Konjunktur - Frankreich: Im Würgegriff der Krise

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Frankreich: Im Würgegriff der Krise

 

Frankreichs Staatsschulden werden in den nächsten Wochen
mehr als 90 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmachen. Frankreichs
Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird - laut dem Internationalen
Währungsfonds - im Jahr 2012 bei rund 2,1 Billionen Euro liegen.

"Es ist offensichtlich, dass die Schulden- und Finanzkrise
Frankreich voll erfasst hat", erklärt die Direktorin des Austrian
Economics Centers Dr. Barbara Kolm. "Selbst wenn Frankreichs
Bruttoinlandsprodukt im letzten Jahr um 1,6 Prozent gewachsen ist,
der Schuldenberg wird heuer auf 93,8 Prozent der Wirtschaftsleistung
anwachsen."

Frankreich ist die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt und die
zweitgrößte in Europa, hinter Deutschland und vor Großbritannien.
Frankreichs Präsident stemmt sich verbissen gegen die Krise. Rund 38
Milliarden Euro möchte Präsident Francoise Holland heuer einsparen.
Neben höheren Steuern für die Reichen sollen die Staatsausgaben um
zehn Milliarden sinken und die Bürokratie verkleinert werden. Das
ehrgeizige Sparprogramm sieht auch eine Kürzung der Sozialausgaben
und staatlichen Investitionen vor.

"Der Arbeitsmarkt ist viel zu starr, das Steuersystem ist im
internationalen Vergleich viel zu wirtschaftsfeindlich. Frankreich
rangiert in diesem Punkt auf dem 111. Platz von 128. Staaten",
analysiert Kolm und verweist auf die jüngsten Berechnungen des World
Economic Forums.

"Ich brauche keine Kristallkugel, um vorhersagen zu können, dass
Präsident Holland Frankreichs Wirtschaft nicht ankurbeln wird",
erklärt Kolm. "Den Großunternehmen geht es nicht so schlecht, aber
die kleinen und mittleren Unternehmen haben große Probleme: Die
Investitionen sind zu schwach und die Arbeitskosten viel zu hoch."
In der französischen Industrie kostet eine Arbeitsstunde 35,91 Euro
in der Privatwirtschaft 34,20 Euro. In der Europäischen Union ist
Arbeit nur noch in Belgien, Schweden und Dänemark teurer.

Zwar gibt es in Frankreich rund 3,5 Millionen kleine und
mittelständische Unternehmen, mit dem deutschen Mittelstand sind sie
aber auf gar keinen Fall zu vergleichen. Frankreichs Unternehmen sind
kaum an das Bildungssystem angebunden, zum Beispiel an Gymnasien mit
technischer Ausbildung.

In Frankreich gibt es auch kein Pendant zum "Standort
Deutschland", ein Begriff, der in Deutschland für die Vermehrung von
Reichtum und die Modernisierung des Landes steht. "Zudem haben
Frankreichs Produkte nur durchschnittliche Qualität. Auch deswegen
schneiden französische Unternehmen schlechter ab als deutsche oder
italienische", erklärt Kolm.

Frankreichs Wettbewerbsfähigkeit rangiert im internationalen
Vergleich nur noch auf dem 21. Platz und hat sich - nach aktuellen
Berechnungen des World Economic Forums - um drei Plätze
verschlechtert. Kleine Nachbarländer wie die Niederlande (5. Platz)
und Belgien (17. Platz) liegen deutlich vor der "Grande Nation".
Die EU-Kommission erwartet, dass Frankreichs Wirtschaft im Jahr 2013
um 0,4 Prozent wachsen wird, doch die EU-Konjunkturexperten sind
weniger optimistisch. Sie prognostizieren ein Wachstum von lediglich
0,1 Prozent.

"Der Konsum stagniert und auch die Arbeitslosigkeit wird nicht so
bald zurückgehen, falls die Beschäftigungsprogramme von Holland
überhaupt greifen. Derzeit liegt die Arbeitslosenquote bei 10,5
Prozent und ist somit doppelt so hoch wie in Deutschland (5,4
Prozent). Ich erwarte, dass Frankreich noch dieses Jahr in eine
veritable Rezession schlittert", fügt Kolm abschließend hinzu.

 





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