voestalpine startet 2027 mit grünem Stahl
Die ersten beiden Hochöfen in Linz und Donawitz werden durch
je einen Elektrolichtbogenofen abgelöst - Verlängerung der
CO2-Freizertifikate über 2034 hinaus sei aber nötig
Inmitten geopolitischer Verwerfungen zieht der
Stahlkonzern voestalpine als riesiger CO2-Emittent seinen
Klimaschutzkurs durch. "Wir haben fünf Hochöfen, die abzulösen
sind", sagte Konzernchef Herbert Eibensteiner am Mittwoch im Klub
der Wirtschaftspublizisten in Wien. In einem ersten Schritt wird
2027 je einer in Linz und Donawitz durch einen Elektrolichtbogenofen
ersetzt. "Wir investieren dort 1,5 Mrd. Euro und schon in einem Jahr
beginnen diese beiden Werke hochzufahren."Der Baufortschritt verlaufe plangemäß und mehr als die Hälfte der
Investitionssumme sei bereits geflossen. "Wir bauen ein Stahlwerk
mitten in eine produzierende Firma, mit allen logistischen
Schwierigkeiten", berichtete Eibensteiner.
Null CO2-Emissionen bis 2050
Bis 2029 sollen die CO2-Emissionen des Konzerns dadurch gegenüber
2019 um 30 Prozent verringert werden. "Dann wird es weitere Schritte
geben, die bis 2050 zu null Emissionen führen sollen", so der CEO.
Ab 2030 wird an den beiden Standorten jeweils ein weiterer Hochofen
abgelöst, wodurch der CO2-Ausstoß zunächst um 50 Prozent zurückgehen
soll.
Doch die Umstellung bedeutet auch erhöhten Strombedarf. "Für uns
ist eine Verlängerung der CO2-Freizertifikate wichtig, die bis 2034
auslaufen", betonte der Voest-Chef. Der Konzern brauche "ausreichend
Strom, ausreichend Netze und ausreichend Wasserstoffnetze", hielt
Eibensteiner fest. "Das ist alles nicht da, nicht ausreichend da -
deshalb brauchen wir eine Verlängerung dieser Freizertifikate." Weil
diese Energiethemen nicht gelöst seien, brauche die Voest "mehr
Zeit, um das umzusetzen".
Ausbau der Energienetze nötig
"Wir können nicht die Ziele verschärfen und gleichzeitig haben
wir die Energie nicht zur Verfügung - es muss eine Erleichterung bei
der Zuteilung der CO2-Zertifikate geben", forderte der CEO
nachdrücklich. Derzeit hat das die EU in Arbeit: "Der Rat hat die
Kommission beauftragt, bis in den Sommer erste Vorschläge zu
machen."
Zusätzliche Energie werde aber auch generell für Nutzungen wie
E-Autos und Rechenzentren gebraucht. "Wenn es um diese Netze geht,
müssen wir eine UVP-Gesetzesnovelle machen", sagte Eibensteiner.
Natürlich bleibe auch der Ausbau der erneuerbaren Energie inklusive
Netze wichtig.
Kriege heizen Energiepreise an
Die hohen Energiepreise - zunächst infolge des Angriffs Russlands
auf die Ukraine und zuletzt der USA und Israels auf den Iran -
drücken auch auf die wirtschaftlichen Erwartungen. "Was jetzt
natürlich passiert ist, dass dieser leichte Rückenwind, den wir
jetzt schon gehabt haben, in der Zukunft vielleicht etwas
eingebremst wird", erwartet der Konzernchef. Längerfristig höhere
Energiekosten "bedeuten Inflation, bedeuten Zinsen, bedeuten aber
auch geringeres Wirtschaftswachstum". "Wir werden bis zum ersten
Halbjahr wissen, wie sich die aktuelle Situation auch längerfristig
auswirkt."
Der Industriestrompreis, den die Regierung per 1. Jänner 2027 in
Aussicht gestellt hat, sieht Eibensteiner positiv. "Ich bin mir noch
nicht klar über die Berechnungsmethoden, aber es wird eine gewisse
Verbesserung geben." In Linz produziere die Voest ihren Strom selbst
- aus den Gasen des Hochofens. "Für uns ist Gas relevant", erklärte
der Konzernchef.
Die Behinderung der Straße von Hormuz im Zuge des Iran-Krieges
habe sich aber nicht auf die voestalpine ausgewirkt. Die Meerenge
müssten zwar nicht nur 27 Prozent der globalen Öllieferungen
passieren und 20 des weltweiten LNG-Handels, doch davon gingen nur
13 Prozent nach Europa. "Deshalb haben wir in Europa keine Engpässe
gehabt", so Eibensteiner. "Unser Gas kommt aus Norwegen, über
Italien, Nordafrika - wir sind dort deutlich besser aufgestellt -
und LNG kommt bei uns sehr stark aus den USA und immer noch aus
Russland."
kre/sag
ISIN AT0000937503
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