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Talfahrt des deutschen Servicesektors beschleunigt sich im November, in
der Industrie verlangsamt sich der Abwärtstrend hingegen leicht
Die Wirtschaftleistung Deutschlands schrumpfte im
November in nahezu unverändertem Tempo. Doch
während sich der Rückgang der Industrieproduktion
gegenüber Oktober deutlich abschwächte,
beschleunigte sich die Talfahrt im Servicesektor
leicht und zog erneut die höchsten Wachstumseinbußen
seit Juni 2009 nach sich.
Der beide Sektoren umfassende Markit Flash
Deutschland Composite Index Produktion legte
gegenüber Oktober um 0.2 Punkte auf 47.9 zu und
notiert damit zum siebten Mal hintereinander unter
der Marke von 50 Punkten, ab der Wachstum
signalisiert wird.
Der Service-Index Geschäftstätigkeit gab binnen
Monatsfrist um 0.4 Punkte auf 48.0 nach und
signalisiert damit insgesamt moderate Einbußen.
Der Index Industrieproduktion verbesserte sich
hingegen um 1.4 Zähler auf 47.7 und notiert damit
deutlich über dem Juli-Tief von 42.2 Punkten.
Ausschlaggebend für die anhaltende Krise der
deutschen Wirtschaft war der erneute Rückgang
beim Neugeschäft. So weist der entsprechende
Gesamt-Index Auftragseingang zum 15. Mal
innerhalb der zurückliegenden 16 Monate ein Minus
aus. Beide Sektoren litten im November in fast
demselben Ausmaß unter der Auftragsflaute. Im
Servicesektor schlugen höhere Verluste als in den
beiden Vormonaten zu Buche, in der Industrie fiel
der Rückgang jedoch so schwach aus wie zuletzt
im März. Auch die Exportbestellungen sanken im
November weniger stark als in den letzten sechs
Monaten, was die Unternehmen auf die anziehende
Nachfrage nach Industrieerzeugnissen ‚Made in
Germany’ besonders aus China zurückführten.
Aufgrund der schlechten Auftragslage verdüsterten
sich die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist
unter den deutschen Dienstleistern im November
erheblich und fielen so pessimistisch aus wie
zuletzt im März 2009.
Die Beschäftigung wurde im November so stark
abgebaut wie seit Januar 2010 nicht mehr. In der
Industrie verlangsamte sich der Jobabbau, im
Servicesektor gingen hingegen so viele Stellen
verloren wie zuletzt vor dreieinhalb Jahren.
Indes deutet der 17. Rückgang der
Auftragsbestände in Folge in der deutschen
Privatwirtschaft darauf hin, dass die Kapazitäten
auch im November nicht ausgelastet waren. Doch
während die Auftragspolster in der Industrie
langsamer abnahmen als im Oktober, sanken sie
im Servicesektor zu zügig wie seit einem Jahr nicht
mehr.
An der Preisfront entspannte sich die Lage wieder.
So legten die durchschnittlichen Einkaufspreise
verhaltener zu als in den beiden Vormonaten, was
auf verlangsamte Inflationsraten in beiden Sektoren
zurückzuführen war. Der starke Wettbewerbsdruck
wiederum zog in beiden Sektoren eine moderate
Reduzierung der Verkaufs- bzw. Angebotspreise
nach sich. Der entsprechende Gesamt-Index
Verkaufspreise gab auf den tiefsten Wert seit
Februar 2010 nach.
Tim Moore, Senior-Ökonom bei Markit,
kommentiert den aktuellen Markit Flash EMIâ„¢
Deutschland:
„Unsere November-Umfrage zeigt, dass die deutsche
Wirtschaft das Jahr wohl in kläglichem Zustand
beenden dürfte. Die Krise der Eurozone setzt der
Binnenwirtschaft und dem Verbrauchervertrauen
gleichermaßen zu. Der Servicesektor schrumpfte der
heutigen Vorabschätzung zufolge so stark wie seit
knapp dreieinhalb Jahren nicht mehr. Immerhin
vermeldet die Industrie abgeschwächte Produktionsund
Auftragsverluste, was die Branchenakteure auf
Impulse im Exportgeschäft mit Ländern außerhalb der
Eurozone zurückführten.
Unsere heutigen Vorabschätzungen deuten insgesamt
darauf hin, dass der kurzfristige Ausblick für beide
Sektoren letztlich keinen Trost bietet. So wurden die
Vormateriallager in der Industrie – ein untrüglicher
Indikator für die weitere Nachfrageentwicklung – so
stark abgebaut wie seit drei Jahren nicht mehr, und
dies trotz der verringerten Auftragsverluste. Und im
Servicesektor fällt der Ausblick momentan so
pessimistisch aus wie zuletzt im März 2009. So
befürchten die Dienstleister im nächsten Jahr nicht nur
Budgetkürzungen auf Kundenseite, sondern auch
weitere negative Auswirkungen der Euro-Krise auf die
deutsche Konjunktur.“
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