|
Deutschland: Stärkster Rückgang bei Neuaufträgen seit August
Die deutsche Industrie setzte ihre Talfahrt auch im Dezember fort. Sowohl das Produktionsvolumen als auch der Auftragseingang nahmen weiter ab, die Rate der Neuaufträge fiel dabei auf ein Vier-Monatstief. Die meisten Umfragemitglieder machten die schwache Nachfrage und die Unwägbarkeiten der Wirtschaftsentwicklung für den fortgesetzten Negativtrend verantwortlich. Positiver fiel dagegen die Preisentwicklung aus: Zum ersten Mal seit vier Monaten nahmen die Einkaufspreise im Durchschnitt marginal ab.
Der finale saisonbereinigte Markit/BME Einkaufsmanager Index gab von 46.8 Zählern im November auf 46.0 im Dezember nach und signalisierte damit eine moderate Verschlechterung im Industriesektor. Der Index spiegelt das Ergebnis der aktuellen Umfrage unter mehr als 500 Unternehmen zur Industriekonjunktur in Deutschland in einem Wert wider. Bereits seit März notiert er unterhalb der Wachstumsgrenze von 50 Punkten. Der Wert für Dezember entspricht dabei annähernd dem Durchschnitt der aktuellen Negativphase.
Für das vierte Quartal liegt der Durchschnitt bei insgesamt 46.3 Punkten, im dritten Quartal waren es lediglich 45.0. Dies zeigt, dass sich der Abwärtstrend zum Ende des Jahres verlangsamt hat.
Schwierigkeiten bereitete den Unternehmen jedoch der erneut verringerte Eingang an Neu- und Folgeaufträgen. Besonders schwach war die Nachfrage aus dem Ausland. Insgesamt verzeichnete die deutsche Industrie den geringsten Ordereingang der letzten vier Monate.
Die Unternehmen versuchten zwar, die Auftragsverluste durch die Abarbeitung bestehender Aufträge zu kompensieren, mussten ihre Produktion aber dennoch den neunten Monat in Folge zurückfahren. Die Rückgangsrate im Dezember fiel dabei noch höher aus als im November. Das hatte mit zur Folge, dass die Fertigwarenbestände so stark abgebaut wurden wie seit Februar 2010 nicht mehr.
Zudem passten die Einkaufsmanager die Bestellmengen an die verminderten Produktionsanforderungen an und versuchten somit, die Lagerbestände und die damit verbundenen Kosten so gering wie möglich zu halten. Gleichzeitig verkürzten sich die Lieferzeiten der Lieferanten zum zweiten Mal in Folge, wenngleich auch nur geringfügig.
Auch wurden bei den Industrieunternehmen im Dezember nun zum dritten Mal hintereinander Arbeitsplätze abgebaut. Die Zahl der Stellenstreichungen stieg zwar gegenüber dem Vormonat an, fiel aber insgesamt moderat aus. Den höchsten Beschäftigungsabbau verzeichnete die Investitionsgüterindustrie.
Die Einkaufspreise nahmen zum ersten Mal seit August im Durchschnitt marginal ab: Zahlreiche Unternehmen hatten ihre Verhandlungen mit den Lieferanten zu einem erfolgreichen Abschluss bringen können. Auch die Verkaufspreise verringerten sich im Dezember. Die meisten Hersteller machten den steigenden Wettbewerbsdruck hierfür verantwortlich.
Tim Moore, Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Markit/BME Einkaufsmanager Index:
„Der deutschen Industrie fällt es zunehmend schwerer, die Produktionsleistung auch nur annähernd auf demselben Niveau wie zu Hochzeiten der Erholungsphase zu halten. Wenngleich die Hersteller bemüht sind, an die Erfolge der letzten Jahre anzuknüpfen, so scheint sich die Lage in diesem Winter doch weiter zugespitzt zu haben, denn die Dezemberdaten der Umfrage unter den Einkaufsmanagern signalisieren ein erneutes Absinken des Produktionsniveaus und der Auftragseingänge.
Die Hersteller reagierten auf die nachlassende Nachfrage mit Preissenkungen und Stellenstreichungen. Doch es zeigte sich auch ein Silberstreifen am Horizont: Zum ersten Mal seit August sanken die Kosten für Rohstoffe und Zwischenerzeugnisse. Dies sollte den Druck auf die Gewinnmargen zu Jahresbeginn vermindern und damit für ein wenig Entlastung bei den Industriebetrieben sorgen.“
|