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Erholung der Eurozone beschleunigt sich zum Jahresende 2013
- Finaler Eurozone Composite Index: 52.1 (Flash 52.1, November 51.7)
- Finaler Eurozone Service-Index: 51.0 (Flash 51.0, November 51.2)
Rangliste nach Composite Output Index (Dez.):
Irland 58.6 2-Monatshoch
Deutschland 55.0 2-Monatstief
Spanien 53.9 77-Monatshoch
Italien 50.0 2-Monatshoch
Frankreich 47.3 7-Monatstief
Im Dezember nahm der Aufwärtstrend der Eurozone weiter an Fahrt auf. Wenngleich die Wachstumsrate weiterhin niedrig ausfiel, setzte sich die Erholungsphase dennoch fort und hält mittlerweile seit Beginn der zweiten Jahreshälfte 2013 an. Der finale Markit Eurozone Composite Index (PMI®) kletterte von 51.7 auf 52.1 Punkte und erreichte ein 3-Monatshoch. Zugleich notiert er derzeit auf dem zweithöchsten Stand der letzten zweieinhalb Jahre. Damit fiel auch das vierte Quartal insgesamt besser aus als noch das dritte Quartal.
Der größte Wachstumsschub kam im Dezember erneut von der Industrie. Diese verzeichnete dank der stark anziehenden Exportgeschäfte und des damit verbundenen erhöhten Gesamtauftragsein-gangs den größten Produktionszuwachs seit Mai 2011.
Auch die Geschäftstätigkeit der Dienstleistungsunternehmen nahm abermals zu. Deren Expansionsrate fiel allerdings eher mäßig aus und sank auf ein 4-Monatstief. Grund hierfür war insbesondere die anhaltend schwache Binnennachfrage, die in einigen Ländern auf die hohen Arbeitslosen-zahlen zurückzuführen ist.
Die Länder der Währungsunion schnitten im Dezember jeweils sehr unterschiedlich ab. Irland und Deutschland führten weiterhin die PMI-Rangliste an, während Spanien nur knapp ein Sechseinhalb-Jahreshoch verfehlte und sich auf den 3. Platz hocharbeitete. In Italien stabilisierte sich die Lage, während Frankreich als einziges der vier Kernländer sowohl bei der Wirtschaftsleistung als auch bei den Auftragseingängen Einbußen hin-nehmen musste.
Das Beschäftigungsniveau der Eurozone-Privatwirtschaft blieb im Dezember weitgehend konstant. Dies stellt gegenüber den in der Vorabschätzung angedeuteten Jobverlusten eine leichte Verbesserung dar und bedeutet das Ende einer fast zwei Jahre andauernden Entlassungsphase.
In Deutschland und Irland wurden zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen, der deutsche Beschäftigungsaufbau erreichte dabei fast ein Zwei- Jahreshoch. In Frankreich, Italien und Spanien setzte sich der Stellenabbau fort, milderte sich jedoch in allen drei Ländern ab.
Die durchschnittlichen Einkaufspreise stiegen der-weil den siebten Monat in Folge an, doch die Inflationsrate verringerte sich gegenüber November und lag deutlich unter ihrem Langzeit-Durchschnitt.
Insgesamt blieb die Preismacht der Privatunternehmen gering, wie die erneute Verringerung der Angebotspreise im Dienstleistungssektor ver-deutlicht. Die Hersteller konnten jedoch ihre Verkaufspreise saldiert leicht anheben.
Servicesektor:
Die Erholungsphase des Dienstleistungssektors der Eurozone weitete sich im Dezember auf fünf Monate aus. Der saisonbereinigte finale Eurozone Service-Index gab aber von 51.2 Punkten im November auf 51.0 im Dezember leicht nach und fiel auf ein 4-Monatstief. Gegenüber seiner Vorabschätzung blieb er unverändert.
Von den fünf erfassten Eurozone-Ländern konnte Irland den größten Geschäftszuwachs im Dienstleistungssektor und annähernd ein 7-Jahreshoch ausweisen. Auch Spanien verbuchte ein Plus, und zwar das höchste seit fast sechseinhalb Jahren. In Deutschland hingegen flachte der Aufwärtstrend ein wenig ab. Frankreich und Italien mussten abermals Einbußen hinnehmen, die allerdings ähnlich gering wie im November ausfielen.
Die Auftragsvergabe an Dienstleistungsunternehmen fiel im Dezember eher verhalten aus. Verstärkte Neuaufträge in Irland und Spanien sowie leichte Zuwächse in Deutschland vermochten die fallenden Zahlen in Frankreich und Italien nicht auszugleichen. Infolge der weiterhin geringen Nachfrage wurden die Auftragspolster im Dezember abermals abgebaut und schwinden mittlerweile seit zweieinhalb Jahren.
Die Zukunftsprognosen der Unternehmen fielen im Dezember erneut positiv aus. Sie rechnen insgesamt damit, dass eine Verbesserung der Wirtschaftslage im Jahr 2014 zu einer Nachfragebelebung führen wird. Das Stimmungsbarometer erreichte den höchsten Stand seit Mitte 2011. In Frankreich und Italien verbesserten sich die Aussichten, in Irland und Spanien blieben die Dienstleister weiterhin sehr erwartungsfroh. Am wenigsten zuversichtlich zeigten sich die deutschen Dienstleister.
Nach einem zweimonatigen marginalen Stellenabbau blieb das Beschäftigungsniveau der Eurozone im aktuellen Befragungszeitraum weitgehend konstant. In Deutschland erreichte die Einstellungsrate ein 2-Jahreshoch und in Irland ein 5-Monatshoch, diese wurden aber durch den anhaltenden Jobabbau in Frankreich, Italien und Spanien ausgeglichen.
Die Preisinflation ging auf ein 6-Monatstief zurück und unterschritt ihren Langzeit-Durchschnitt. Im November war noch ein 11-Monatshoch gemessen worden. Allerdings blieb die Preismacht der Unternehmen gering, was dazu führte, dass sich die Angebotspreise wie bereits in den letzten zwei Jahren weiter verringerten. Nur in Deutschland konnten die Dienstleister ihre Preise anheben.
Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite Index:
„Die PMI-Umfragen deuten darauf hin, dass die Erholung der Eurozone sich zu Ende des letzten Jahres weiter gefestigt hat. Im Dezember zeichnete sich der zweithöchste Anstieg der Geschäftstätigkeit seit Juni 2011 ab, der zugleich das erfolgreichste Quartal seit zweieinhalb Jahren abrundete.
Wenngleich der PMI für das vierte Quartal nur einen BIP-Zuwachs von 0.2 % signalisiert, wies er doch im Verlauf des Jahres 2013 eine deutliche Trendwende in der Konjunkturentwicklung aus. Im ersten Quartal 2014 dürfte sich das Wachstum beschleunigen.
Besonders positiv ist, dass sich der Arbeitsmarkt im Dezember stabilisiert hat und damit ein fast zwei Jahre andauernder Stellenabbau zu Ende gegangen ist. Angesichts der zunehmenden Auftragseingänge werden die Beschäftigungszahlen im Jahr 2014 voraussichtlich wieder steigen. Das damit verknüpfte wachsende Kundenvertrauen sollte der Wirtschaft in diesem Jahr einen entscheidenden Schub verleihen.
Obwohl für die Eurozone im Jahr 2014 insgesamt eine Verbesserung der Konjunktur zu erwarten ist, verteilt sich das Wachstum ungleichmäßig, zumal Frankreich gegen Ende 2013 möglicherweise wieder in eine Rezession abgerutscht ist. Der Aufwärtstrend im restlichen Euroraum könnte dazu beitragen, Frankreich wieder auf Wachstumskurs zu bringen, doch die Daten weisen darauf hin, dass Strukturreformen nötig sind, um eine nachhaltige und kräftige Erholung für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Region herbeizuführen.“
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