die Wachstumserwartungen der
Ökonomen der Bank Austria für das kommende Jahr unverändert.
Arbeitslosigkeit erreicht Rekordwert
Die Arbeitslosigkeit steigt nach der Stabilisierung im milden Winter seit dem Frühjahr in
Österreich derzeit sogar beschleunigt an und das saisonbereinigte Beschäftigungswachstum ist
beinahe zum Stillstand gekommen. Neben der verhaltenen Wirtschaftsdynamik ist auch der
Anstieg des Arbeitskräftepotenzials, der Verdrängungseffekte am Arbeitsmarkt auslöst, für die
aktuellen Trends verantwortlich. Im ersten Halbjahr ist die Arbeitslosenquote durchschnittlich auf
8,5 Prozent geklettert und liegt damit 0,8 Prozentpunkte über dem Vorjahr. Mit den günstigeren
Wachstumsaussichten für das zweite Halbjahr ist zumindest eine Stabilisierung der Lage am
Arbeitsmarkt in Sicht. Die Chancen auf eine Trendwende haben sich allerdings nach hinten ins
Jahr 2015 verschoben. „2014 wird es in Österreich zwar um rund ein Prozent mehr Beschäftigte
als im Vorjahr geben, dennoch erreicht die Arbeitslosigkeit Rekordhöhe. Im Jahresdurchschnitt
2014 erwarten wir mittlerweile einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf 8,4 Prozent, nur knapp
unter dem Nachkriegsrekord von 8,7 Prozent aus dem Jahr 1953“, erklärt Bank Austria Ökonom
Walter Pudschedl. Inklusive Schulungsteilnehmer erhöht sich die Arbeitslosenquote 2014 sogar
auf klar über 10 Prozent.
Für 2015 sind die Aussichten gut, dass durch einen etwas höheren Beschäftigungsanstieg als im
laufenden Jahr infolge einer lebhafteren Konjunktur die Arbeitslosenquote erstmals seit drei
Jahren wieder leicht zurückgehen wird.
Inflation bleibt niedrig
Nach dem leichten Anstieg der Inflationsrate im Mai auf 1,8 Prozent im Jahresvergleich gehen
die Ökonomen der Bank Austria für die kommenden Monate von einer moderateren Teuerung
aus. Von Jänner bis Mai 2014 hat die durchschnittliche Inflation 1,7 Prozent im Jahresvergleich
betragen. Gegen Jahresende sind, als Gegenentwicklung zu den tiefen Werten im Herbst
vorigen Jahres, etwas höhere Inflationswerte zu erwarten. Die Teuerung bleibt jedoch aufgrund
fehlender externer preistreibender Faktoren, wie Rohstoffpreiserhöhungen oder maßgeblicher
Wechselkursveränderungen des Euro klar unter der 2 Prozent-Marke. „Für das Gesamtjahr 2014
erwarten wir eine durchschnittliche Inflation von 1,7 Prozent. Während in der Eurozone vielerorts
Deflationssorgen bestehen, weist Österreich aufgrund hausgemachter Gründe, wie
Steueranhebungen oder auch steigender Arbeitskosten mit Auswirkungen auf die Preise von
Dienstleistungen auch weiter einen klaren Inflationsaufschlag nicht nur gegenüber dem
Durchschnitt der Eurozone als auch gegenüber Ländern mit ähnlichem Konjunkturverlauf, wie
Deutschland, auf“, meint Pudschedl.
Angesichts erster Zinsanstiegstendenzen in den USA oder im UK sind die offensiven
Maßnahmen der EZB, die Zinserwartungen für den Euroraum weiterhin tief zu halten, besonders
wichtig, um die beginnende Erholung nicht zu gefährden. „Zusätzlich zu den offensiven
Maßnahmen der EZB braucht der Euroraum nun mehr Investitionen, auch öffentliche, um dem
Aufschwung Fahrt zu geben“, meint Bruckbauer. Angesichts der Rekordarbeitslosigkeit auch in
Österreich passt das tiefe Zinsniveau durchaus zum Konjunkturbild, zumal im Durchschnitt der
letzten 60 Jahre Realzinsen auf täglich fällige Einlagen immer negativ waren.
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