RBI: Anteil am Russland-Zahlungsverkehr viel niedriger als 30 Prozent
Höherer Marktanteil als vor 2022 durch Ausschluss zahlreicher
Banken aus dem SWIFT-System
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AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu: Aussagen von Stefan Pichler von der WU und Ex-Notenbankchef Ewald Nowotny zu Raiffeisen
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Die russische Raiffeisen-Tochter wickelt dem
Volumen nach derzeit etwa 25 Prozent von Überweisungen in Euro nach
Russland sowie 30 Prozent des Zahlungsverkehrs im SWIFT-System in
US-Dollar und Euro aus Russland ab. Dies erklärte am Montag eine
Sprecherin der Raiffeisen Bank International auf APA-Anfrage. Die
"Financial Times" hatten am Sonntag mit Verweis auf einen anonymen
Raiffeisen-Manager von einem 40-50 Prozent Anteil am gesamten
Zahlungsverkehr mit Russland geschrieben.
Vor dem 24. Februar 2022 habe der Anteil von Raiffeisen an
Überweisungen nach Russland etwa acht Prozent ausgemacht, berichtete
die Sprecherin. Die wichtigere Rolle von Raiffeisen im
internationalen Zahlungsverkehr erkläre sich dadurch, dass
zahlreiche russische Banken aus dem SWIFT-System ausgeschlossen
worden seien und daher der Marktanteil westlicher Banken deutlich
gestiegen sei. "Der Anteil der RBI an den gesamten russischen
Auslandszahlungstransaktionen ist um ein Vielfaches niedriger als 30
Prozent, da Russland einen wesentlichen Teil seines
Auslandszahlungsverkehrs nicht mehr in US-Dollar oder Euro
abwickelt", betonte die Sprecherin.
Zumindest für Privatkunden der russischen Raiffeisentochter aus
dem Mittelstand werden Überweisungen in das Ausland dennoch immer
schwieriger. Am Montag verkündete die Bank in Moskau, dass ab dem 6.
März nur noch Summen von mehr als 10.000 Euro oder Dollar in das
Ausland überwiesen werden können. Zuletzt war dieses Limit im
Dezember 2022 von 3.000 auf 5.000 Euro angehoben worden. "Diese
Maßnahme ist notwendig, um zu vermeiden, dass die von den
Korrespondenzbanken festgelegten Obergrenzen für die Anzahl solcher
Zahlungen überschritten werden, da die Korrespondenzbanken immer
höhere Anforderungen an die Prüfung und Abwicklung von Zahlungen
stellen", erläuterte die RBI-Sprecherin. In vielen Fällen fungiert
freilich ausgerechnet die Mutterbank RBI in Wien als
Korrespondenzbank für diese Überweisungen aus Russland.
Nach wie vor prüft die Raiffeisen ihre Optionen für das Geschäft
in Russland, zur Debatte steht auch ein Verkauf. Ökonom Stefan
Pichler von der Wirtschaftsuniversität Wien (WU-Wien) hält einen
Verkauf derzeit aber für sehr unwahrscheinlich. "Ich glaube, dass es
nahezu unmöglich ist in der aktuellen Situation, die Bank zu
verkaufen," sagte Pichler am Montag im Ö1-Mittagsjournal. Entweder
finde die Bank einen Verkäufer, der aus Sicht des Westens zulässig
sei - dann würde aber wohl die russische Aufsicht einen Verkauf
blockieren. Alternativ könne sie an einen Putin-freundlichen
Oligarchen verkaufen, was allerdings ein Geldgeschenk an Putin wäre.
Aktuell erzielt die Raiffeisen jedenfalls hohe Gewinne in
Russland. 2022 hat die Bank rund 3,6 Mrd. Euro Gewinn gemacht, davon
knapp 2,1 Mrd. Euro in Russland. Die RBI hat derzeit allerdings
keinen Zugriff auf die Überschüsse in Russland. Ob man dann noch von
einem Gewinn sprechen könne, sei eine heikle Frage, sagte der
ehemalige Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny im Ö1-Mittagsjournal.
"Natürlich muss man sich auch überlegen, ob dieser in Russland
geparkte oder requirierte Gewinn tatsächlich verfügbar ist", so
Nowotny. Sollte das nicht mehr der Fall sein, müsse eine
Abschreibung vorgenommen werden.
hgh/bel/spo
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