OMV: Bei Importen keine Preisreduktion erzielbar
Konzern gibt nur 2,8 statt 5 Cent Preisnachlass pro Liter -
Ministerium kündigt Prüfung an - Kritik von SPÖ und Opposition
- Badelt: Effekte der Spritpreisbremse "gering"
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AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu: Stellungnahme der NEOS (11. Absatz)
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Die OMV setzt die Vorgaben der österreichischen
Spritpreisbremse bei Diesel ab sofort nur mehr teilweise um,
berichtete das Ö1-"Morgenjournal" am Dienstag. Statt der
vorgesehenen fünf Cent pro Liter zieht das Unternehmen nur 2,8 Cent
ab. Die OMV begründet den Schritt mit den hohen Importkosten. Das
Wirtschaftsministerium kündigte eine Sonderprüfung durch die
E-Control an. Von der SPÖ kommt scharfe Kritik.
Die Bundesregierung hatte zur Entlastung eine Preisreduktion von
insgesamt zehn Cent pro Liter angekündigt, die je zur Hälfte durch
Steuersenkungen und einen Margenverzicht der Konzerne erfolgen
sollte. Laut ORF-Bericht informierte die OMV nun Großkunden über die
Reduktion des Abschlags beim Diesel.
Österreich sei bei Diesel zu 60 Prozent von Importen abhängig,
heißt es dazu in einer OMV-Stellungnahme gegenüber der APA. Dabei
sei "keine Preisreduktion im Sinne der Verordnung erzielbar". Aus
der eigenen Produktion in Schwechat gebe man seit Eintritt der
Verordnung die gesamten 5 Cent pro Liter an den Markt weiter.
"Daraus ergibt sich folglich eine Mischkalkulation aus der
OMV-Produktion in Schwechat und den Importmengen für den
OMV-Abgabepreis für Großhandelskunden. Diese Mischkalkulation kann
sich im Rahmen der Verordnung laufend ändern", heißt es in der
Stellungnahme.
Ministerium: Beweislast bei OMV
Aus dem zuständigen Wirtschaftsministerium heißt es, der in der
Verordnung vorgesehene Spielraum zur Versorgungssicherheit sei "kein
Freibrief", sondern unterliege einer strengen Kontrolle. Die
Beweislast liege nun bei der OMV.
Der Chef-Volkswirt der Energieregulierungsbehörde E-Control,
Johannes Mayer, sagte im ORF-"Mittagsjournal", man werde heute oder
spätestens morgen Auskünfte von der OMV einfordern. "Bisher war die
OMV durchaus kooperativ und daher gehen wir davon aus, dass das auch
so bleibt", sagte Mayer.
Badelt: Effekte der Spritpreisbremse "gering"
Fiskalratspräsident Christoph Badelt hält nicht viel von den
finanziellen Entlastungsmaßnahmen für die Bevölkerung durch die
Regierung: "Grundsätzlich muss uns klar sein, dass die derzeitige
Benzinpreissenkung überhaupt nicht sozial fokussiert ist", sagte er
am Dienstag in Linz. Er persönlich glaube, dass sich die Regierung
damit ebenso "wenig Gutes tut wie mit der Senkung der Mehrwertsteuer
auf Grundnahrungsmittel", da die Effekte "so gering" seien.
In drei Monaten werde kaum noch jemand sagen können, ob der
Benzinpreis wegen der Bremse der Regierung oder wegen des
schwankenden Ölpreises an einem Tag gesunken sei, merkte er an.
"Darauf haben sich wirklich nur der Herr Babler (Vizekanzler Andreas
Babler, Anm. d. Red.) und die SPÖ festgelegt, jetzt müssen sie es
auch machen." Aber im Endeffekt werde es keiner merken, genauso
wenig, wie wenn man "acht Euro im Monat" wegen der Senkung der
Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel spare. Er bezweifle, dass
dies den "Leuten ein Erleichterungsgefühl verschafft".
Kritik von SPÖ, FPÖ, Grünen, AK und ÖGB
SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim nannte die Weigerung
der OMV einen Skandal und forderte den Konzern auf, sich an die
Gesetze zu halten. Mit Verweis auf den operativen OMV-Gewinn von 4,6
Mrd. Euro im Jahr 2025 bezeichnete er das Vorgehen als "Verhöhnung
der Pendler*innen und Familien".
Auch AK und ÖGB fordern die OMV auf, die von der Regierung
vorgesehenen Preisabsenkungen in vollem Umfang umzusetzen. Die
Milliardengewinne der OMV dürften "nicht auf dem Rücken der
Pendler:innen" gemacht werden.
Die FPÖ sieht die Spritpreisbremse mit der OMV-Entscheidung als
endgültig gescheitert an und fordert stattdessen unter anderem eine
Halbierung der Mineralölsteuer.
Der stellvertretende Bundessprecher der Grünen, Stefan Kaineder,
wirft Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP)
Planlosigkeit vor und der OMV-Raffinerie, sie "eine goldene Nase" zu
verdienen. Für NEOS-Energiesprecherin Karin Doppelbauer ist es
"schon verwunderlich, dass der größte Akteur mit der größten
Marktmacht als Einziger jetzt anführt, keine Gewinne zu erzielen".
ÖAMTC: Alternative Maßnahmen prüfen
Der Autofahrerclub ÖAMTC meint, es brauche alternative Maßnahmen
zur Entlastung, "sollte sich bei der nun erfolgenden Kontrolle
zeigen, dass die Margenbegrenzung nicht vollumfänglich greift, ohne
die Versorgungssicherheit zu gefährden". "Das könnte über die
Anpassung der nationalen CO2-Bepreisung sowie die Senkung der
Mineralölsteuer auf den EU-Mindeststeuersatz erfolgen", sagte Martin
Grasslober, Leiter der ÖAMTC-Verkehrswirtschaft. "Zur
Gegenfinanzierung könnte eine europäische Übergewinnsteuer
beitragen, die auf einer soliden rechtlichen Grundlage steht und
bereits in der Vergangenheit angewendet wurde."
Unabhängig von der aktuellen OMV-Debatte endete am Dienstag zudem
eine weitere Tankstellen-Verordnung: Ab sofort dürfen Spritpreise
wieder täglich zu Mittag angehoben werden, da die bisherige
Beschränkung auf dreimal pro Woche ausgelaufen ist.
ivn/ker/ver/tpo
ISIN AT0000743059
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