Wachstum in den kommenden Jahren gedämpft
Mittelfristige Prognose der österreichischen Wirtschaft bis 2017
Nach der Wachstumsdelle im Jahr 2012 entwickelt
sich die heimische Wirtschaft auch mittelfristig nur wenig dynamisch.
Der höchste BIP-Zuwachs innerhalb des Prognosezeitraumes 2012/2017
wird für 2015 erwartet, er fällt mit 2% aber gering aus. Maßgeblich
für die gedämpfte Entwicklung sind sowohl externe (anhaltende
Konjunkturschwäche im Euro-Raum) als auch heimische Faktoren (mäßiges
Konsumwachstum durch steigende Sparneigung der privaten Haushalte).
Die Expansion wird nicht ausreichen, um die Arbeitslosigkeit zu
senken. Inflationäre Tendenzen sind mittelfristig unwahrscheinlich.
Die öffentliche Hand setzt ihren mäßigen Konsolidierungskurs fort.
Die österreichische Wirtschaft wird im Durchschnitt der Jahre 2012
bis 2017 um 1,7% wachsen. Gegenüber der mittelfristigen Prognose des
WIFO aus dem Vorjahr bleibt das prognostizierte Konjunkturmuster
unverändert. Am Szenario eines mäßigen Aufschwunges 2013 und 2014,
dem ein wenig ausgeprägter Wachstumshöhepunkt 2015 folgt, wird auch
in der vorliegenden Prognose festgehalten.
Die relative Schwäche der mittelfristigen Wirtschaftsdynamik ist
sowohl auf heimische Faktoren (Dämpfung des Konsums durch steigende
Sparneigung) als auch auf internationale Effekte zurückzuführen. Eine
maßgebliche Rolle spielt die flaue Wirtschaftsentwicklung im
Euro-Raum.
Während sich die Wirtschaft im Durchschnitt des Euro-Raumes in den
kommenden Jahren sehr schwach entwickeln wird, ist für Österreich -
trotz des im langfristigen Vergleich geringen Wachstums - eine etwas
bessere Tendenz zu erwarten. Dieser Wachstumsvorsprung gegenüber dem
Durchschnitt des Euro-Raumes resultiert aus der robusten und
exportorientierten Wirtschaftsstruktur, dem hohen
Spezialisierungsgrad in wissensintensiven Branchen sowie den relativ
hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung und wird auch
mittelfristig erhalten bleiben. Zudem sind die
Konsolidierungserfordernisse der öffentlichen Hand in Österreich
deutlich geringer als in einigen anderen Euro-Ländern.
Die prognostizierte Entwicklung von Beschäftigung und Reallöhnen
wirkt sich stabilisierend auf die verfügbaren Haushaltseinkommen aus,
die Konsolidierungsbemühungen der öffentlichen Hand dämpfen die
Einkommen etwas. Der private Konsum wird sich über den
Prognosezeitraum jedoch schwächer entwickeln als die verfügbaren
Einkommen, weil die privaten Haushalte vermehrt sparen.
Übersicht 1: Hauptergebnisse der mittelfristigen Prognose für
Österreich - auf der WIFO-Website (
http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12 )
Die Exporte werden bis zum Jahr 2017 real um durchschnittlich 5,2%
pro Jahr zunehmen. Die Ausweitung der Ausfuhr zieht mit gewisser
Verzögerung eine Erholung der Ausrüstungsinvestitionen nach sich.
Während die Ausrüstungsinvestitionen aufgrund der abnehmenden
Unterauslastung der Kapazitäten kräftiger anziehen werden, dämpft vor
allem die geringe Nachfrage nach Bauinvestitionen das Gesamtvolumen
der Bruttoanlageinvestitionen. Die Bauinvestitionen erreichen
hingegen ihren Wachstumstiefpunkt erst 2013. Die
Finanzierungsbedingungen bleiben über den gesamten Prognosezeitraum
günstig.
Trotz des verhaltenen Konjunkturaufschwunges wird die
Beschäftigung ausgeweitet. Gleichzeitig wächst jedoch das
Arbeitskräfteangebot merklich. Es steigt noch bis 2014 stärker als
die Nachfrage, die Zahl der Arbeitslosen nimmt daher weiter zu.
Danach erhöhen sich Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt im
Gleichklang, sodass sich die Gesamtzahl der Arbeitslosen nur mehr
geringfügig ändert und 2017 wieder bei etwa 282.000 liegt. Die
Arbeitslosenquote erreicht 2013 mit 7,4% ihren bisher höchsten Wert
und wird mittelfristig auf diesem Niveau verharren, eine Verringerung
zeichnet sich erst am Ende des Prognosezeitraumes ab.
Nach einem Rückgang der Rohölnotierungen 2013 wird in den
folgenden Jahren wieder mit einem mäßigen Preisanstieg gerechnet. Die
mittelfristige Verteuerung von Rohstoffen schlägt sich auch in den
Preisen von Intermediär- und Fertigprodukten nieder, sodass die
Importpreise ab 2015 wieder anziehen. Der heimische Preisdruck bleibt
aufgrund der mäßigen Lohnentwicklung und der anhaltenden
Unterauslastung der Kapazitäten gering, sodass die Verbraucherpreise
mittelfristig nur um etwa 2,1% steigen.
Das in den vergangenen Jahren mehrfach revidierte fiskalpolitische
Regelwerk der EU verpflichtet Österreich zu einer substanziellen
Verbesserung der Budgetsalden und zu einer Verringerung der
Staatsschuldenquote. Gemäß dem Verfahren wegen übermäßigen Defizits,
dem Österreich seit 2009 unterliegt, sollen die Defizitquote
(Maastricht-Defizit) bis 2013 unter 3% des BIP verringert, das
konjunkturbereinigte (strukturelle) Defizit zwischen 2011 und 2013 um
0,75% des BIP p. a. gesenkt sowie ein Rückgang der Schuldenquote
erreicht werden. Das gesamtstaatliche Defizit wird im
Prognosezeitraum schrittweise von 3,1% (2012) auf 2,6% im Jahr 2013
und 0,4% des BIP im Jahr 2017 gesenkt.