RBI hat Gewinn in Russland 2022 mehr als vervierfacht
Konzern hat wegen Sanktionen aber derzeit keinen Zugriff auf
die Gewinne in Russland - Frage eines möglichen Ausstiegs aus
Russland weiter offen - GRAFIK
Obwohl die Raiffeisen Bank International (RBI) ihr
Kreditgeschäft in Russland im Vorjahr um ein knappes Drittel
zurückgefahren hat, ist der Gewinn massiv angestiegen. Im
Jahresvergleich hat sich der Überschuss nach Steuern mehr als
vervierfacht, von 474 Mio. Euro im Jahr 2021 auf 2.058 Mrd. Euro im
Jahr 2022. Grund sind vor allem Währungseffekte und das Geschäft mit
dem Devisentausch."Russland hat eine sehr strenge Devisenbewirtschaftung", so der
Chef der RBI, Johann Strobl, am Mittwoch. Beispielsweise müssten
Unternehmen Erlöse aus dem Ausland innerhalb weniger tage in Rubel
tauschen. Das stützt das Dienstleistungsgeschäft der Bank. Das
Kreditgeschäft sei dagegen im Vorjahr um insgesamt 30 Prozent
reduziert worden.
Die hohen Gewinne sind jedoch derzeit nur bedingt nützlich für
den Konzern, denn wegen der Sanktionen hat die Bank derzeit keinen
Zugriff auf die Überschüsse in Russland und auch Dividenden dürfen
nicht ausgeschüttet werden. Als reinen "Papiergewinn" sieht Strobl
die Zahlen aber nicht. Für den Cashflow könne man die Gewinne zwar
tatsächlich nicht verwenden, dennoch tragen die Zahlen zur
Verbesserung der Kapitalsituation des Konzerns bei, so Strobl.
Die harte Kernkapitalquote der RBI lag zum Ende 2022 bei 16
Prozent, nach 13,1 Prozent zum Ultimo 2021. Auch die
Eigenmittelquote stieg von 17,6 Prozent auf 20,2 Prozent an. Damit
sei man auch im Falle einer Total-Abschreibung für Russland
regulatorisch im grünen Bereich. "Selbst bei einem Preispunkt von
Null Bei Russland läge die Kernkapitalquote (CET1) bei 14 Prozent",
betonte am Mittwoch erneut Finanzchef Hannes Mösenbacher. In diesem
Sinne sieht sich das Management auch auf einen möglichen Ausstieg
aus dem Land vorbereitet.
Ob es zu einem solchen tatsächlich kommt, ließ der Vorstand heute
aber erneut offen. Wie in den vergangenen Monaten sagte Strobl am
Mittwoch, man erwäge derzeit alle Optionen inklusive eines völligen
Ausstiegs. Einen Zeithorizont, wann eine Entscheidung fallen könnte,
wollte er nicht geben.
Ein solcher Prozess sei aber sehr komplex, das habe man beim
Verkauf des Bulgarien-Geschäfts wieder gesehen. In Russland käme
dazu, dass sich die Rahmenbedingungen laufend ändern. "Daher ist es
schwieriger, eine Lösung zu finden", so Strobl. "Wir haben gewusst,
dass dieser Prozess ein langer sein wird."
Interessenten für die russische Raiffeisen-Tochter gäbe es,
räumte Strobl ein. Aus welchem Land diese kommen, wollte er nicht im
Detail sagen, aus westlichen Ländern seien ihm aber keine
Interessenten bekannt.
Auch im ebenfalls mit Sanktionen belegten Belarus hat die
Raiffeisen 2022 deutlich mehr Gewinn erzielt. Im Vorjahr wurde dort
ein Überschuss von 113 Mio. Euro erwirtschaftet, das ist mehr als
doppelt so viel wie im Jahr 2021 (49 Mio. Euro). Über einen Rückzug
aus dem Land denkt man derzeit noch nicht nach, sondern beobachte
vor allem in welche Richtung sich das Land entwickle. "Wir müssen
uns mittelfristig jedenfalls überlegen, welchen Platz wir in diesem
Land einnehmen können", so Strobl.
In der Ukraine verdiente die Raiffeisen Bank dagegen deutlich
weniger. Der Gewinn nach Steuern sank auf 65 Mio. Euro, nach 122
Mio. Euro im Jahr davor. Man nehme in dem Land seine Verantwortung
wahr und helfe "sehr viel", so Strobl. "Wir werden das auch weiter
tun."
Ohne das Geschäft in Russland, Belarus und ohne den Gewinn aus
dem Verkauf des Bulgarien-Geschäfts, der 453 Mio. Euro ausmacht,
blieb der RBI im Vorjahr ein Konzerngewinn von knapp einer Milliarde
Euro (982 Mio. Euro). Inklusive dieser Faktoren belief sich der
Gewinn der Bank auf 3,6 Mrd. Euro.
Für das laufende Jahr rechnet die RBI mit einem etwas geringeren
Kreditwachstum in der Kerngruppe und mit weiteren Rückgängen beim
Kreditgeschäft in Russland und Belarus. Bei den Erträgen rechnen das
Management mit einer stabilen Ertragslage. In den Aufwänden werde
sich außerdem die Inflation bemerkbar machen, so Strobl. Ohne
Russland und Belarus rechnet die RBI mit einem Zinsüberschuss von
3,2 bis 3,4 Mrd. Euro, 2022 waren es 3,4 Mrd. Euro. Beim
Provisionsüberschuss wird mit 1,6 Mrd. Euro gerechnet, 2022 waren es
1,7 Mrd. Euro.
Die harte Kernkapitalquote wird zum Jahresende 2023 bei über 15
Prozent gesehen, ohne die Geschäfte in Russland und Belarus - unter
der Annahme, dass Russland zu einem Wert von Null endkonsolidiert
werden muss - sind es 13,5 Prozent.
Trotz aller Widrigkeiten ist eine Dividende weiterhin geplant.
Das Management schlägt eine Ausschüttung von 0,80 Euro je Aktie vor.
Wann über die Dividende entschieden wird, ist aber unklar. Auf der
kommenden Hauptversammlung am 30. März 2023 werde voraussichtlich
keine Entscheidung fallen, der Zeitpunkt der Beschlussfassung sei
von den "Kapitalquoten und den fortdauernden strategischen
Überlegungen" abhängig.
Bei den Aktionären sorgt der Aufschub bei der Dividende für
Stirnrunzeln, heißt es vom Interessenverband für Anleger (IVA).
Abseits der Sanktionen laufe das Bankgeschäft derzeit gut. "Diese
Profite können auch ausgeschüttet werden", so IVA-Vorstand Florian
Beckermann zur APA. Es mache stutzig, warum eine Ausschüttung von
der EZB behindert wird und es keinen Dividendenbeschluss im März
gibt. Hier herrsche "Erklärungsbedarf" seitens des Regulators, so
Beckermann.
(Redaktionelle Hinweise: 0168-23)
bel/tpo
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