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Talfahrt der Eurozone-Industrie hält im Februar trotz der Stabilisierung in
Deutschland an
- Finaler PMI für die Eurozone-Industrie im
Februar bei unverändert 47.9 (Flash 47.8)
- Deutschland stabilisiert sich, doch bis auf Irland
vermelden alle übrigen Länder
Wachstumseinbußen
- Anziehende Exportnachfrage, insbesondere in
Deutschland, doch Binnennachfrage weiter
schwach
Rangliste nach PMI®-Indexwerten (Februar)
- Irland 51.5 3-Monatshoch
- Deutschland 50.3 13-Monatshoch
- Niederlande 49.0 3-Monatstief
- Österreich 48.3 2-Monatstief
- Spanien 46.8 20-Monatshoch
- Italien 45.8 3-Monatstief
- Frankreich 43.9 2-Monatshoch
- Griechenland 43.0 9-Monatshoch
Die Eurozone-Industrie ist im Februar mit
unverändertem Tempo geschrumpft. Dies
signalisiert der finale Markit Eurozone
Einkaufsmanager Index (PMI), der mit 47.9
Punkten den 19. Monat in Folge unter der neutralen
Wachstumsmarke von 50 notiert und die
Vorabschätzung nur um 0.1 Punkte übertrifft.
Irland blieb im Berichtsmonat führend und
vermeldete zum zwölften Mal hintereinander
Wachstum. Auch Deutschlands PMI übersprang
erstmals seit elf Monaten die 50er Marke wieder,
verbuchte allerdings nur ein minimales Plus. Starke
Wachstumseinbußen verzeichneten neben Italien
und Frankreich auch Spanien und Griechenland,
wobei Frankreich und Griechenland am tiefsten in
der Rezession steckten. In den Niederlanden und Österreich ging es im Februar hingegen nur leicht
bergab.
Produktion und Auftrageingang gingen zwar
erneut zurück, die Schrumpfungsraten fielen jedoch
niedriger aus als von den jeweiligen Vorabschätzungen
signalisiert.
Der 12. Rückgang der Gesamt-Industrieproduktion
in Folge beschleunigte sich gegenüber
Januar. Lediglich in Irland, Deutschland und in den
Niederlanden wurde die Produktion ausgeweitet,
Frankreich und Griechenland waren in dieser
Kategorie mit Abstand Schlusslichter.
Der Gesamt-Auftragseingang wies im Februar die
schwächsten Verluste seit Juni 2011 aus.
Allerdings konnte die anziehende Exportnachfrage
die schwache Binnennachfrage nicht ausgleichen.
Deutschland verbuchte das höchste Auftragsplus
seit 21 Monaten, wozu auch die stärksten
Exportorderzuwächse seit Mai 2011 beitrugen.
Italien, Spanien und die Niederlande vermeldeten
jeweils mäßige Zuwächse bei den Exportbestellungen.
In Frankreich fiel der Exportorderrückgang
schwächer aus als in den
zurückliegenden fünf Monaten.
Kostensenkungsbemühungen zogen im Februar
zwar den 13. Jobabbau in Folge nach sich, per
Saldo wurden jedoch etwas weniger Stellen
gestrichen als im Januar. Überdies wurden die
Bestände an Vormaterialien und Fertigwaren
abgebaut und die Einkaufsmenge abermals
reduziert.
Bis auf Irland sanken die Beschäftigtenzahlen in
allen übrigen von der Umfrage erfassten Ländern.
In Deutschland verlangsamte sich der Jobabbau
spürbar, und auch in Österreich wurden nur in
moderatem Tempo Stellen gestrichen. In den
anderen Ländern ging es mit der Beschäftigung hingegen weiter zügig bergab. Dass
Überkapazitäten dennoch an der Tagesordnung
waren, zeigte der erneute Rückgang der
Auftragsbestände.
Der Preisdruck blieb auch im Februar gedämpft. So
sanken die Einkaufspreise erstmals seit sechs
Monaten wieder, was in erster Linie auf den starken
Rückgang in Deutschland und sinkende
Einkaufspreise in Österreich zurückzuführen war.
Die Verkaufspreise blieben hingegen insgesamt
weitgehend konstant. Dass sich die Liefersituation
weiter entspannte, zeigte die nur noch minimale
Verlängerung der durchschnittlichen Lieferzeiten.
Die Quote Auftragseingang/Fertigwarenlager,
ein verlässlicher Frühindikator für die zukünftige
Entwicklung der Produktion, kletterte den zweiten
Monat in Folge und erreichte im Februar ein 20-
Monatshoch. Bis auf Italien stieg die Quote in allen
Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit,
kommentiert den finalen Markit Eurozone EMI:
“Das konstante 11-Monatshoch des Februar-PMI
deutet darauf hin, dass sich die Talfahrt der
Eurozone-Industrie seit Jahresbeginn verlangsamt
hat und nicht mehr ganz so rasant verläuft wie fast
das gesamte Vorjahr hindurch. Überdies könnte
sich der Abwärtstrend im März aufgrund der
niedrigsten Verluste beim Auftragseingang seit Juni
2011 weiter abschwächen.
Der Industriesektor dürfte die Eurozone-Konjunktur
im ersten Quartal 2013 erneut belastet und dafür
gesorgt haben, dass die Wirtschaftsleistung das
vierte Quartal in Folge schrumpft. Das Schlimmste
haben wir aber wahrscheinlich hinter uns.
Besorgnis erregend ist jedoch die Tatsache, dass
die Entwicklungen innerhalb der Eurozone stark
auseinander laufen. So vermeldet die deutsche
Industrie erstmals seit einem Jahr wieder
Wachstum, während es in Frankreich immer stärker
bergab geht und auch Spaniens und Italiens
Industriesektoren weiter tief in der Krise stecken.
Deutschland profitiert seit Jahresbeginn von der
anziehenden Exportnachfrage, und auch die
Binnennachfrage hält sich hier wacker. Frankreich,
Italien und Spanien leiden hingegen weiter unter
der schwachen Binnennachfrage.”
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