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Bank Austria Konjunkturindikator: Konjunkturerholung in kleinen Schritten
Schritt für Schritt festigt sich die Erholung der heimischen Wirtschaft.
„Im September hat der Bank Austria Konjunkturindikator seinen
Aufwärtstrend fortgesetzt und auf 0,6 Punkte zugelegt“, meint Bank
Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „Unser Indikator hat
sich in den letzten zwei Monaten ähnlich stark verbessert wie zuletzt im
Sommer 2009 als die österreichische Wirtschaft die tiefste Rezession in
der Nachkriegsgeschichte überwinden konnte. Wir gehen daher davon aus,
dass die österreichische Wirtschaft bereits im zweiten Halbjahr 2013
erkennbar an Dynamik zulegen kann.“
Nach dem minimalen Anstieg des BIP gegenüber dem jeweiligen Vorquartal in
der ersten Jahreshälfte hat nach Berechnungen der Ökonomen der Bank
Austria das abgelaufene Quartal von Juli bis September eine spürbar
kräftigere Dynamik gezeigt. „Im dritten Quartal 2013 ist die Erholung
der europäischen Wirtschaft auf Österreich übergeschwappt. Wir gehen von
einem Anstieg des BIP um voraussichtlich 0,4 Prozent im Vergleich zum
Vorquartal aus. Damit wurde die höchste Wachstumsrate seit Anfang 2012
erzielt“, meint Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Ausschlaggebend
für den Konjunkturauftrieb war vor allem der Außenhandel, wobei weniger
das aufkeimende Exportwachstum, als die noch bestehende
Importzurückhaltung unterstützten. Darüber hinaus hat sich das
verbesserte Umfeld auf die Inlandsnachfrage positiv ausgewirkt.
Insbesondere der private Konsum war mit Herbstbeginn erstmals seit sechs
Quartalen wieder im Plus.
Die schrittweise, aber nachhaltige Verbesserung des Konjunkturklimas
verspricht für die kommenden Monate eine solide Fortsetzung der
wirtschaftlichen Erholung. „In Österreich festigt sich die Stimmung in
der Wirtschaft zwar nur langsam, dafür aber derzeit auf breitester Ebene.
Sowohl die heimischen Produzenten als auch die Verbraucher sind bereits
den
dritten Monat in Folge jeweils ein wenig zuversichtlicher geworden“, so
Pudschedl. Die Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage in Europa zeigt
spürbar positive Auswirkungen auf den Optimismus der heimischen Erzeuger.
In Gefolge des Klimaaufwinds in fast allen Ländern Europas ist die
Stimmung in der österreichischen Industrie angesichts sich langsam wieder
füllender Auftragsbücher so gut, wie seit 15 Monaten nicht mehr. Die
Stimmung der österreichischen Konsumenten hat sich in den vergangenen
Wochen, belastet durch die ungünstige Entwicklung am Arbeitsmarkt,
langsamer verbessert und liegt vorerst auch weiter deutlich unter dem
langjährigen Durchschnittswert.
„Das laufende Schlussquartal 2013 verspricht eine noch lebhaftere
Wirtschaftsentwicklung in Österreich mit einem Anstieg des BIP um 0,6
Prozent zum Vorquartal, denn neben der Exportwirtschaft wird die
Wirtschaft
nun auch von der Inlandsnachfrage mehr Wachstumsunterstützung erhalten“,
ist Bruckbauer überzeugt. Die weiter sinkende Inflation verhilft dem
privaten Konsum zu mehr Schwung. Die verhaltene Preisentwicklung bei
Rohstoffen, inklusive Rohöl, wird bis zum Jahresende die Teuerung in
Österreich unter die Marke von 1,5 Prozent im Jahresvergleich drücken.
Nach den höheren Werten in der ersten Jahreshälfte erwarten die Ökonomen
der Bank Austria im Jahresdurchschnitt 2013 weiterhin eine Inflationsrate
von 1,9 Prozent. Die moderate Preissteigerung gibt der Europäischen
Zentralbank auch weiter keine Veranlassung für eine Änderung der
Zinspolitik. Die verbesserten Aussichten und das anhaltend niedrige
Zinsumfeld, gekennzeichnet durch ein Rekordtief der Neukreditzinsen an
Firmenkunden in Österreich, deutlich günstiger als in den meisten
Ländern Europas, werden in den kommenden Monaten auch die
Investitionstätigkeit der heimischen Unternehmer allmählich ankurbeln.
Das Jahr 2014 wird ein Wachstum der österreichischen Wirtschaft auf
ausgewogenerer Basis bringen. „Nach dem leichten BIP-Anstieg im Jahr 2013
um nur 0,4 Prozent erwarten wir für 2014 ein kräftigeres
Wirtschaftswachstum um 1,8 Prozent in Österreich. Neben dem anhaltend
günstigen monetären Umfeld – auch für 2014 ist keine Leitzinserhöhung
zu erwarten – wird vor allem der deutlich nachlassende
Konsolidierungszwang in Europa unterstützend wirken“, fasst Bruckbauer
zusammen. Im Durchschnitt ist in der Eurozone im kommenden Jahr mit einer
neutralen Nachfragewirkung der Haushaltspolitik zu rechnen. 2013 hat die
geschätzte Reduktion des strukturellen Defizits um insgesamt 0,8
Prozentpunkte die Nachfrage noch spürbar gedämpft. Auch weltweit ist mit
einer soliden Entwicklung in den Schwellenländern 2014 insgesamt ein etwas
stärkeres Wachstum als 2013 zu erwarten. Dazu sollten auch die USA
beitragen können. Zwar geht vom Erreichen der Schuldenobergrenze in den
USA in der zweiten Oktoberhälfte 2013 ein potenziell hohes
Konjunkturrisiko für die globale Erholung aus, doch es ist rechtzeitig
eine Lösung des Konflikts zu erwarten. Eine Anhebung der
Schuldenobergrenze von 16,7 Billionen US-Dollar um rund 1,1 Billionen
US-Dollar wäre erforderlich, um das Jahr 2014 vollständig zu finanzieren
und negative Auswirkungen auf die Weltkonjunktur und die Erholung in
Europa
und Österreich zu vermeiden. Derzeit unterschätzen nach Meinung der Bank
Austria Ökonomen viele noch die Gefahr, die eine auch nur wenige Tage
dauernde technische Zahlungsunfähigkeit der USA auslösen würde. Die
US-Staatsanleihe ist weiterhin jene Anlageform, die weltweit als sicherste
gilt, daher sind auch die meisten Währungsreserven in US-Staatsanleihen
veranlagt. Auch eine nur temporäre Erhöhung des Limits für wenige Wochen
oder Monate würde ein konjunkturelles Risiko auch für die Weltwirtschaft
und Europa darstellen. „Angesichts der Katastrophe, die eine, auch nur
technische, Zahlungsunfähigkeit der USA auslösen würde, gehen wir von
einer Lösung kurz vor zwölf oder knapp danach aus“ meint Bruckbauer und
ergänzt: „Auch eine nur temporäre Limiterhöhung würde die
wirtschaftliche Erholung im Euroraum zumindest behindern.“ Grundsätzlich
gehen die Ökonomen der Bank Austria davon aus, dass die anstehende
Haushaltskonsolidierung in den USA das Wachstum schwächen wird und die USA
nicht nur 2013 mit 1,6 Prozent sondern auch 2014 mit 2,4 Prozent unter
ihrem Potential bleiben werden. Der Euroraum hingegen dagegen seine
Haushaltskonsolidierung schon hinter sich gebracht.
Die gerade erst eingesetzte Erholung kommt noch nicht am österreichischen
Arbeitsmarkt an. Zudem rechnen die Ökonomen der Bank Austria in den
kommenden Monaten mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit. „Im
Jahresdurchschnitt 2013 erwarten wir eine Arbeitslosenquote von 7,6
Prozent. Damit ist der höchste Wert der jüngeren österreichischen
Geschichte erreicht, der auch klar über dem Ergebnis aus dem Krisenjahr
2009 liegt“, so Bruckbauer. Zwar sind in einigen Bereichen, zum Beispiel
in einigen Industriebranchen, in den kommenden Monaten positive Signale zu
erwarten. Doch aufgrund des ungenügenden Erholungstempos ist erst im Jahr
2014 insgesamt mit einer Trendwende am Arbeitsmarkt zu rechnen. „Wir
gehen davon aus, dass die durchschnittliche Arbeitslosenquote in
Österreich 2014 auf dem Wert von 7,6 Prozent verharren wird. Damit werden
erstmals mehr als 290.000 Menschen, unter Einbeziehung von
Schulungsteilnehmern sogar mehr als 360.000 Menschen in Österreich auf
Arbeitssuche sein“, zeichnet Bruckbauer das wenig optimistische Bild für
den österreichischen Arbeitsmarkt. Im europäischen Vergleich wird
Österreich mit 4,9 Prozent gemäß Eurostat-Definition allerdings
weiterhin eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten ausweisen.
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