Raiffeisen Russland hebt Mindestsumme für Überweisungen neuerlich an
RBI: "Ziel ist eine deutliche Reduzierung der Transaktionen" -
Ausgehende Dollarüberweisungen nur noch für Premiumkunden
Die russische Raiffeisenbank verdoppelt mit
3. April die Mindestsumme für Überweisungen auf 20.000 Euro bzw.
Dollar und erlaubt Dollarüberweisungen nur noch einem sehr
beschränkten Kundenkreis. Wie bei vergangenen Erhöhungen der
Minimalsumme begründete die Tochter der Raiffeisen Bank
International (RBI) die Maßnahme mit Vorgaben von
Korrespondenzbanken. Mehrere dieser Banken konnten kürzlich auf
APA-Anfrage diese Argumentation von Raiffeisen Russland jedoch nicht
bestätigen.Laut der am Montag veröffentlichten Ankündigung erhöht Raiffeisen
Russland nicht nur die Minimalsumme für ausgehende Überweisungen in
Euro und Dollar drastisch. Die Bank erlaubt ausgehende
Dollarüberweisungen in Zukunft nur noch Premiumkunden sowie
sogenannten "Friedrich Wilhelm Raiffeisen-Kunden". Die bisher
geltenden unteren Limits für Überweisungen in britischen Pfund
(10.000), Schweizer Franken (10.000), chinesischen Yuan (70.000) und
japanischen Yen (1 Mio.) bleiben indes unangetastet.
"Diese Maßnahme ist notwendig, um zu vermeiden, dass die von den
Korrespondenzbanken festgelegten Obergrenzen für die Anzahl solcher
Zahlungen überschritten werden, da die Korrespondenzbanken immer
höhere Anforderungen an die Prüfung und Abwicklung von Zahlungen
stellen", begründete Raiffeisen Russland offiziell die Verdoppelung
der minimalen Überweisungssumme, die zuletzt Anfang März von 5.000
auf 10.000 Euro bzw. Dollar erhöht worden war.
Die Erhöhung der Minimalüberweisungssumme begründe sich durch den
hohen Aufwand, den diese Zahlungen verursachten, erläuterte auf
APA-Nachfrage eine RBI-Sprecherin in Wien. "Ziel ist eine deutliche
Reduzierung der Transaktionen", erklärte sie und betonte, dass
dieser Schritt nichts mit Vorgaben der russischen Regierung zu tun
habe. Die Sprecherin widersprach damit diesbezüglichen
Spekulationen, die kürzlich in einer deutschen Korrespondenzbank von
Raiffeisen Russland geäußert worden waren.
Die russische Raiffeisenbank hatte im August 2022 erstmals
Minimalsummen bei Auslandsüberweisungen eingeführt, die von
anfänglich 3.000 Euro auf nunmehr 20.000 Euro erhöht wurden.
Tangiert von der Maßnahme sind insbesondere jene
Raiffeisen-Russland-Kunden aus der urbanen Mittelschicht, die seit
der russischen Invasion der Ukraine am 24. Februar 2022 ihre Heimat
aus politischen Gründen verlassen haben und sich in der Europäischen
Union aufhalten. In vielen Fällen haben diese Personen, die in der
russischen Staatspropaganda als Verräter dargestellt werden, noch
nicht alle wirtschaftlichen Brücken nach Russland abgebrochen. Sie
erhalten dort etwa bescheidene Einkünfte, die sie über Raiffeisen
nun praktisch nicht mehr in das Ausland transferieren können.
Die ab Anfang April geltende Minimalsumme bei Euro- und
Dollarüberweisungen der RBI-Tochterbank liegt jedenfalls 50 Mal
höher als jene 400 Dollar, die laut Angaben der russischen
Zentralbank im Jahr 2021 bei einer durchschnittlichen Überweisung
aus Russland in das Ausland transferiert wurden. Nachdem viele
russische Banken mit westlichen Sanktionen belegt und aus dem
SWIFT-System ausgeschlossen wurden, bleibt Raiffeisen Russland
gleichzeitig eine der wenigen Großbanken im Land, die Überweisungen
in den Westen noch anbieten können. Der Anteil der RBI-Tochter bei
SWIFT-Überweisungen in Dollar und Euro aus Russland betrug laut
RBI-Angaben zuletzt etwa 30 Prozent.
hgh/ivn
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