Neue ukrainische Sanktionen gegen Raiffeisen: Bank sei "Kriegshelfer"
RBI: Raiffeisen Leasing schließt in Russland seit Ausbruch des
Krieges keine Neuverträge mehr ab
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AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu: Reaktion RBI, Zusammenfassung
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Wie in der Nacht auf Sonntag
bekannt wurde, ist die russische Leasingtochter der Raiffeisen von
der Ukraine offiziell als "Kriegshelfer" gebrandmarkt und mit
Sanktionen wie der Beschlagnahme von Vermögen belegt worden. Die
Raiffeisen Bank International (RBI) betonte heute, dass die Leasing
keine Vermögenswerte in der Ukraine habe, betroffen wären Kunden
wenn sie mit geleaster Ware in die Ukraine fahren würden.
Seit Ausbruch des Angriffskrieges Russlands seien keine neuen
Leasinggeschäft in Russland abgeschlossen worden, so die RBI zur
APA. Wobei die Kritik der Ukraine an den noch laufenden
Raiffeisen-Geschäften in Russland bereits länger andauert. Der
ukrainische Botschafter in Österreich, Wassyl Chymynez, hatte schon
Anfang Jänner an österreichische Firmen appelliert, sich aus dem
russischen Markt zurückzuziehen.
Wenn eine österreichische Bank russischen Rekruten "finanzielle
Vergünstigungen zur Verfügung stellt" und die "Fake-Republiken",
also die separatistischen Regionen im Osten der Ukraine, indirekt
anerkennt, dann sei dies auch ein "moralisches Problem", sagte er
der APA. Der Botschafter verwies darauf, dass die Rekruten in der
Ukraine "töten und vergewaltigen" sowie dass russisches Geld "mit
viel Blut" behaftet sei.
Zuvor wurde nahezu der gesamte RBI-Vorstand, darunter der
Vorstandsvorsitzende Johann Strobl, in Kiew auf eine Liste von
Personen gesetzt, die für Sanktionen empfohlen werden. Der RBI wurde
dabei auch vorgeworfen, russischen Soldaten Kreditstundungen zu
gewähren. Die RBI sagte, sie sei gesetzlich dazu verpflichtet.
Die RBI hatte Ende 2021 in Russland mehr als 9.000 Mitarbeiter.
Die Bank zählt laut "Standard" zu den zehn größten Kreditinstituten
des Landes. Die russische RBI-Tochter war jahrelang die Cashcow des
Wiener Bankenkonzerns und steuerte einen großen Teils des Gewinns
bei.
Zurück zu den Sanktionen gegen die Leasingtochter der Raiffeisen
in Russland. Das beschlagnahmte verfügbare Vermögen werde der
Landesverteidigung zugute kommen, sagte der ukrainische Präsident
Wolodymyr Selenskyj nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa in
seiner Videobotschaft am Samstagabend.
Von Seiten der RBI hieß es heute zu den Sanktionen: "Die
politische Entscheidung der ukrainischen Regierung rund 30 russische
Leasingunternehmen, darunter die Raiffeisen Leasing Russland, auf
eine Sanktionsliste zu setzen bedeutet, dass geleaste Güter der
Kunden der Raiffeisen Leasing Russland auf ukrainischem Territorium
beschlagnahmt werden können." Vermögenswerte in der Ukraine habe die
Leasing Russland nicht.
Weiters betonte die RBI, dass die Raiffeisen Leasing Russland
eine 100prozentige Tochter der Raiffeisenbank Russland sei. "Das von
ihr finanzierte Leasingvolumen betrug Ende Dezember des Vorjahres
362 Mio. Euro. Seit Ausbruch des Krieges schließt sie keine neuen
Leasingverträge mehr ab", so die RBI am Sonntag zur APA.
Von den Sanktionen betroffen ist auch die russische Tochter der
Bank-Austria-Mutter UniCredit, bis 2016 wurde das Russlandgeschäft
von Wien aus geführt.
stf/ed
ISIN AT0000606306
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