s Immo hebt das Höchststimmrecht nicht auf
Übernahme durch Immofinanz fraglich - Wesentliche aber
verzichtbare Bedingung nicht erfüllt - s Immo sieht damit
Beleg, dass Angebotspreis zu niedrig ist
Die außerordentliche Hauptversammlung des
Immobilienkonzerns s Immo hat sich am Donnerstag dagegen
ausgesprochen, das Höchststimmrecht des Unternehmens aufzuheben. Es
sieht vor, dass kein Aktionär mehr als 15 Prozent der Stimmrechte
halten darf, auch wenn er einen höheren Aktienanteil besitzt. Damit
ist eine wesentliche, aber verzichtbare Bedingung der Immofinanz für
die mehrheitliche Übernahme der s Immo nicht erfüllt.
Fix gescheitert ist die Übernahme aber noch nicht. Denn die
Immofinanz hat die Möglichkeit offen gelassen, diese Bedingung für
die Übernahme zu streichen. Eine Reaktion der Immofinanz lag bisher
nicht vor.
s Immo-CEO Bruno Ettenauer geht davon aus, dass die heutige
Entscheidung zeige, dass das Übernahmeangebot von 22,25 Euro pro
Aktie unattraktiv ist. Die Immofinanz könne nun, wenn sie nicht auf
die Übernahme verzichten will, entweder die Bedingung aufgeben oder
beim Übernahmepreis nachbessern, heißt es in einer
s-Immo-Aussendung.
Das Unternehmen empfiehlt ihren Aktionären eine neue Bewertung
zum 30.06.2021 abzuwarten und danach zu entscheiden, ob sie ihre
Aktien der Immofinanz andienen wollen. "Die erfreuliche
gesamtwirtschaftliche Entwicklung lässt vermuten, dass die
Wertanalyse, die zum 30.04.2021 ein Wertsteigerungspotenzial von 85
Mio. aufwies, bei der Bewertung zum 30.06.2021 zumindest bestätigt
oder sogar übertroffen werden wird. Erst danach können die
Anteilseigner auf Basis der aktuellen Zahlen eine informierte
Entscheidung treffen", wendet sich Ettenauer in der Aussendung an
die Aktionäre.
Außerdem sieht das Management auch einen Alleingang als
"attraktive Alternative" zur Übernahme durch die Immofinanz. In
diesem Fall will Ettenauer die Anteile der s Immo an der Immofinanz
und an der CA Immo veräußern, was "deutlich über 500 Mio. Euro"
bringen soll. Mit dem Geld sollen "sofort ertragswirksame Immobilien
und Projektentwicklungen" finanziert werden.
Abgesehen von der Immofinanz hatten auch internationale
Stimmrechtsberater und institutionelle Investoren empfohlen, die
Höchststimmrecht in der s Immo aufzuheben. Kleinanleger waren
dagegen. Laut Reuters waren heute die Vertreter für rund 40,25
Millionen Aktien bei der Hauptversammlung vertreten, das wären etwa
55 Prozent des Kapitals. Für die Abschaffung des Höchststimmrechts
waren laut Satzung zwei Mehrheiten nötig: Einerseits 50 Prozent der
vertretenen Stimmrechte (Immofinanz ist hier auf 15 Prozent
begrenzt) und andererseits 75 Prozent des vertretenen
Aktienkapitals. Das bedeutet, dass die Präsenz bei der virtuellen HV
eine entscheidende Rolle spielt, ob das Höchststimmrecht fällt.
Die Immofinanz, die bereits 26,5 Prozent an der S Immo hält, will
den Konkurrenten mehrheitlich übernehmen und bietet 22,25 Euro je
Aktie. Sie müsste damit bis zu 1,14 Mrd. Euro in die Hand nehmen, um
die auf Büros, Hotels und Einkaufszentren in Deutschland, Österreich
und Osteuropa sowie zu einem kleineren Teil auf Wohnimmobilien
fokussierte s Immo zu übernehmen.
(Schluss) tsk/stf
ISIN AT0000A21KS2 AT0000652250
WEB http://www.immofinanz.com
http://www.simmoag.at