Öl-Überangebot drückte SBO-Gewinn 2025
Umsatz sank auf 455 Mio. Euro, EBIT bei 38 Mio. Euro -
Auftragseingang ging auf 406 Mio. Euro zurück - CEO Mader: Für
Investitionen in Venezuela "exzellent positioniert"
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AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu: Ausführliche Fassung nach Gespräch mit CEO Klaus Mader.
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Der niederösterreichische Ölfeldausrüster
SBO mit Sitz in Ternitz musste 2025 einen kräftigen Umsatz- und
Gewinneinbruch hinnehmen. Das lag vor allem an einem Überangebot an
Erdöl, aber auch an der Verunsicherung der Ölförderer durch die
US-Zölle, wie SBO-Chef Klaus Mader am Mittwoch im Gespräch mit der
APA erklärte. Für eine mögliche Wiederbelebung der Ölförderung in
Venezuela sieht er die SBO "exzellent positioniert".
Die Erlöse des im Leitindex ATX der Wiener Börse notierten
Unternehmens sanken im Geschäftsjahr 2025 von 560,4 auf 455 Mio.
Euro. "Das Geschäft, in dem wir tätig sind, ist sehr zyklisch",
sagte Mader. Während 2023 noch ein Rekordjahr mit dem höchsten
Umsatz gewesen sei, habe man nun einen deutlichen Rückgang verbuchen
müssen. Ein wesentlicher Grund dafür sei ein Überangebot an Öl,
obwohl die Nachfrage gestiegen sei.
OPEC hat Ölhahn aufgedreht
"Dieses Überangebot ist dadurch entstanden, dass die OPEC, die
viele Jahre den Markt zwischen Produktion und Nachfrage balanciert
hatte, im Frühjahr ihre freiwilligen Produktionskürzungen
zurückgenommen hat." Davor habe sich der Ölpreis in einer Range von
70 bis 90 Dollar bewegt, "wo genug Komfort in der Industrie ist, um
nachhaltig zu investieren". Das Überangebot habe aber den Ölpreis
während des Jahres um 20 Prozent nach unten gedrückt. "Diese
Preisreduktion hat bei unseren Kunden dazu geführt, dass weniger
investiert und bei uns weniger nachgefragt und bestellt wurde."
Die Produktion in Russland sei trotz Sanktionen "bei weitem nicht
so stark zurückgegangen, wie man vermutet hat", weil Russland
alternative Abnehmer wie China und Indien gefunden habe. Auch die
USA würden auf einem Rekordniveau produzieren und die Förderung in
Südamerika sei ebenfalls gestiegen. Das sei aber keine dauerhafte
Situation, meint der SBO-Chef, "weil selbst die OPEC-Länder einen
höheren Ölpreis benötigen um ausgeglichene Budgets zu haben".
Zuletzt wieder mehr Aufträge
Der Auftragseingang der SBO belief sich 2025 auf 406 Mio. Euro
nach 483,7 Mio. Euro im Vorjahr, davon entfielen 99 Mio. Euro auf
das vierte Quartal. Im Schlussquartal habe es um 10 Prozent mehr
Auftragseingänge gegeben als im dritten Quartal und der Auftrag sei
höher gewesen als der Umsatz - es sei aber noch zu früh, um zu
sagen, ob das bereits der Wendepunkt gewesen sei, sagte Mader.
Ein zweiter Grund für den Rückgang der Nachfrage sei die enorme
Verunsicherung der Investoren durch die US-Zölle gewesen. Durch die
Zollerhöhung sei auch die SBO direkt betroffen, aber "nicht sehr
stark, weil wir in den USA rund 45 Prozent der Mitarbeiter haben und
dort großteils für die USA produzieren". Auch die Produktion in
Österreich sei von den Zöllen betroffen, aber in keinem sehr hohen
Ausmaß.
Mitarbeiter und Überstunden abgebaut
Das Betriebsergebnis (EBIT) ging von 70,1 auf 38 Mio. Euro
zurück, das Ergebnis vor Steuern lag bei 32 Mio. Euro nach 63,6 Mio.
Euro im Jahr davor. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und
Abschreibungen (EBITDA) verringerte sich von 101,9 auf 71 Mio. Euro.
Vom Rückgang sei die Division Precision Technolgy betroffen
gewesen, dort habe man auch Mitarbeiter und Überstunden abgebaut,
sagte Mader. "Aber man kann einen Umsatzrückgang nie ganz durch
Kostenreduktionen kompensieren." Die EBITDA-Marge sei von 18,2
Prozent im Jahr 2024 auf 16 Prozent 2025 zurückgegangen - das sei
"kein dramatischer Rückgang" und eine "herzeigbare Profitabilität".
Für Venezuela "exzellent positioniert"
Chancen für die SBO sieht Mader durch die neue Situation in
Venezuela. "Venezuela ist das Land mit den größten Erdölreserve. In
den letzten 15, 20 Jahren wurde dort im Prinzip überhaupt nichts
investiert. Dort herrscht eine veraltete Technologie und marode
Infrastruktur." Außerdem habe Venezuela einen Brain Drain erlebt und
man beschäftige selbst Venezolaner in der Niederlassung in Houston.
"Sollte in Venezuela investiert werden, dann ist die SBO dafür
exzellent positioniert. Auf der einen Seite, weil wir genau diese
Hochpräzisionskomponenten und das High-Tech-Equipment haben, das
dort gebraucht wird. Auf der anderen Seite, weil wir mit unseren
Standorten vor allem in Houston oder auch in Mexiko natürlich auch
geographisch sehr nahe sind."
Die Nachfrage nach Öl- und Gas werde steigen und er sei für
dieses traditionelle Geschäft der SBO mittel und langfristig
zuversichtlich, sagte Mader. Dennoch sei man dabei, sich von der
Zyklizität dieses Geschäfts unabhängiger zu machen und das eigene
Geschäft auf Basis der vorhandenen Kernkompetenzen zu
diversifizieren. So wachse man derzeit im Bereich der Geothermie
sehr stark. Auch bei Lithium-Bohrungen, Helium-Bohrungen oder beim
Thema Carbon Capture and Storage sei man "bei den Pionieren dabei".
Die liquiden Mittel der SBO lagen zum Jahresende bei 281 Mio.
Euro. "Wir können organisch wachsen, wir können durch strategische
Partnerschaften wachsen, wir können durch Akquisitionen wachsen", so
Mader.
ivn/rst
ISIN AT0000946652
WEB http://www.sbo.co.at
ISIN AT000AGRANA3
WEB http://www.agrana.com