Ex-Chef von belarussischer RBI-Tochter freigelassen
Sergej Kostjutschenko wahrscheinlich durch Lukaschenko
begnadigt - Ehemaliger Bankier war auch österreichischer
Honorarkonsul in Minsk
Der Ex-Chef der belarussischen
Raiffeisentochter Priorbank und Ex-Honorarkonsul Österreichs in
Belarus, Sergej Kostjutschenko, ist laut dem Online-Medium "Nascha
Niwa" am vergangenen Mittwoch aus seiner Strafhaft entlassen worden.
Wahrscheinlich ist eine Begnadigung durch Alexander Lukaschenko:
Kostjutschenko war im Juli 2022 für Steuervergehen zu dreieinhalb
Jahren Straflager verurteilt worden und hätte noch keinen
gesetzlichen Anspruch auf eine vorzeitige Entlassung gehabt.Konkrete Details zur Freilassung wurden im Bericht des Mediums,
das im vergangenen März auch als erstes über die Verhaftung des
Bankiers mit engen Beziehungen nach Österreich berichtet hatte,
nicht genannt. Dass Kostjutschenko nicht mehr in Haft ist,
bestätigten am Wochenende drei informierte Gesprächspartner der APA.
Die Rede war unter anderem von einer Begnadigung durch Lukaschenko.
Der im Warschauer Exil lebende Oppositionspolitiker Pawel
Latuschko spekulierte ohne Belege im konkreten Fall, dass der
Bankier einen hohen Geldbetrag für seine Freiheit bezahlt haben
könnte. "Das ist die 100-prozentige Praxis", versicherte er der APA
am Sonntag.
Kostjutschenko hatte bis in den vergangenen Sommer die
RBI-Tochter Priorbank geleitet und war erst nach seiner
Verurteilung, die auch ein fünfjähriges Verbot vorsah, als Manager
tätig zu sein, abgelöst worden. Die Strafverfolgung selbst war unter
anderem mit politischen Gründen erklärt worden: Der Spitzenmanager
habe sich durch eine "zu unabhängige Positionierung" ausgezeichnet
und habe Ressourcen der Priorbank nicht auf Anweisung von Bürokraten
opfern wollen, referierte "Nascha Niwa" anonyme Branchenvertreter im
März 2022.
Kostjutschenko sei nicht nur eine wichtige konsularische Stütze
gewesen, er habe Kunst und Kultur gefördert und österreichischen
Wirtschaftstreibenden bei der Vernetzung in Belarus massiv geholfen,
charakterisierte der österreichische Ex-Botschafter in Belarus,
Alexander Bayerl, den vormaligen Honorarkonsul Österreichs in einem
Telefonat mit der APA im vergangenen Jahr.
"Ganz große Verdienste hat er zudem beim Thema
NS-Vernichtungslager Maly Trostenez erworben, dafür, dass wir
außerhalb von Minsk ein Denkmal für die österreichischen Opfer des
nationalsozialistischen Wahnsinns errichten konnten", schilderte
Bayerl. Ohne Kostjutschenkos gute Kontakte wäre dies praktisch nicht
möglich gewesen, betonte er.
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