|
Frankreich und Italien bremsen Privatwirtschaft der Eurozone weiter ab
- Finaler Eurozone Composite Index: 51.7 (Flash 51.5, Oktober 51.9)
- Finaler Eurozone Service-Index: 51.2 (Flash 50.9, Oktober 51.6)
Rangliste nach Composite Output Index (Nov.):
- Deutschland 55.4 29-Monatshoch
- Irland 55.4 5-Monatstief
- Spanien 50.8 3-Monatshoch
- Italien 48.8 5-Monatstief
- Frankreich 48.0 5-Monatstief
Der finale Markit Eurozone Composite Index (PMI®) wies im November mit 51.7 Punkten den fünften Monat in Folge ein Wachstum für die Privatwirtschaft der Eurozone aus. Zudem übertraf er seine Vorabschätzung um 0.2 Punkte. Allerdings gab der Index gegenüber seinem Oktoberwert von 51.9 leicht nach und signalisierte damit den zweiten Monat hintereinander eine Verlangsamung des Aufwärtstrends.
Die Produktionsleistung der Hersteller nahm abermals robust zu, die Steigerungsrate erreichte dabei ein 3-Monatshoch. Bei den Dienstleistern hingegen erhöhte sich die Geschäftstätigkeit nur geringfügig und schwächer als in den beiden Vormonaten.
Beide Sektoren verzeichneten im letzten Befragungszeitraum einen erhöhten Auftragseingang. Der Zuwachs für die Privatwirtschaft insgesamt nahm sich zwar gering aus, erreichte aber zum zweiten Mal das höchste Niveau der letzten zweieinhalb Jahre.
Allerdings verlief die Entwicklung je nach Land sehr unterschiedlich. Deutschland und Irland ließen die anderen Länder deutlich hinter sich. Die deutschen Unternehmen erwirtschafteten ein 29-Monatshoch, die irischen lagen mit ihrer Wachstumsrate gleichauf, wenngleich sie damit ein 5-Monatstief verbuchten.
Dank der größten Auftragszuwächse seit Juli 2007 erzielten auch die spanischen Unternehmen zum dritten Mal innerhalb von vier Monaten ein leichtes Plus. Frankreich und Italien dagegen beendeten ihren kurzen Aufwärtstrend und erlitten wieder einen Rückgang.
Das Beschäftigungsniveau der Eurozone senkte sich weiter ab und verringert sich damit seit fast zwei Jahren. Frankreich, Italien und Spanien verzeichneten allesamt einen Stellenschwund im letzten Befragungszeitraum, wenngleich sich die Entlassungsrate in Italien und Spanien verringerte. Nach den geringen Stellenschaffungen im Oktober wurden auch in Frankreich wieder Arbeitsplätze gestrichen. Im Gegensatz hierzu stockten die deutschen und irischen Unternehmen ihre Belegschaft saldiert auf, in Deutschland erreichte der Jobaufbau gar ein 20-Monatshoch.
Die Kosteninflation beschleunigte sich im November auf ein 11-Monatshoch, sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor nahm die Kostenbelastung insgesamt zu. Die Verkaufspreise hingegen verringerten sich den 20. Monat in Folge. In Frankreich, Italien und Spanien gewährten die Unternehmen ihren Kunden Preisnachlässe, während sich das Niveau in Irland marginal nur marginal senkte. In Deutschland erreichte die Teuerungsrate ein 9-Monatshoch.
Servicesektor:
Der saisonbereinigte finale Eurozone Service-Index signalisierte mit 51.2 Punkten im November den vierten Monat in Folge einen leichten Anstieg der Geschäftstätigkeit. Gegenüber August ging die Expansionsrate geringfügig zurück.
Deutschland und Irland verzeichneten beide eine starke Zunahme der Geschäftstätigkeit: Die deutschen Dienstleister erwirtschafteten ein 10- Monatshoch, die Leistung der irischen Unternehmen lag weit über ihrem Langzeitdurchschnitt.
Spanien erzielte einen leichten und zugleich den größten Zuwachs seit Juni 2010. Die Schwachstellen der Eurozone waren hingegen Frankreich und Italien, die beide wieder Einbußen verbuchten.
Die Neuaufträge nahmen den vierten Monat in Folge saldiert zu und mit dem gleichen Tempo wie während des 27-Monatshochs von September. Doch ganz so positiv wie dies auf den ersten Blick scheinen mag, war die Entwicklung nicht. Sowohl Neuaufträge als auch die Geschäftstätigkeit nahmen im November nur leicht zu und reichten nicht aus, um einen weiteren Jobabbau zu verhindern. Damit wurden im Dienstleistungssektor mit Ausnahme von September in jedem Monat seit Beginn des letzten Jahres saldiert Stellen gestrichen.
Der Beschäftigungstrend fiel aber je nach Land sehr unterschiedlich aus. In Irland wurden erneut zahlreiche Arbeitskräfte unter Vertrag genommen, die Einstellungsrate reichte dabei fast an den Sechseinhalb-Jahresrekord von Juni heran. In Deutschland erklomm sie beinahe ein 2-Jahreshoch. Französische, italienische und spanische Unter-nehmen hingegen reduzierten ihre Belegschaft abermals deutlich.
Die Inflationsrate der Einkaufspreise beschleunigte sich im November auf ein 11-Monatshoch, blieb aber unter ihrem Langzeit-Durchschnitt. Den Dienstleistern misslang es erneut, die erhöhten Kosten an ihre Kunden weiterzugeben, sie mussten ihre Angebotspreise ein weiteres Mal beträchtlich senken. Allein die deutschen Unternehmen vermochten ihre Preise anzuheben.
Ihre Geschäftsprognosen für die kommenden zwölf Monate haben die Dienstleistungsunternehmen der Eurozone den zweiten Monat in Folge nach unten angepasst. Wenngleich die Unternehmen saldiert noch immer mit Geschäftszuwächsen rechnen, ist ihre Zuversicht auf ein 3-Monatstief gesunken. Frankreich und Deutschland zeigten die geringste Zuversicht, Irland den größten Optimismus.
Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite Index:
„Die finalen PMI-Daten bestätigen, dass der Aufwärtstrend der Eurozone im November ein wenig an Schwung verloren hat. Wenngleich wir nicht aus den Augen verlieren sollten, dass die Eurozone wieder Wachstum verzeichnet – anstelle der wenige Monate zurückliegenden Einbußen –, ist es dennoch besorgniserregend, dass die Expansionsrate immer noch sehr schwach ist.
Die Umfragedaten deuten darauf hin, dass die Wirtschaft der Eurozone nach dem mageren Zuwachs von 0.1 % im dritten Quartal nun im vierten Quartal gerade einmal um 0.2 % zunehmen wird, sofern der PMI im Dezember auf dem aktuellen Niveau bleibt.
In manchen Ländern sind ermutigende Anzeichen für eine Konjunkturbelebung zu erkennen, besonders in Deutschland, wo der PMI auf ein Wachstum von 0.5 % für das vierte Quartal hoffen lässt. Ein erneuter Anstieg des spanischen PMI liefert einen weiteren Hinweis darauf, dass auch die dortige Wirtschaft weiter zugelegt hat. Diese Zuwächse werden vor allem von der Industrie generiert, teilweise auch durch die jüngste Belebung des Welthandels.
Doch ein Absinken der PMIs für Italien und Frankreich erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Wirtschaft dieser beiden Länder im vierten Quartal erneut schrumpft. Dies würde bedeuten, dass Italiens Rezessionsphase sich auf schwindelerregende 10 Quartale ausweitet und Frankreich in eine neue Rezession abrutscht.“
|