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Anhaltend schwaches Eurozone-Wachstum im August
Ergebnisse auf einen Blick:
HCOB Composite PMI® Eurozone bei 51,0 (Finalwert Juli: 50,9), 12-Monatshoch
HCOB Dienstleistungsindex Eurozone bei 50,5 (Finalwert Juli: 51,0), 2-Monatstief
Erstes Plus beim Gesamt-Auftragseingang seit Mai 2024 trotz beschleunigtem Rückgang der Exporte
Wie bereits seit Jahresbeginn blieb die Eurozone-Wirtschaft im August zwar auf Wachstumskurs, doch trotz der
Beschleunigung auf ein Ein-Jahreshoch fiel die Steigerungsrate ein weiteres Mal nur schwach aus. Bremsfaktor war der
Servicesektor, wo die Geschäftstätigkeit nur minimal zulegte. Ungeachtet dessen wies der Auftragseingang erstmals seit
Mai 2024 wieder ein Plus aus, und der Stellenaufbau beschleunigte sich auf ein 14-Monatshoch. Der Ausblick blieb
gegenüber Juli nahezu unverändert und fiel damit erneut weniger optimistisch aus als im langjährigen Mittel. Der Anstieg der
Einkaufspreise beschleunigte sich, woraufhin auch die Verkaufspreise stärker angehoben wurden als zuletzt.
Der finale saisonbereinigte HCOB Composite PMI für die Eurozone - ein gewichteter Mittelwert aus dem HCOB Eurozone
Index Industrieproduktion und dem HCOB Eurozone Service-Index Geschäftstätigkeit – stieg im August auf 51,0 Punkte von
50,9 im Juli. Damit signalisierte der Index zwar – wie bereits seit Jahresbeginn – Wachstum, das Tempo blieb jedoch
verhalten. Ausschlaggebend hierfür war der schwächelnde Servicesektor, der nur noch ein Mini-Wachstum vermeldete. Die
Industrieproduktion wurde hingegen so kräftig ausgeweitet wie seit knapp dreieinhalb Jahren nicht mehr.
Von den von der Umfrage erfassten Ländern war Spanien Spitzenreiter beim Wachstum, wenngleich der Aufschwung hier
an Fahrt verlor. Gleiches galt für Irland und Deutschland, während die Wirtschaftskraft in Italien stärker zulegte als zuletzt.
Frankreich blieb zwar Schlusslicht, doch hier stieg der Composite PMI auf ein 12-Monatshoch und notierte nur noch knapp
unter der Referenzmarke von 50 Punkten, was eine annähernde Stabilisierung der Wirtschaftsleistung bedeutete.
Die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen zog im August an und bescherte den Unternehmen den ersten
Auftragszuwachs seit Mai 2024. Triebfeder war die Industrie, während der Servicesektor nur ein geringfügiges Plus
verbuchte. Folglich fiel der Gesamtzuwachs auch nur minimal aus.
Detailergebnissen der aktuellen Umfrage zufolge legte vor allem die Binnennachfrage zu, während die Exporte - wie bereits
seit dreieinhalb Jahren – erneut sanken, diesmal sogar wieder stärker als in den zurückliegenden vier Monaten.
Aufgrund des Produktionsüberhangs nahmen die Auftragsbestände zwar abermals ab, die Rate fiel jedoch so niedrig aus
wie zuletzt vor knapp zweieinhalb Jahren und war insgesamt nur noch schwach.
Der sechste Stellenaufbau in Folge fiel im August so stark aus wie seit 14 Monaten nicht mehr. Zurückzuführen war dies
jedoch ausschließlich auf den beschleunigten Jobaufbau bei den Serviceanbietern, während in der Industrie per Saldo
erneut Stellen abgebaut wurden.
Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist fielen etwas weniger optimistisch aus als im Juli und Juni, weshalb der
entsprechende Index mit einem Drei-Monatstief auch wieder unter seinen Langzeit-Durchschnittswert sank.
Der Anstieg der Einkaufspreise beschleunigte sich im Berichtsmonat und fiel so stark aus wie zuletzt im März. Preistreibend
wirkte sich zwar vor allem der Kostenauftrieb bei den Dienstleistern aus, doch auch im Verarbeitenden Gewerbe stiegen die
Einkaufspreise erstmals wieder geringfügig. Folglich wurden auch die Verkaufs- bzw. Angebotspreise für Güter und
Dienstleistungen so kräftig angehoben wie seit vier Monaten nicht mehr.
Rangliste der Composite PMIs im August 2025
Spanien 53,7 2-Monatstief
Italien 51,7 3-Monatshoch
Irland 51,3 14-Monatstief
Deutschland 50,5 (Flash: 50,9) 2-Monatstief
Frankreich 49,8 (Flash: 49,8) 12-Monatshoch
HCOB Dienstleistungsindex Eurozone
Mit 50,5 Punkten nach 51,0 im Vormonat signalisierte der finale HCOB Dienstleistungsindex Eurozone, dass sich das
Wachstum des Servicesektors im August verlangsamt hat und nur noch äußerst mager ausgefallen ist.
Die Nachfrage nach Dienstleistungen blieb gegenüber Juli praktisch unverändert, weshalb der entsprechende Index auch nur
minimal über der neutralen 50-er Marke notierte. Die stärker als in den beiden Vormonaten gesunkenen Exporte belasteten den
Auftragseingang zusätzlich.
Die Auftragsbestände wurden nur noch minimal und so langsam abgebaut wie zuletzt im Mai 2024. Die Beschäftigung nahm –
wie bereits seit über viereinhalb Jahren zu, diesmal sogar wieder stärker als in den zurückliegenden drei Monaten.
Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist blieben zwar positiv, der Grad an Optimismus ließ jedoch leicht nach und blieb
damit unter dem Langzeit-Durchschnittswert.
Der Inflationsdruck nahm im August wieder zu. So stiegen die Einkaufspreise stärker als in den beiden Vormonaten, und die
Angebotspreise wurden kräftiger angehoben als in den zurückliegenden vier Monaten.
Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, kommentiert:
„Wenn man mit dem Fahrrad zu langsam fährt, kann man damit irgendwann umfallen. Das könnte auch für die Eurozone zu
einem Problem werden, denn der HCOB Composite PMI wächst zwar seit Anfang des Jahres, aber das Tempo ist extrem
langsam und auch im August bleibt der Indexstand mit 51,0 zu nahe am Stillstand.
Da kommen die politische Krise in
Frankreich und Spanien, die Unsicherheiten rund um den EU-US-Deal sowie die anhaltenden Probleme in dem
Schlüsselsektor der Automobilindustrie denkbar ungelegen. Höhere Verteidigungsausgaben in Europa und das
Infrastrukturprogramm in Deutschland machen auf der anderen Seite Hoffnung, dass es in den nächsten Quartalen weiter
vorwärts geht und das Fahrrad nicht umkippt.
Im Dienstleistungssektor sieht es derzeit eher nach Stagflation als nach Erholung aus. Denn die Expansionsrate ist von einem
niedrigen Niveau noch weiter gefallen.Auf der Kostenseite sind die Belastungen gestiegen und haben sich in einer leicht
erhöhten Inflation bei den Verkaufspreisen niedergeschlagen. Tatsächlich hat sich die Lage im Dienstleistungssektor in allen
vier großen Euroländern eingetrübt – in Spanien und Italien ist das Wachstum zurückgegangen und in Deutschland und
Frankreich ist eine leichte Schrumpfung festzustellen. Einen Abwärtstrend würden wir daraus noch nicht ableiten, denn bei den
Auftragseingängen und dem Auftragsbestand der Eurozone lässt sich eine Stabilisierung erkennen. Insgesamt ist die Lage
jedoch fragil.
Die Europäische Zentralbank dürfte die PMI-Preisdaten für den Dienstleistungssektor mit einem weinenden und einem
lachenden Auge betrachten. Denn während die Kosten im Dienstleistungssektor beschleunigt nach oben gegangen sind und
auf höheren Inflationsdruck hindeuten, ist die Inflation bei den Verkaufspreisen nur marginal gestiegen. Das deutet darauf hin,
dass die Dienstleister sich kaum in der Lage gesehen haben, die höheren Kosten an die Konsumenten weiterzugeben.
Steigende Kosten bedeuten jedoch, dass sich hier mittelfristig Inflationsdruck aufbauen könnte.
Die schwächelnde Konjunktur im Dienstleistungssektor hinterlässt bei der Beschäftigungsentwicklung kaum Spuren. So ist der
Personalbestand im August sogar etwas beschleunigt ausgebaut worden, wobei hier Frankreichs Unternehmen besonders
hervorstechen. In Italien und Spanien hat sich der Beschäftigungszuwachs hingegen abgeschwächt, während Dienstleister in
Deutschland sogar ihr Personal marginal reduziert haben. Im Ergebnis deutet diese Entwicklung auf eine nachlassende
Arbeitsproduktivität hin. Das ist aus Inflationssicht problematisch, denn wenn die Produktivität nachgibt, steigen die Kosten pro
produzierter Dienstleistungseinheit und das kann die nachlassenden Lohnzuwächse überkompensieren. Die Europäische
Zentralbank hat auch diesen Aspekt im Blick, wie das jüngste Protokoll der letzten Notenbanksitzung unterstreicht.“
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