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Eurozone-Privatwirtschaft wächst im Oktober den vierten Monat in Folge
- Finaler Eurozone Composite Index: 51.9 (Flash 51.5, September 52.2)
- Finaler Eurozone Service-Index: 51.6 (Flash 50.9, September 52.2)
Rangliste nach Composite Output Index (Okt.):
Irland 58.8 80-Monatshoch
Deutschland 53.2 Unverändert
Italien 51.3 2-Monatstief
Frankreich 50.5 Unverändert
Spanien 50.1 2-Monatshoch
Die Privatwirtschaft der Eurozone setzte ihren bescheidenen Erholungskurs zu Beginn des vierten Quartals fort. Damit hält der derzeitige Trend mittlerweile den vierten Monat in Folge an.
Wenngleich der finale Markit Eurozone Composite Index (PMI®) gegenüber seinem 27-Monatshoch von September enttäuschenderweise nachgab und binnen Monatsfrist von 52.2 auf 51.9 zurückging, schloss er doch über seiner Vorabschätzung und schwächte sich damit weniger ab als zunächst erwartet.
Die jüngste Leistungssteigerung wurde von der Industrie angeführt. Die Geschäftstätigkeit der Dienstleister nahm zwar den dritten Monat in Folge zu, jedoch schwächer als im September.
In Deutschland kam die Steigerungsrate nahe an das 7-Monatshoch von August heran, während sie sich in Frankreich stabilisierte und sich der Aufwärtstrend in den Peripherieländern weiter festigte.
Irland lieferte eine solide Leistung ab, und zwar die beste seit sechseinhalb Jahren. Auch Italien wies einen Zuwachs aus, während sich der Trend in Spanien nach einem leichten Rückgang im September stabilisierte.
Die Eurozone verbuchte im Oktober erneut insgesamt erhöhte Auftragseingänge. In Deutschland erreichte die Nachfrage ein 2- und in Spanien ein 42-Monatshoch. In Italien ging sie indes zurück und auch in Frankreich verlor sie nach einer geringfügigen Belebung wieder an Dynamik.
Doch eine Abschwächung der Auftragszuwächse im Vergleich zum Vormonat führte dazu, dass weitere Arbeitskräfte freigesetzt wurden. Damit hielt der Beschäftigungsabbau den 22. Monat in Folge an und beschleunigte sich gegenüber September leicht. Betroffen waren sowohl der Industrie- als auch der Dienstleistungssektor.
Der Trend fiel jedoch in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich aus. In Irland wurden zahlreiche neue Stellen geschaffen, und auch von französischen Unternehmen wurden nach einer 19-monatigen Entlassungsphase vereinzelt neue Mitarbeiter unter Vertrag genommen. Diese Neueinstellungen konnten die Entlassungen in Deutschland und die erneut massiven Stellenstreichungen in Italien und Spanien jedoch nicht ausgleichen.
Die Inflationsrate der Einkaufskosten stieg auf ein 9-Monatshoch, blieb aber unter ihrem Langzeit-Durchschnitt. Im Vergleich hierzu war die Preismacht der Privatunternehmen verschwindend gering: Die Verkaufspreise sanken im Durchschnitt den 19. Monat in Folge, nur in Deutschland konnten die Unternehmen ihre Preise saldiert anheben.
Servicesektor:
Der saisonbereinigte finale Eurozone Service-Index notierte nach 52.2 Punkten im September bei 51.6 im Oktober und wies damit den dritten Monat in Folge einen Zuwachs aus. Wenngleich der Index gegenüber dem Vormonatswert zurückging, schloss er höher als seine Vorabschätzung von 50.9.
Die Aufwärtsrevision zwischen Vorabschätzung und Finalwert spiegelte den Trend in Deutschland, Frankreich, und im Durchschnitt auch in den kleineren Eurozone-Volkswirtschaften wider.
In Irland nahm die Geschäftstätigkeit der Dienstleistungsunternehmen stark zu, in Deutschland, Italien und Frankreich schwächte sich die Zuwachsrate ab. Spaniens Unternehmen verzeichneten hingegen erneut einen leichten Geschäftsrückgang.
Die jüngste Verbesserung im Dienstleistungssektor wurde besonders durch leicht vermehrte Neuaufträge gestärkt. Die Neuauftragszahlen stiegen den dritten Monat in Folge an, jedoch geringfügiger als im September.
Der abgeschwächte Auftragstrend führte dazu, dass die Dienstleister nach einem Einstellungsstopp im Vormonat wieder saldiert Arbeitskräfte entließen. Auf Länderebene wurden in Irland abermals zahlreiche Stellen geschaffen, Frankreich verzeichnete die ersten Neueinstellungen seit eineinhalb Jahren. In Deutschland wurden bedingt, in Italien und Spanien jedoch massiv Angestellte entlassen.
Bei den Einkaufspreisen ließ sich im Oktober ein weiterer Anstieg messen. Somit setzt sich der derzeitige Trend seit beinahe vier Jahren fort. Die Inflationsrate nahm gegenüber dem Vormonat leicht zu, blieb aber unter ihrem langjährigen Mittel.
Dagegen nahm sich die Preismacht der Unternehmen sehr bescheiden aus, so dass die Angebotspreise den 23. Monat in Folge fielen. Der Preisverfall schwächte sich jedoch den dritten Monat in Folge ab und war so gering wie seit Mai letzten Jahres nicht mehr.
Die deutschen Dienstleister konnten ihre Preise marginal anheben, während die Rückgänge in Italien, Spanien und Irland niedriger ausfielen als im Vormonat. Nur Frankreichs Unternehmen gewährten ihren Kunden vermehrt Preisnachlässe.
Hinsichtlich der Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist zeigten sich die Dienstleistungsunternehmen insgesamt optimistisch. Das Stimmungsbarometer zeigte eine ähnlich starke Zuversicht an wie während des Eineinhalb-Jahreshochs im September. Außer Italien passten alle Länder ihre Prognosen nach oben an.
Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite Index:
„Die Erholung der Eurozone hat im Oktober weniger an Kraft verloren als zunächst angenommen. Der finale Eurozone Composite Index schloss über seiner Vorabschätzung, ging gegen-über seinem September-Wert jedoch zurück und signalisierte damit eine Abschwächung des Wachstums. Zu Beginn des vierten Quartals liegt die vom PMI ausgewiesene Zuwachsrate bei nur 0.2 % auf Quartalsbasis und bleibt gegenüber dem dritten Quartal unverändert.
Die Verlangsamung des Aufwärtstrends gibt Anlass zur Sorge, dass der Aufschwung ins Stocken geraten könnte, und erhöht den Druck auf die Europäische Zentralbank, die Erholung zu fördern – zumal die Inflationsrate mit 0.7 % fast auf ein 4-Jahrestief gefallen ist und weit unter den von der EZB angestrebten 2.0 % liegt, und damit die Angst vor einer Deflation schürt.
Doch steht keineswegs fest, dass die EZB weitere Anreize setzen wird. Denn die Entscheidungsträger werden bei ihrer Planung berücksichtigen, dass die Konjunktur im bisherigen Jahresverlauf eine bedeutende Kehrtwende vollzogen hat. Nachdem der PMI zu Jahresbeginn noch starke Einbußen ausgewiesen hatte, signalisierte er in jedem der vier vergangenen Monate Wachstum. Dieses erstreckt sich mittlerweile auf Deutschland, Frank-reich, Italien und Spanien und Irland. Am beeindruckendsten ist dabei die irische Wachstumsrate, die auf den höchsten Stand seit 2006 zugelegt hat.“
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