Konjunktur - Deutschlands Rückfall unter die Wachstumsschwelle beschleunigte Abwärtstrend der Eurozone-Privatwirtschaft im April

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Deutschlands Rückfall unter die Wachstumsschwelle beschleunigte Abwärtstrend der Eurozone-Privatwirtschaft im April



- Finaler Eurozone Composite Index: 46.9 (Flash 46.5, März 46.5)
- Finaler Eurozone Service-Index: 47.0 (Flash 46.6, März 46.4)
- Deutschland kehrt zu den anderen drei Kernländern in die Schrumpfungszone zurück

Mit 46.9 notiert der finale Markit Eurozone Composite Index (PMI) im April sowohl oberhalb seiner Vorabschätzung von 46.5 als auch über dem Vier-Monatstiefs von März (46.5). Damit signalisiert er, dass die Privatwirtschaft der Eurozone erstmals seit Januar ihre Talfahrt verlangsamt hat. Allerdings zeigt er auch, dass es mit ihr seit nunmehr 15 Monaten bergab geht. Der Industrie- und der Dienstleistungssektor verzeichneten annähernd die gleichen Rückgangsraten.

Betroffen waren alle vier Kernländer der Eurozone. In Frankreich, Italien und Spanien hielt der Negativtrend an, wenngleich sich die Verfallsraten für Italien und Spanien etwas verringerten. Auch Deutschland sah sich angesichts der Rückgänge bei den Herstellern und Dienstleistern erstmals seit November 2012 mit Einbußen konfrontiert. Irland konnte dagegen Zuwächse verzeichnen, da sich der Auftrieb im irischen Dienstleistungssektor als stärker erwies als die Abwärtsdrift der Industrie.

Der Gesamtauftragseingang nahm im April weiter deutlich ab, wenngleich weniger stark als in den drei Vormonaten, was in erster Linie den geringeren Rückgängen im Dienstleistungssektor zu verdanken ist. Angesichts der gedämpften Nachfrage setzten die Unternehmen ihre ungenutzten Kapazitäten zur Abarbeitung unerledigter Aufträge ein, weshalb die Auftragsbestände im April deutlich zusammenschmolzen.

Seit fünf Monaten müssen die deutschen Unternehmen mittlerweile mit kontinuierlich schwindenden Neuauftragszahlen zurecht kommen. In Frankreich, Italien und Spanien verringerten sich die Rückgangsraten zwar, fielen aber dennoch höher aus als in Deutschland.

Rangliste nach Composite Output Index (April):

Irland 52.2 2-Monatshoch
Deutschland 49.2 5-Monatstief
Italien 46.6 19-Monatshoch
Frankreich 44.3 4-Monatshoch
Spanien 44.0 4-Monatstief

Der Jobabbau setzte sich in der Eurozone zum 16. Mal in Folge fort. In Frankreich, Italien und Spanien wurden weitere Stellen gestrichen. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt sah die Lage etwas besser aus: Die Unternehmen stellten den zweiten Monat in Folge zumindest begrenzt zusätzliche Beschäftigte ein.

Sowohl bei den Einkaufs- als auch bei den Verkaufspreisen ließ der Druck im April weiter nach. Die Verkaufspreise sanken im April den 13. Monat in Folge, und zwar so deutlich wie seit Juli letzten Jahres nicht mehr. Erstmals seit sieben Monaten gewährten auch die deutschen Unternehmen ihren Kunden per Saldo Preisnachlässe und schlossen sich damit dem Trend der anderen drei Schwergewichtsländer an.

Bei den Einkaufspreisen ging im April eine dreieinhalb Jahre andauernde Inflationsphase zu Ende, jedoch nur auf privatwirtschaftlicher Ebene. Denn der Dienstleistungssektor verzeichnete weitere Preisanstiege, wobei die Steigerungsrate aber auf ein 33-Monatstief zurückging. Die Industrie hingegen erlebte die stärksten Preisrückgänge seit August 2009.

Servicesektor:

Der finale Eurozone Service-Index legte gegenüber seinem Fünf-Monatstief von März um 0.6 Punkte auf 47.0 zu und verbesserte sich damit auch gegenüber seiner Vorabschätzung um 0.4 Punkte.

Dennoch lässt sich am aktuellen Index-Wert erkennen, dass der Dienstleistungssektor der Eurozone bereits den 15. Monat hintereinander geschrumpft ist. Ausschlaggebend waren abermals deutliche Einbußen beim Auftragseingang, der im April zum 20. Mal in Folge abnahm.

Ausgelöst durch den steilsten Fall der Neuauftragszahlen seit sechs Monaten erlitt der deutsche Dienstleistungssektor die ersten Geschäftseinbußen seit November. Mit Frankreich, Italien und Spanien ging es weiter schnell abwärts, wenngleich sich die Verfallsrate in Frankreich auf ein 4-Monatstief und in Italien auf ein 20-Monatstief verringerte. Im Gegensatz hierzu verzeichnete Irland sowohl bei der Geschäftstätigkeit als auch bei den Neuaufträgen einen Anstieg.

Positiv ist anzumerken, dass auf den gesamten Euroraum gerechnet sich die Rückgangsraten für Geschäftstätigkeit und Auftragseingang zum ersten Mal seit Jahresbeginn wieder senkten und auch niedriger ausfielen als in der Vorabschätzung. Außerdem verbesserten sich die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist leicht und erreichten ein 11-Monatshoch. Alle von der Umfrage erfassten Länder rechnen mit Zuwächsen in den kommenden zwölf Monaten.

Dessen ungeachtet verringerten sich die Beschäftigtenzahlen im April seit 16 Monaten weiter, wobei die Abbaurate weitgehend dem Durchschnitt für diesen Zeitraum entsprach. Besonders in Frankreich und Italien kürzten die Unternehmen erneut Arbeitsplätze, aber auch in Spanien wurde der Rotstift angesetzt. In Deutschland und Irland konnten indes weitere Stellen geschaffen werden.

Die Einsparungen im Personalbereich sorgten dafür, dass die Inflationsrate der durchschnittlichen Kosten ein 3-Jahrestief erreichte. Nur Italien verzeichnete einen verstärkten Anstieg.

Der allgemeine Kostenabbau ermöglichte es den Unternehmen, ihre Verkaufspreise zu senken und damit dem steigenden Konkurrenzdruck entgegenzuwirken und die Nachfrage anzukurbeln. Die Preise fielen den 17. Monat in Folge, und zwar so deutlich wie seit Dezember nicht mehr. Sie nahmen in allen von der Umfrage erfassten Ländern ab.

Chris Williamson, Chefökonom bei Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite Index:

„Der PMI signalisiert, dass sich die Talfahrt der Eurozone – nach einer Verlangsamung im ersten Quartal – zu Beginn des zweiten Quartals wieder beschleunigt hat.

Um die Krise zu entschärfen hat die EZB ihre Zinsen auf ein neues Rekordtief gesenkt. Doch scheint es fraglich, dass eine Reduzierung der ohnehin niedrigen Zinsen um 25 Basispunkte eine große Wirkung auf einen derart starken Abwärtstrend haben wird. Der PMI-Wert für April deutet darauf hin, dass das BIP um circa 0.4-0.5 % auf Quartalsbasis geschrumpft ist.

Nach Frankreich, Spanien und Italien hat der Abwärtssog nun auch wieder Deutschland erfasst. Der Nachfrageschwund auf dem Binnenmarkt wurde dabei noch verstärkt durch Rückgänge im Exportgeschäft. Diese wiederum waren durch die Abschwächung des Wirtschaftswachstums in Ländern wie China und den USA ausgelöst worden.




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