Immofinanz: Genug Geld für s-Immo-Übernahme - Closing in Q3 möglich
Merger soll zweistellige Mio.-Synergien bringen -
Parallelkäufe gegen 50-Prozent-Hürde - 2020 wegen
Corona-Abwertungen hoher Verlust - Nachlässe für Retailer,
dennoch mehr Mieterlöse
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AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu: Neu aufgezogen mit mehr Details
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Die Immofinanz AG verfügt nach eigenen Angaben über
mehr als eine Milliarde Euro an liquiden Mitteln und damit über
genug Geld für die geplante Übernahme des kleineren Konkurrenten s
Immo. Zudem hat man sich 500 Mio. Euro Finanzierung gesichert. Der
Deal könnte schon im dritten Quartal abgeschlossen sein, sagte
Immofinanz-Finanzchef Stefan Schönauer am Donnerstag. Vorerst liegt
das Offert noch zur Prüfung bei der Übernahmekommission. Man rechne
mit einem zeitnahen Abschluss.
Die Bedenken der s Immo habe man "sehr ernst genommen und
berücksichtigt", man werde sie mit den Angebotsunterlagen ausräumen.
"Scharf gestellt" werden solle das Übernahmeoffert erst, wenn es zur
Beseitigung der Stimmrechtsbeschränkung auf 15 Prozent bei der s
Immo komme, so Schönauer im Online-Bilanzpressegespräch. Um das zu
erreichen, hatte die Immofinanz bei der s Immo, an der sie bereits
26,5 Prozent hält, einige Zeit lang auf eine Sonder-HV gedrängt, was
dort aber abgelehnt wurde. Zum Hauptversammlungsthema sei man "im
besten Einvernehmen mit der s Immo", versicherte der CFO nun. Die s
Immo ist umgekehrt mit 13,4 Prozent an der Immofinanz beteiligt. Die
Immofinanz war an der Börse zuletzt fast 2,2 Mrd. Euro wert, die s
Immo knapp 1,6 Mrd. Euro.
Die Immofinanz erwartet sich aus einer s-Immo-Übernahme laut
ihrem Finanzchef ein Synergiepotenzial in zweistelliger
Millionen-Höhe. Das gemeinsame Portfolio von 7,5 Mrd. Euro - davon 5
Mrd. bei der Immofinanz - wäre für die Aktionäre eine sehr
attraktive Möglichkeit, gleichermaßen in Büros und Einzelhandel zu
investieren. Geografisch und bei den Assetklassen gebe es hohe
Überlappungen, auch die Kreuzbeteiligung biete erhebliches
Potenzial. Den beabsichtigten Angebotspreis von 22,25 Euro je
s-Immo-Aktie bezeichnete der CFO als "sehr attraktiv", "sehr sehr
gut" und "fair". Dieser Preis liege gut 23 Prozent über dem letzten
Schlusskurs vor Bekanntwerden des Offerts, über 40 Prozent über dem
volumensgewichteten 6-Monats-Kurs und auch über den
Analystenschätzungen, vor allem früheren.
Die Immofinanz behalte sich Paralleltransaktionen vor, um bei der
s Immo auf über 30 Prozent zu kommen, dann würde das freiwillige
Übernahmeangebot zu einem Pflichtangebot, und man müsste nicht
mindestens 50 Prozent plus eine Aktie der s Immo erhalten.
Zum operativen Geschäft in der Coronakrise hieß es, die
Immofinanz habe mit ihren Retail-Mietern, die von den temporären
Schließungen zur Pandemie-Eindämmung besonders betroffen waren,
rasch individuelle Lösungen erarbeitet, um ihnen die Bewältigung der
Krise zu erleichtern. Im Austausch für temporäre Mietnachlässe und
Stundungen wurden seien für rund 440.000 m2
Mietvertragsverlängerungen worden, das entspreche 45 Prozent der
gesamten Retail-Fläche, so Vorstandsdirektor Dietmar Reindl. Gegen
die Cashflow-Rückgänge hat die Immofinanz schon im März 2020 ein
Kosteneinsparungsprogramm eingeleitet.
Bis März 2021 wurden 98,8 Prozent der 2020 in Rechnung gestellten
Mieten (nach Mietreduktionen und Wertberichtigungen) des
Einzelhandels- und Bürobereichs bezahlt (Retail: 98,6 Prozent,
Office: 98,8 Prozent). Die Höhe der in diesem Zeitraum temporär
gewährten Mietreduktionen beläuft sich auf 10,6 Prozent der
Vertragsmiete (Retail: 17,1 Prozent, Office: 5,2 Prozent). In Summe
wuchsen die Mieterlöse der Immofinanz im Gesamtjahr 2020 gegenüber
2019 dennoch um 3,1 Prozent auf 288,6 (279,9) Mio. Euro.
Das Immobilienportfolio der Immofinanz umfasste Ende Dezember 209
Objekte mit rund 5,0 Mrd. Euro Buchwert. Davon entfielen 64 Prozent
auf den Büro- und 34 Prozent auf den Einzelhandelsbereich. Die
Büroimmobilien waren zu 93,7 Prozent vermietet, die Retail-Objekte
zu 98,1 Prozent. Die Bruttorendite wird mit 6,2 Prozent beziffert
auf Basis der IFRS-Mieterlöse und mit 6,6 Prozent auf Basis der
Mietvorschreibung.
CEO Ronny Pecik, der selbst am Bilanzpressegespräch am Donnerstag
nicht teilnahm, wertete in einem Statement den hohen
Vermietungsgrad, die gute operative Ertragskraft und die
Liquiditätsausstattung als "starke Basis" für das noch anhaltende
Krisenumfeld und für die Erholungs- und Wachstumsphase danach. Die
Netto-Loan-to-Value-Ratio wurde von 43,0 auf 37,8 Prozent gesenkt.
Die starke Cash-Position erhöhte sich unter Berücksichtigung einer
ungenutzten Kreditlinie auf 1,2 Mrd. Euro.
Trotz eines hohen Verlusts im Vorjahr wegen pandemiebedingten
Abwertungen will die Immofinanz nach einem dividendenlosen Jahr 2019
nun für 2020 wieder Geld an die Aktionäre zahlen. Geplant sind 0,55
Euro pro Aktie an Ausschüttung.
Wegen Abwertungen infolge der Coronakrise schrieb man 165,9 Mio.
Euro Verlust. 2019 hatte man noch 352,1 Mio. Konzerngewinn erzielt.
Das Bewertungsergebnis aus Bestandsimmobilien drehte vor allem wegen
negativer Pandemie-Auswirkungen von positiven 195,7 Mio. Euro auf
-156,6 Mio. Euro ins Minus. Die Abwertung entspreche rund 3,5
Prozent des Buchwerts der Bestandsimmobilien per 31. Dezember.
Doch schon per Ende des ersten Quartals 2021 könne die positive
Kursentwicklung der Aktien der s Immo, an der die Immofinanz Anteile
hält, zu einer Aufwertung dieser Beteiligung um bis zu rund 96 Mio.
Euro führen, heißt es.
Das operative Ergebnis sank um 4,0 Prozent auf 143,9 (149,9) Mio.
Euro, das Ergebnis der Geschäftstätigkeit (EBIT) drehte auf -12,7
(345,6) Mio. Euro ins Minus. Die wichtige Cash-Generierungsgröße FFO
1 (vor Steuern) ging entgegen den Analystenerwartungen nicht zurück,
sondern stabilisierte sich bei 126,1 (nach 125,3 Mio. Euro). Je
Aktie entspricht das einem FFO 1 von 1,13 (1,18) Euro.
(Schluss) sp/itz
ISIN AT0000A21KS2 AT0000652250
WEB http://www.immofinanz.com
http://www.simmoag.at