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Bank Austria Konjunkturindikator: Wirtschaft im 1. Quartal stärker, aber derzeit keine Signale für
spürbare Beschleunigung
- Bank Austria Konjunkturindikator liegt im April weiter bei 1,0 Punkten:
Konjunkturstimmung weitgehend unverändert zum Vormonat
- Belebung im ersten Quartal durch Exporte und Investitionen
- Österreich weiterhin auf Kurs für 2 Prozent Wirtschaftswachstum 2014:
Wachstumsanstiegs gegenüber 2013 zu 70 Prozent durch Erholung im Euroraum
- Sinkende Inflationserwartungen und schwache Kreditnachfrage fordern Handeln von
EZB: Zinssenkung, sogar negativer EZB-Einlagezins möglich
„Der Bank Austria Konjunkturindikator blieb im April bei 1,0 Punkten,
damit gibt es keine Veränderung gegenüber dem Vormonat. Kein Teilsegment
des Indikators zeigt derzeit eine wesentliche Stimmungsveränderung an,
weder positiv noch negativ“, meint Bank Austria Chefökonom Stefan
Bruckbauer. Unsicherheitsfaktoren, wie unter anderem die Ukraine-Krise,
haben sich in den Vertrauensindikatoren damit kaum niedergeschlagen oder
wurden offenbar durch positive Einflüsse, etwa aus der europäischen
Peripherie, aufgewogen. Einzig die österreichische Industrie hat trotz
Rückenwind aus Europa etwas an Zuversicht verloren.
Nach der Schwäche im 2. Halbjahr 2013 hat sich der Bank Austria
Konjunkturindikator im ersten Quartal 2014 wieder erholt und deutet auf
beschleunigtes Wachstum von Jänner bis März hin. „Zu Beginn des zweiten
Quartals signalisiert der aktuelle Indikatorwert zwar weiter Wachstum, die
von uns erwartete zusätzliche Beschleunigung lässt jedoch vorläufig auf
sich warten“, so Bruckbauer.
Obwohl weiterhin Signale einer deutlichen Beschleunigung fehlen, wird sich
das Wachstum der österreichischen Wirtschaft im zweiten Quartal nochmals
leicht erhöhen. „Nach 0,3 Prozent Ende 2013 ist die österreichische
Wirtschaft im ersten Quartal 2014 nach unseren Berechnungen
saisonbereinigt
um rund ½ Prozent zum Vorquartal gewachsen. Eine solide Investitions- und
Exportkonjunktur aber auch eine Verbesserung des privaten Konsums waren
die
treibenden Kräfte der Auffrischung“, meint Bank Austria Ökonom Walter
Pudschedl. Obwohl die Exportwirtschaft eine günstigere Auftragsentwicklung
nutzen konnte, legte gleichzeitig auch die Importnachfrage zu, so dass der
Außenbeitrag nur wenig zum BIP-Anstieg beitragen konnte. Maßgeblich war
dagegen die Erholung der Investitionen, sowohl von Ausrüstungen als auch
wetterbedingt begünstigt vom Bauwesen. Zudem lassen die vorliegenden
Einzelhandelsdaten auf mehr Schwung des privaten Konsums schließen, wobei
Vorziehkäufe aufgrund der Steueranhebungen im März unterstützten.
„Trotz des derzeit stagnierenden Niveaus des Bank Austria
Konjunkturindikators sind wir optimistisch, dass im zweiten Quartal das
Wirtschaftswachstum noch zulegen wird. Wir gehen von einem Anstieg des BIP
um bis zu 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal aus“, so Pudschedl. Dem
Baugewerbe sollte im Zuge einer Normalisierung der Wetterbedingungen zwar
eine leichte Korrektur bevorstehen, doch dürfte die höhere
Energieproduktion, die unter dem milden Winter gelitten hatte, dies
kompensieren können. Die Exporte werden auch im weiteren Jahresverlauf von
der robuster werdenden Unterstützung aus Europa profitieren, doch ist es
die Inlandsnachfrage, die diesen Schwung nutzen kann, um für die
bestimmenden Wachstumsimpulse zu sorgen. Die Erholung der
Investitionstätigkeit wird sich zunehmend in einer höheren Beschäftigung
niederschlagen. Bereits in den ersten Monaten des Jahres 2014 hat sich das
Beschäftigungswachstum erhöht. Wenn auch noch getrübt durch steigende
Arbeitslosigkeit infolge einer Zunahme des Arbeitskräftepotenzials, ergibt
sich dennoch die Aussicht auf eine anhaltende Belebung des privaten
Konsums.
„Wenn auch die Erholung bisher etwas an Tempo vermissen lässt, befindet
sich die österreichische Wirtschaft trotzdem noch auf Kurs für einen
BIP-Anstieg von 2 Prozent im Jahr 2014. Zum Wirtschaftswachstum von 0,4
Prozent im Jahr 2013 bedeutet dies einen Anstieg um 1,6 Prozentpunkte, der
ganz wesentlich durch verbesserte internationale Rahmenbedingungen
zustande
kommt“, meint Bruckbauer. Die Wirtschaft im Euroraum ist 2013 um 0,4
Prozent geschrumpft und wird 2014 um 1,5 Prozent wachsen. Diese Differenz
von 1,9 Prozentpunkten erhöht das Wachstum der heimischen Wirtschaft 2014
gemäß einer Modellrechnung der Ökonomen der Bank Austria um rund 1,1
Prozentpunkte gegenüber 2013. Damit ist der Aufschwung im Euroraum also
für rund 70 Prozent der Wachstumssteigerung in Österreich verantwortlich
Auch die US-Wirtschaft, die 2014 auf ein Plus von 2,8 Prozent
beschleunigen
kann, und sogar die Region Zentral- und Osteuropa, wo sich die wichtigsten
Handelspartner Österreichs verbessern können, tragen positiv bei.
Während das Wirtschaftswachstum in Österreich 2014 auch von geringeren
Rohstoffpreisen, insbesondere für Rohöl, profitieren sollte, belastet
etwa der stärkere Euro. Die Ökonomen der Bank Austria erwarten einen
Anstieg des Euro auf 1,41 US-Dollar im Jahresdurchschnitt 2014.
Der starke Euro, die sinkenden Inflationserwartungen sowie die schwache
Kreditentwicklung bereiten der Europäischen Zentralbank zunehmend Sorgen.
Während in Österreich die Teuerung in den ersten vier Monaten des Jahres
unter anderem nach Steueranhebungen bei durchschnittlich 1,6 Prozent lag,
war sie im Euroraum mit 0,7 Prozent nicht einmal halb so hoch. „Nach den
jüngsten Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi halten wir eine
Rücknahme des Leitzinssatzes sowie weitere Liquiditätsmaßnahmen wie etwa
ein weiteres LTRO oder den Ankauf von ABS-Papieren für sehr
wahrscheinlich. Sogar ein negativer EZB-Einlagezins ist möglich“, meint
Bruckbauer. Direkte Staatsanleihekäufe nach Vorbild der US-Notenbank sind
von der EZB auch weiterhin nicht zu erwarten.
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