Konjunktur - Eurozone-Rezession schwächt sich zum Ende des zweiten Quartals ab

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Eurozone-Rezession schwächt sich zum Ende des zweiten Quartals ab



- Finaler Eurozone Composite Index: 48.7 (Flash 48.9, Mai 47.7)
- Finaler Eurozone Service-Index: 48.3 (Flash 48.6, Mai 47.2)
- Weiteres Wachstum in Irland und Deutschland, abgeschwächter Rückgang in Frankreich, Italien und Spanien

Mit 48.7 wies der finale Markit Eurozone Composite Index (PMI®) im Juni die geringste Rückgangsrate seit 15 Monaten aus. Dennoch ist die Privatwirtschaft der Eurozone damit insgesamt zum 17. Mal in Folge geschrumpft. Auch lag der Index knapp unter seiner Vorabschätzung von 48.9.

An den Juni-Daten lässt sich ersehen, dass sowohl die Industrie als auch der Dienstleistungssektor geringere Einbußen hinnehmen mussten als noch im Mai. Die Produktionsleistung der Industrie nahm nur geringfügig ab und mit der geringsten Rate seit Beginn des Abwärtstrends vor 16 Monaten. Die Geschäftstätigkeit der Dienstleistungsunternehmen verringerte sich indes mit der niedrigsten Rate seit Januar.

In Irland erreichte der PMI ein 5-Monatshoch, Deutschland verzeichnete zumindest ein schwaches Wachstum. In Frankreich, Italien und Spanien milderten sich die Einbußen ab.

Auch bei den Auftragseingängen sowie beim Beschäftigungsniveau schwächte sich der Negativtrend im Juni ab. Dennoch erstreckt sich der Stellenabbau mittlerweile auf eineinhalb Jahre. In allen vier Kernländern der Eurozone wurden im Industrie- und im Dienstleistungssektor weitere Arbeitsplätze gestrichen. Wesentlich positiver fiel die Entwicklung in Irland aus: Dort wurden in beiden Sektoren zahlreiche Jobs geschaffen.

Trotz der Entlassungen verfügten die Unternehmen der Eurozone immer noch über ungenutzte Kapazitäten, weshalb diese ihre Auftragsbestände erneut insgesamt abbauten. Die Abbaurate reduzierte sich im Juni aber auf ein 15-Monatstief, so dass sich auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten zunehmend entspannen könnte.

Rangliste nach Composite Output Index (Juni):

Irland 53.2 5-Monatshoch
Deutschland 50.4 3-Monatshoch
Spanien 48.1 24-Monatshoch
Frankreich 47.4 10-Monatshoch
Italien 47.0 21-Monatshoch

Die durchschnittlichen Einkaufspreise blieben im Juni relativ konstant. Kräftige Verteuerungen im Dienstleistungssektor waren durch erneute Preisnachlässe für Industrieunternehmen weit-gehend ausgeglichen worden. Während sich die Kostenlast in Frankreich, Italien und Irland erhöhte, verringerte sie sich in Deutschland und Spanien leicht.

Der starke Wettbewerb und die schwache Nachfrage wirkten sich weiterhin negativ auf die Preismacht der Unternehmen aus. Daher nahmen ihre Verkaufspreise den 15. Monat hintereinander ab, wenngleich weniger stark als in den beiden Vormonaten. Keines der vier Kernländer konnte sich dem aktuellen Trend widersetzen.

Servicesektor:

Die Talfahrt der Dienstleister im Euroraum dauert mittlerweile den 17. Monat in Folge an, nicht zuletzt aufgrund des anhaltenden Schwunds bei den Neuauftragszahlen.

Allerdings milderte sich die Rezession des Dienstleistungssektors im Juni spürbar ab. Der saisonbereinigte finale Eurozone Service-Index schloss zwar unterhalb seiner Vorabschätzung von 48.6 bei 48.3, dennoch erreichte er im Juni den höchsten Stand seit Januar.

Auch die Rückgangsrate der Neuaufträge sank auf ein 5-Monatstief, und die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist hellten sich gegenüber Mai leicht auf. Im Mai war die Stimmung noch auf einen Jahrestiefststand gesunken. Allgemein hoffen die Dienstleister jetzt vermehrt auf eine Erholung der Konjunktur.

Am freundlichsten gestaltet sich die Lage in Irland und Deutschland. Irlands Geschäftstätigkeit erreichte ein 5-Monatshoch, während Deutschland sich von den Einbußen im April und Mai etwas erholte. Spaniens Rückgangsrate erreichte ein 10-Monatstief und Spaniens Minus war das geringste seiner nunmehr zwei Jahre andauernden Abschwungsphase. Nur in Italien verstärkte sich der Negativtrend.

Der Stellenabbau im europäischen Dienstleistungssektor setzte sich derweil den 18. Monat hintereinander und mit konstanter Geschwindigkeit fort. Einzig in Irland stellten die Unternehmen saldiert zusätzliche Beschäftigte ein.

Die Kostenbelastung der Dienstleister nahm im Juni weiter zu. Allerdings blieb die Inflationsrate gegenüber April und Mai unverändert und damit auf dem niedrigsten Stand seit fast drei Jahren. Der Kostenanstieg erfasste alle von der Umfrage erfassten Länder. Ihre Angebotspreise mussten die Unternehmen dagegen infolge des hohen Wettbewerbsdrucks und der weiter schwächelnden Nachfrage abermals senken. Der aktuelle Preisverfall ist der 19. in Folge und entspricht in seinem Umfang in etwa dem Durchschnitt der derzeitigen Rückgangsperiode.

Chris Williamson, Chefökonom bei Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite Index:

„Der Abschluss des PMI im Juni unterhalb der 50- Punkte-Marke verweist darauf, dass sich die Rezession der Eurozone auf eine Rekordspanne von sieben Quartalen ausgedehnt hat. Der Rückgang für das zweite Quartal entspricht dabei annähernd einem BIP-Rückgang von 0.2 % auf Quartalsbasis. Damit setzt sich der Trend der ersten drei Monate dieses Jahres weitgehend fort.

Dennoch gibt es guten Grund zur Annahme, dass sich die Konjunktur der Eurozone derzeit stabilisiert und im zweiten Halbjahr in die Wachstumszone vorstoßen wird.

Besonders ermutigend ist, dass Spanien die geringsten Wachstumseinbußen seit zwei Jahren verzeichnet hat, und Italien – trotz des weiterhin lahmenden Dienstleistungssektors – den geringsten Schwund seit September 2011 erlitten hat. Auch Frankreichs Abwärtstrend hat sich abgemildert, und zwar so deutlich wie seit August nicht mehr.

Anlass zur Sorge bereitet dagegen, dass angesichts des schwachen deutschen Wachstums derzeit kein echter Wachstumsmotor auszumachen ist. Daher ist es wahrscheinlich, dass die Konjunktur der Eurozone erst dann wieder anzieht, wenn der Optimismus zurückkehrt und die Arbeitslosenrate von ihrem Rekordhoch von 12.2 % absinkt.“




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