Konjunktur - Eurozone-Privatwirtschaft schrumpft auch im September trotz abgeschwächter Talfahrt in Deutschland und Italien

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Eurozone-Privatwirtschaft schrumpft auch im September trotz abgeschwächter Talfahrt in Deutschland und Italien



Die Eurozone-Privatwirtschaft ist im September stärker geschrumpft als in den drei Vormonaten. Dies signalisiert der finale Markit Eurozone Composite Index (PMI®), der binnen Monatsfrist um weitere 0.2 Punkte auf 46.1 sank und damit zum achten Mal hintereinander unter der neutralen Wachstumsmarke von 50 notiert. Die Vorab-schätzung wurde jedoch um 0.2 Punkte übertroffen. Neben der Geschäftstätigkeit gingen auch Auftrags-eingang und Beschäftigung weiter zurück, während sich der Inflationsdruck verstärkte.

Der Indexdurchschnitt für das dritte Quartal 2012 unterschreitet mit 46.3 den Vorquartalswert um 0.1 Punkte und fällt damit so schlecht aus wie zuletzt in Q2/2009.

Industrieproduktion und Geschäftstätigkeit im Servicesektor gingen mit ähnlicher Schrumpfungs-rate zurück. Während jedoch der Produktionsindex in der Industrie ein Fünf-Monatshoch markiert, befindet sich der Service-Index aktuell auf dem tiefsten Wert seit Juli 2009.

Lediglich Irland wies im September Wachstum aus. Hier beschleunigte sich der Aufschwung, so dass der Composite-Index auf den höchsten Wert seit fast 1,5 Jahren stieg. Trotz des fünften Wachstums-rückgangs in Folge näherte sich Deutschlands Wirtschaftsleistung der Stagnation weiter an. In Italien ging es trotz erneut hoher Einbußen weniger stark bergab als in den fünf Vormonaten. Sorgen-kinder waren im September Frankreich und Spanien, wo sich die Talfahrt jeweils beschleunigte. In Frankreich verschlechterte sich die Lage sogar in rekordverdächtigem Tempo.

Rangliste nach Composite Output Index (Sep):
Irland 53.0 17-Monatshoch 
Deutschland 49.2 4-Monatshoch 
Italien 44.8 6-Monatshoch 
Frankreich 43.2 42-Monatstief 
Spanien 41.2 4-Monatstief 

Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite Index:

“Obwohl der finale Eurozone Composite Index etwas höher ausgefallen ist als die Vorabschätzung, signalisiert er den stärksten Rückgang der Wirtschaftsleistung seit drei Jahren. Nach dem Minus von 0.2% im Vorquartal scheint ein noch stärkerer Wachstumsrückgang im dritten Quartal 2012 unausweichlich, womit das Währungsgebiet wieder in der Rezession stecken dürfte.

Angesichts von Kostensenkungsmaßnahmen und zunehmender Überkapazitäten sind auch die Aussichten düster. Zwar gibt es erste Anzeichen für eine Stabilisierung in Deutschland, doch machen die beschleunigte Talfahrt in Frankreich und Spanien und die anhaltende Krise in Italien jegliche Hoffnung darauf, dass der Tiefpunkt bereits hinter uns liegen könnte, zunichte.

Investitionen und Ausgaben sind damit fraglicher denn je. Im Servicesektor fällt der Ausblick wegen gestiegener Sorgen hinsichtlich der Lage in Spanien sogar so pessimistisch aus wie seit März 2009 nicht mehr. Die Staatsschuldenkrise scheint sich ebenfalls weiter zu verschlimmern, was dem Geschäftsklima - das ohnehin von der Abkühlung der Weltwirtschaft belastet wird - weiter schaden dürfte.

Wegen der steigenden Arbeitslosigkeit werden auch die Konsumausgaben der Verbraucher sinken. Im Moment gehen aufgrund der rückläufigen Nachfrage und steigender Kosten ja bereits so viele Stellen verloren wie seit Jahresbeginn 2010 nicht mehr.

Dass die Eurozone im vierten Quartal 2012 auf den Wachstumspfad zurückkehrt, ist alles in allem ziemlich unwahrscheinlich. Vielmehr stellt sich die Frage, ob es der Politik gelingt, Geschäfts- und Konsumklima wieder auf die Sprünge zu helfen, um der Talfahrt Einhalt zu gebieten, oder ob sich der Abwärtstrend bis Jahresende weiter beschleunigt.”

Service- und Industriesektor kombiniert:

Hauptgrund für den Rückgang der Wirtschafts-leistung in der Eurozone waren die höchsten Auftragsverluste seit Juni 2009. So litten die Unternehmen unter der Nachfrageschwäche in den jeweiligen Binnenmärkten und unter rückläufigen Handelsströmen innerhalb der Eurozone und auf den Weltmärkten.

In Frankreich, Italien und Spanien vergrößerte sich das Auftragsminus, und auch Deutschland wies trotz abgeschwächter Schrumpfungsrate noch immer hohe Verluste aus. In Irland legte der Auftragseingang hingegen kräftig zu.

Die anhaltende Talfahrt der Eurozone hatte erneut einen Beschäftigungsrückgang und Überkapazitäten zur Folge. Der 9. Jobabbau in Folge fiel so stark aus wie seit Januar 2010 nicht mehr, und die Auftragsbestände nahmen mit der zweithöchsten Rate seit Mitte 2009 ab. In Deutschland kam es nach dem leichten Stellenzuwachs im August per Saldo wieder zu Entlassungen, in Frankreich, Italien und Spanien beschleunigte sich der Jobabbau.

Infolge der Verteuerung von Öl, Nahrungsmitteln und anderen Rohstoffen auf den Weltmärkten beschleunigte sich der Kostenauftrieb weiter und fiel stärker aus als in den vier Vormonaten. Beide Sektoren vermeldeten ähnlich hohe Preis-steigerungsraten.

Aufgrund des scharfen Wettbewerbs und der anhaltenden Nachfrageschwäche wurden die Verkaufspreise zum sechsten Mal hintereinander und auch erneut stark reduziert. Frankreich, Italien und Spanien verzeichneten hohe, Deutschland und Irland nur geringfügige Preisnachlässe.

Servicesektor:

Im Eurozone-Servicesektor hat sich der Abwärtstrend im September etwas weniger stark beschleunigt als von der Vorabschätzung angezeigt. Dies zeigt der finale Eurozone Service-Index Geschäftstätigkeit, der mit 46.1 den Flash um 0.1 Punkte übertraf, den Vormonatswert jedoch um 1.1 Zähler unterschritt. Letztlich fielen die 8. Wachstumseinbußen in Folge so stark aus wie seit Juli 2009 nicht mehr.

In Frankreich schrumpfte der Servicesektor so zügig wie zuletzt im Oktober 2011, in Spanien so stark wie zuletzt im November 2011. Trotz anhaltend kräftiger Geschäftseinbußen erholte sich der Service-Index in Italien auf ein 8-Monatshoch, während sich der deutsche Servicesektor nach dem leichten Geschäftsrückgang im August der Stabilisierung annäherte. In Irland liefen die Geschäfte hingegen so gut wie seit 19 Monaten nicht mehr.

Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist fielen im September erstmals seit März 2009 wieder pessimistisch aus. Hauptverantwortlich hierfür war der deutsche Servicesektor, wo der Ausblick so düster ausfiel wie zuletzt vor 3,5 Jahren. Auch in Frankreich waren die Aussichten negativ, während sich die Zuversicht in Italien abschwächte. In Irland und Spanien verbesserte sich der Ausblick hingegen leicht.

Der 13. Auftragsrückgang in Folge fiel so stark aus wie zuletzt Mitte 2009. Alle vier großen Länder verzeichneten Rückgänge, und nur in Deutschland verringerten sich die Verluste binnen Monatsfrist.

Der 9. Jobabbau in Folge war so gravierend wie seit fast drei Jahren nicht mehr. In Frankreich und Italien beschleunigte sich der Jobabbau, während er sich in Spanien zumindest nicht weiter verstärkte. Nach viermonatigen Zuwächsen vermeldete der deutsche Servicesektor per Saldo so viele Entlassungen wie seit Mai 2009 nicht mehr.

Wegen der Verteuerung von Öl, Energie und Nahrungsmitteln erreichte der Kostenauftrieb im September in Fünf-Monatshoch. Gleichzeitig sorgte der scharfe Wettbewerb für die stärkste Reduzierung der Angebotspreise seit zweieinhalb Jahren.




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