Bieterkampf um Addiko Bank geht in die nächste Runde
NLB überbietet Angebot der RBI - IVA: Wettkampf um die Bank
positiv für Aktionäre
Der Bieterwettbewerb um die Addiko Bank geht in die
nächste Runde. Nachdem die Raiffeisen Bank International (RBI) in
der Nacht auf Donnerstag ein freiwilliges Angebot angekündigt hatte,
hat kurz darauf die slowenische Nova Ljubljanska banka (NLB) mit
einem höheren Gegenangebot reagiert. Bereits 2024 hatte die NLB als
einer von mehreren Interessenten ein Angebot für die Addiko gelegt.
Für die Aktionäre sei das Rittern um die Bank positiv."Der spannende Wettkampf um Addiko zeigt, dass sich Geduld für
Aktionäre auszahlen kann", sagte der Präsident des
Interessenverbands für Anleger (IVA), Florian Beckermann, zur APA.
Ein Bieterwettkampf werte den Markt allgemein auf. Nun müssten
jedoch die Angebotsdetails und die Stellungnahmen des
Addiko-Managements abgewartet werden. Die RBI hatte zunächst 23,05
Euro je Aktie für die Bank geboten, die NLB legte mehrere Euros
drauf und bot 29 Euro je Aktie. Beide Angebote liegen allerdings
deutlich unter dem Buchwert der Bank: "Der Buchwert der Addiko lag
zum Bilanzstichtag über 50 Euro je Aktie", so Beckermann. Dennoch
sei das neue NLB-Offert attraktiver. "Die RBI ist nach wenigen
Stunden unter Zugzwang, gegebenenfalls nachzulegen."
Ob sie das auch tun wird, blieb zunächst offen. Die RBI
kommentierte das Angebot der NLB auf APA-Anfrage nicht und wollte
auch sonst keinen Kommentar zu ihrem weiteren Vorgehen abgeben. Die
Addiko Bank hatte sich überrascht gezeigt von der Ankündigung der
RBI. Die Bank sei nicht in Kontakt mit Addiko gewesen, hieß es in
einer Aussendung vom Donnerstag. Auch mit der NLB habe es im Vorfeld
keine Gespräche gegeben, man sei am Tag der Veröffentlichung von der
Angebotsabsicht informiert worden, so Addiko am Freitag.
Pläne der RBI und NLB für Addiko sehr unterschiedlich
Die Pläne, die RBI und NLB für die Addiko haben, sind jedenfalls
sehr unterschiedlich. Die RBI würde nach einer Übernahme lediglich
das Geschäft in Kroatien, Slowenien und Österreich behalten wollen.
Die übrigen Märkte - Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie
Montenegro - will sie hingegen mittels eines sogenannten Carve-outs
abstoßen. Das soll im Rahmen einer Vereinbarung mit der serbischen
Alta Group, die derzeit knapp 10 Prozent an Addiko hält, passieren.
Rund um die Alta Group gab es 2024 viele Unklarheiten bezüglich
der Eigentumsverhältnisse bei der Addiko Bank. Die Probleme
gipfelten darin, dass die Bank auf Anraten der Europäischen
Zentralbank (EZB) die Dividende für die Jahre 2024 und 2025
ausgesetzt hatte.
Die NLB hat dagegen vor, alle Märkte der Addiko zu integrieren.
Sie sieht vor allem aufgrund des Geschäfts mit Konsumentenkrediten
und mit kleinen und mittleren Unternehmen eine überzeugende
strategische Option. Mit dem eigenen Geschäftsmodell sei die Addiko
sehr gut kompatibel, hieß es in der Ankündigung der NLB am
Donnerstagabend.
Bieterkampf um Addiko gab es bereits 2024
Es ist nicht der erste Wettkampf um die auf Zentral- und
Südosteuropa spezialisierte Bank, die aus Teilen der früheren
Kärntner Bank Hypo Alpe-Adria hervorging. Bereits 2024 gab es
mehrere Interessenten: Neben der NLB, die damals 22 Euro je Aktie
geboten hatte, hatte auch die Agri Europe Cyprus, die dem serbischen
Geschäftsmann Miodrag Kostić zugerechnet wird, ein Angebot gemacht.
Sie bot allerdings nur 16,24 Euro je Aktie, um ihren Anteil an der
Addiko Bank von derzeit 9,99 Prozent auf 27 Prozent aufzustocken.
Beide Angebote scheiterten jedoch. Mittlerweile hat die Agri Europe
Cyprus ihre Anteile an ihre Tochtergesellschaften, die slowenische
Gorenjska Banka und die serbische AIK Banka, übertragen. Beide
Gesellschaften halten gemeinsam 9,69 Prozent an der Addiko Bank, die
NLB hält keine Anteile an dem Institut.
bel/tpo
ISIN AT000ADDIKO0 AT0000606306
WEB https://www.addiko.com/
http://www.rbinternational.com/