Dividende 2021 vorerst gestrichen, kein Rückzug aus Russland, Ukraine geplant
Die RBI gab am 1. März bekannt, den Dividendenvorschlag für 2021 von EUR 1,15/Aktie aufgrund des Kriegs in der Ukraine zu revidieren und vorerst keine Dividende auszuschütten. Nach einer erhofften Beruhigung der geopolitischen Lage soll eine nachträgliche Dividendenausschüttung jedoch neu bewertet werden. In einer Telekonferenz mit Investoren und Analysten gab das Management auch ein Update zu den Auswirkungen des Ukraine- Krieges auf die Bankengruppe. CEO Strobl bekräftigte, dass die RBI keinen Ausstieg aus der Russland-Tochter plant. In einem hypothetischen absoluten Worst-Case-Szenario, in der die RBI ohne Kompensation aus der Russland Tochter aussteigt, würde sie das Eigenkapital von rund EUR 2,4 Mrd. (rund 18% des Konzerneigenkapitals) verlieren sowie rund EUR 600 Mio. an Cross-Border Finanzierungen. Demgegenüber stünden Bewertungsgewinne aus Rubel-Absicherungen (Hedging) von derzeit rund EUR 300-400 Mio. Ein realistischeres Worst-Case-Szenario sieht der RBI-Vorstand in einem Anstieg der Risikokosten für Russland auf rund EUR 450 Mio. und für die Ukraine auf rund EUR 150-210 Mio. Infolge der hohen Profitabilität der russischen Bank könnte sie selbst in diesem Szenario noch profitabel bleiben. Betont wurde, dass sowohl die russische als auch die ukrainische Tochterbank gut kapitalisiert und mit sehr hoher Liquidität ausgestattet sind. Die RBI sieht derzeit kein Szenario, in dem frisches Kapital nachgeschossen werden müsste.
Ausblick
Die Entscheidung, aufgrund des Ukraine-Krieges keine Dividende auszuschütten, kam in Anbetracht der letzten Entwicklungen nicht überraschend und führte auch zu keinem neuen Abgabedruck auf die RBI-Aktie. Das starke Commitment des Managements zur russischen Tochter, und die Darstellung eines Worst-Case-Szenarios mit möglichen hohen aber dennoch begrenzten Verlusten, könnten zu einer Bodenbildung beigetragen haben. Ob der Kurs nun einen Boden gefunden hat, wird sich aber erst herausstellen, weiterer Druck auf die Aktie ist aufgrund der Entwicklungen in der Ukraine nicht auszuschließen. Laut unseren Berechnungen wäre die CET1 Kapitalquote der RBI auch bei einem Ausstieg aus Russland ohne Verkaufserlöse mit rund 11,5%-12% noch akzeptabel (2021: 13,1%). Insgesamt sehen wir den gewaltigen Kursverlust nach dem russischen Einmarsch als überzogen, aber aus Anlegersicht nachvollziehbar. Daher erwarten wir auch keine rasche Kurserholung solange sich die Lage in der Ukraine nicht nachhaltig entspannt.