Geplante Fusion von Immofinanz und s-Immo gescheitert
Die Immofinanz hatte eine Aufhebung der Höchststimmrechts bei
der s Immo verlangt, aber nur 61 Prozent der s-Immo-Aktionäre
statt der nötigen 75 Prozent waren dafür
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AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu: Zusammenfassung mit mehr Details
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Die von der Immofinanz angestrebte Übernahme der s
Immo und damit eine Fusion der beiden börsennotierten
österreichischen Immobilienkonzerne ist geplatzt. Nachdem die
Aktionäre der s Immo eine von der Immofinanz geforderte
Satzungsänderung abgelehnt haben, die eine Aufhebung des
Höchststimmrechts bei der s Immo zum Ziel hatte, verzichtet die
Immofinanz auf die Mehrheitsübernahme der s Immo. Ein
Zusammenschluss der beiden Immokonzerne wird seit Jahren erfolglos
diskutiert.
"Die Abstimmung bot die Möglichkeit, den Weg für die
Zusammenführung der beiden Unternehmen zu ebnen und aus S Immo und
Immofinanz einen großen österreichischen Player zu formen, der in
Europas Top-Liga mitspielt", sagte Immofinanz-Finanzchef Stefan
Schönauer. Die Aktionäre der S Immo hätten leider dagegen
entschieden. "Damit ist unser Angebot nicht mehr gültig", sagte
Schönauer laut Mitteilung. Die Immofinanz werde ihr eigenständiges
Wachstum weiter verfolgen und sei "mit moderater Verschuldung und
rund einer Milliarde Euro an liquiden Mitteln dafür bestens
aufgestellt".
Die Immofinanz hatte verlangt, dass das Höchststimmrecht in der s
Immo aufgehoben wird. Es besagt, dass kein Aktionär mehr als 15
Prozent der Stimmrechte ausüben kann, egal wie viele Aktien er
besitzt. In der außerordentlichen Hauptversammlung vergangene Woche
seien zwar 61 Prozent des dort vertretenen Kapitals für die
Aufhebung des Höchststimmrechts gewesen, die satzungsgemäß
erforderliche 75-Prozent-Kapitalmehrheit sei damit aber verfehlt
worden.
Insbesondere habe sich gezeigt, dass die drei großen Aktionäre,
Aggregate Holdings, EVAX Holding des Peter Korbacka und Erste Asset
Management mit zusammen rund 28 Prozent Stimmgewichten in der
Hauptversammlung, dagegen gestimmt haben, heißt es in der Aussendung
der Immofinanz. Die Aktionäre der s Immo hatten einen ähnlichen
Antrag 2019 schon einmal zurückgewiesen.
Mit ihrem Übernahmeoffert wollte die Immofinanz, die 26,5 Prozent
an der s Immo hält, mindestens 50 Prozent plus eine Aktie bekommen.
Dafür hätte sie mindestens zusätzlich rund 23,5 Prozent der
ausgegebenen Aktien einsammeln müssen. Für die Abschaffung des
Höchststimmrechts bei der s Immo sind laut Satzung zwei Mehrheiten
nötig: Einerseits 50 Prozent der vertretenen Stimmrechte (Immofinanz
ist hier auf 15 Prozent begrenzt) und andererseits 75 Prozent des
vertretenen Aktienkapitals.
s-Immo-Chef Bruno Ettenauer hatte sich gegen das Übernahmeangebot
der Immofinanz gestellt. Er kritisiert den Angebotspreis und empfahl
den Aktionären, das Offert nicht anzunehmen. Der innere Wert des
Unternehmens (NAV) liege bei 26,26 Euro und damit über dem
Angebotspreis von 22,25 Euro, sagte der Manager. Selbst die
Immofinanz habe die s Immo höher in den Büchern. Die s Immo empfahl
ihren Aktionären daher, eine neue Bewertung zum 30. Juni 2021
abzuwarten und danach zu entscheiden, ob sie ihre Aktien der
Immofinanz andienen wollen. "Die erfreuliche gesamtwirtschaftliche
Entwicklung lässt vermuten, dass die Wertanalyse, die zum 30. April
2021 ein Wertsteigerungspotenzial von 85 Mio. aufwies, bei der
Bewertung zum 30. Juni 2021 zumindest bestätigt oder sogar
übertroffen werden wird. Erst danach können die Anteilseigner auf
Basis der aktuellen Zahlen eine informierte Entscheidung treffen",
hatte Ettenauer in der Aussendung an die Aktionäre geschrieben. Die
Immofinanz betonte hingegen, dass der Angebotspreis eine Prämie von
gut 40 Prozent auf den Sechs-Monats-Durchschnittskurs vor
Veröffentlichung der Angebotsabsicht beinhalte. Der Kurs der
Immofinanz-Aktie gab am Montag bis 11.45 Uhr um 0,36 Prozent auf
19,12 Euro nach. Die s Immo verlor 3,53 Prozent und notierte bei
20,50 Euro.
Ob die beiden Konzerne ihre gegenseitigen Beteiligungen nun
abgeben werden, ist noch unklar. Die s Immo ist nämlich an der
Immofinanz ebenfalls beteiligt und hält 10,9 Prozent der Anteile.
Sie hatte einen Verkauf ihrer Beteiligung bei einem Scheitern der
Übernahme in Aussicht gestellt. Das Management der s Immo hatte
einen Alleingang als "attraktive Alternative" zur Übernahme durch
die Immofinanz bezeichnet. In diesem Fall wollte Ettenauer die
Anteile der s Immo an der Immofinanz und an der CA Immo veräußern,
was "deutlich über 500 Mio. Euro" bringen sollte. Mit dem Geld
sollten "sofort ertragswirksame Immobilien und Projektentwicklungen"
finanziert werden.
(Schluss) ivn/cri
ISIN AT0000A21KS2 AT0000652250
WEB http://www.immofinanz.com
http://www.simmoag.at