s-Immo lehnt Immofinanz-Wunsch nach ao HV ab: "Eins nach dem Anderen"
HV sofort, wenn Immofinanz 50 Prozent erhält -CEO: Dann
unterstützen wir auch Aus für Höchststimmrecht - s Immo schlug
sich in schwierigem Jahr 2020 gut: Portfolio kaum von Corona
betroffen
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AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu aufgezogen nach Bilanzpressegespräch
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Die s Immo AG lehnt die von ihrem größten Aktionär
Immofinanz AG geforderte außerordentliche Hauptversammlung zur
Beseitigung der Stimmrechtsbeschränkung auf 15 Prozent ab. Die
Immofinanz hält 26,9 Prozent und möchte die s Immo mehrheitlich
übernehmen. "Wir sind nicht gegen das Angebot, sondern wir wollen
eine markt- und usancenübliche Abwicklung, Eins nach dem Anderen",
sagte s-Immo-Chef Bruno Ettenauer am Donnerstag in einem
Agenturen-Online-Call.
Die ursprünglich für 30. April geplant gewesene Hauptversammlung
habe man deshalb verschoben, damit die Aktionäre das Offert
"sorgfältig prüfen" könnten. Nur vier, fünf Tage seien dafür zu
wenig - rechne man die Zeit ab 15. April, wenn das komplette Angebot
der Immofinanz vorliegen dürfte, zu dem Vorstand und Aufsichtsrat
der s Immo zehn Tage Zeit für Statements haben.
Falls die Immofinanz mehr als 50 Prozent der ausstehenden
s-Immo-Aktien angedient bekomme, sei man zu einer unverzüglichen HV
bereit, bei der auch über die bestehende Stimmrechtsbeschränkung
gesprochen werden könne, gab der CEO zu verstehen. Es sei davon
auszugehen, dass das Höchststimmrecht eliminiert werde, wenn die
Immofinanz über 50 Prozent der s-Immo-Aktien erhalte.
"Wenn die Immofinanz erfolgreich ist mit der Übernahme, werden
wir auch die Abschaffung des Höchststimmrechts unterstützen", sagte
Ettenauer im Online-Bilanzgespräch. Es wäre den Aktionären gegenüber
aber unfair, würde man sie erst darüber abstimmen lassen, auch wenn
es danach womöglich gar keinen Erfolg des Übernahmeangebots gebe.
Damit die s-Immo-HV unverzüglich stattfinden könne, sei man bereit,
circa drei Wochen vorher dazu einzuladen, gerechnet ab dem
voraussichtlich letzten Tag der Einlieferung von s-Immo-Aktien an
die Immofinanz, damit die HV dann zum Beispiel eine Woche danach
stattfinden könne, sagte Ettenauer.
Die s Immo selbst hält 13,4 Prozent an der Immofinanz, die laut
Ettenauer für 477 Mio. Euro angeschafft wurden und Ende 220 einen
Buchwert von 478,7 Mio. Euro darstellten. Zum Börsenkurs vom 6.
April seien es 522,9 Mio. Euro gewesen. Zudem ist die s Immo mit 6,4
Prozent an der CA Immo beteiligt, deren Vorstandschef Ettenauer von
2006 bis 2015 gewesen ist. Seit Mitte März ist er neuer CEO der s
Immo, als Nachfolger von Ernst Vejdovszky, der dem s-Immo-Vorstand
seit 2001 angehörte.
Mit den Ergebnissen des schwierigen Corona-Jahres 2020 zeigte
sich der s-Immo-Vorstand zufrieden, wenngleich wegen der Pandemie
Hotelerlöse fehlten und das Immo-Bewertungsergebnis unter 2019 lag.
Beim operativen EBITDA gab es mit 71,1 Mio. Euro (nach 87,0 Mio.
Euro) kaum Abstriche. Das Betriebsergebnis (EBIT) sackte aber von
271,4 Mio. auf 101,0 Mio. Euro ab, weil das Bewertungsergebnis nur
39,1 Mio. Euro betrug, nach 192,7 Mio. Euro davor. Die 192,7 Mio.
Euro seien rekordverdächtig und wohl nicht so einfach wieder
erreichbar, meinte Ettenauer. Um 22,3 Mio. Euro unter 2019 lag das
Bewertungsergebnis in CEE, in Österreich um 8,7 Mio. höher, in
Deutschland sogar um 52,7 Mio. besser. Nach Nutzungsarten betrachtet
legte es in Wohnen um 33 Mio. und bei Büros um 28 Mio. zu, gab bei
Retail um 11 Mio. nach und bei Hotels um 14 Mio. Euro.
Der Jahresgewinn ging von 213,3 Mio. auf 56,9 Mio. Euro zurück,
es sei aber ein "klar positives Ergebnis in einem sehr schwierigen
Umfeld", so Ettenauer. Erneut soll es Dividende geben, wenn auch
weniger. Die Dividende soll ungefähr 70 Prozent der Cash-Generierung
FFO I ausmachen, das wären um die 40 Cent je Aktie. Beschluss
darüber hat der Vorstand noch keinen gefasst. Für 2019 waren 70
Cent/Aktie gezahlt worden - damals betrug der FFO I noch 64,7 Mio.
Euro, 2020 nur 42,4 Mio. Euro. Aktuell notierten die Titel bei mit
21,55 Euro, das entspricht 1,59 Mrd. Euro an der Börse. Der Kurs
bewegte sich zuletzt knapp unter dem am 25. März von der Immofinanz
von 18,04 auf 22,25 Euro aufgebesserten Angebot, das sich inklusive
Dividende versteht.
Das Portfolio der s Immo besteht zu etwa 70 Prozent aus
Gewerbeimmobilien (Büros, Einkaufszentren und Hotels) und zu 30
Prozent aus Wohnimmobilien. Auch deshalb sieht Vorstandsdirektor
Friedrich Wachernig das Unternehmen "sehr gut und professionell
aufgestellt, um die Herausforderungen der Pandemie gut zu stemmen",
wie er im Bilanzpressegespräch sagte.
Zu 80 Prozent sei man im Portfolio nicht durch Corona betroffen -
am massivsten allerdings der Hotelbereich, der wohl noch zwei, drei
Jahre für eine gute Performance benötige. Dass sich Büros
entsprechend den Kundenbedürfnissen ändern müssten, habe es auch vor
Corona schon gegeben. Büros werde es aber weiterhin geben und sie
würden weiter stark nachgefragt, denn es sei auch maximal ein
Drittel der Jobs überhaupt "homeofficefähig", so Wachernig.
Von den rund 1,232 Mio. m2 Gesamtbestand entfielen Ende 2020 rund
43 Prozent auf Büroimmobilien, 30 Prozent auf Wohnen, 18 Prozent auf
Retail und fast 9 Prozent auf Hotelimmobilien. Bei Hotels und Retail
habe man schon viele Jahre nichts mehr dazugekauft - diese Bereiche
stünden nicht im Fokus, allenfalls besonders gute Gelegenheiten
würde man ergreifen. Als mittel- und langfristig "tolles Potenzial
für die Aktionäre" bezeichnete Wachernig die 2,5 Mio. m2 große
Grundstücksreserve im Berliner Speckgürtel, die sich auf mehr als 30
Liegenschaften verteilen. Diese Flächen wurden großteils für
Wohnungen angeschafft, für im Schnitt 14 Euro pro m2. Von der
gesamten Fläche des s-Immo-Portfolios, das zum Ultimo etwa 2,477
Mrd. Euro (+4,5 Prozent) wert war, entfielen gut zwei Prozent auf
Grundstücke.
(Schluss) sp/ivn
ISIN AT0000652250 AT0000A21KS2
WEB http://www.simmoag.at
http://www.immofinanz.com