OMV gibt Produktionsziel von 600.000 Fass/Tag auf - Fokus auf Chemie
Seele: "Die Welt hat sich gedreht" - Die Latte liegt nun auf
480.000 Barrel pro Tag - Produktion in Libyen nun "stabil" -
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Der Öl- und Gaskonzern OMV will künftig vor allem im
Chemiebereich wachsen und nimmt seine Ziele für die Öl- und
Gasproduktion deutlich zurück: "Das langfristige Ziel von 600.000
Barrel am Tag und die Reserven-Verdoppelung wird die OMV strategisch
nicht mehr weiterverfolgen", sagte OMV-Chef Rainer Seele am
Donnerstag zur APA. "Wir haben eine Neuausrichtung gemacht mit der
Transformation zu einem Chemiekonzern", so Seele. Wachsen wolle man
nun bevorzugt im Chemiebereich."Chemicals & Materials ist das Wachstumssegment - und die
Wachstumsziele, die wir für das Upstream-Geschäft und das
Raffineriegeschäft in der Strategie aus dem Jahr 2018 formuliert
hatten, haben wir jetzt auf Grund des Wachstums im Chemie- und
Materials-Bereich zurückgenommen." Künftig strebe man ein
Produktionsniveau von 480.000 bis 500.000 Barrel am Tag an.
2020 ging die Gesamtproduktion der OMV um 5 Prozent auf 463.000
Fass pro Tag (Öl-Äquivalente) zurück. "Wir hatten keine Produktion
in Libyen, das ist der Grund, warum wir im letzten Jahr einen
Rückgang der Produktion hatten", sagte Seele. "Libyen ist aber im
vierten Quartal jetzt wieder zurückgekommen und die Produktion dort
läuft stabil, deshalb wird die Produktion im Jahr 2021 ansteigen."
Für heuer wird mit einer Tagesproduktion von 480.000 Fass gerechnet.
"Mit der Pipeline an Investitionen, die wir jetzt haben, wollen
wir dieses Produktionsniveau halten. Die Verdoppelung unserer
Reservenbasis wird nicht mehr verfolgt." Man plane daher auch eine
Großakquisitionen von Öl- und Gasfeldern.
Was das für die geplante Beteiligung am den russischen
Fördergebieten IV und V der Achimov-Formation im Öl-, Gas- und
Kondensatfeld Urengoy (Urengoj) bedeutet, ist vorerst noch unklar.
Die OMV wollte ursprünglich um 905 Mio. Euro eine Beteiligung von
knapp 25 Prozent erwerben, die Vertragsunterzeichnung war zunächst
für Ende 2019 geplant, dann wurde aber im März 2020 überraschend
mitgeteilt, dass sich die Verhandlungen bis 2022 hinziehen könnten
und dass auch der Kaufpreis nicht mehr fix sei.
"Die Welt hat sich gedreht", erklärte der OMV-Chef zum
Strategiewechsel. "Wir gehen davon aus, dass die Elektrifizierung
der Mobilität und des Transports greifen wird. Wir gehen davon aus,
dass auch andere Antriebe zukünftig diesen Markt bestimmen werden
und erwarten dementsprechend eine Konsolidierung im
Raffineriegeschäft, und das global."
Das Wachstum im Chemiebereich werde sich durch die
Investitionspipeline der Borealis ergeben. Während man im letzten
Jahr wegen des schlechteren Ausblicks für die Öl- und Gaspreise fast
eine Milliarde Euro an Abwertungen im Upstream-Bereich gehabt habe,
habe es weder bei den Raffinerien noch im Chemiebereich Abwertungen
gegeben, sondern nur Aufwertungen.
Für Österreich seien in der Mittelfristplanung Investitionen in
Höhe von 3 Mrd. Euro vorgesehen, davon ein Drittel für nachhaltige
Projekte, sagte Seele, "für das Kunststoff-Recycling, für
erneuerbare Energie und für die Erzeugung von grünem Wasserstoff".
Auch die Eigenproduktion von Öl- und Gas in Österreich werde man
nicht vernachlässigen. Den Rohöleinsatz in den eigenen Raffinerien
will man sukzessive substituieren.
Aber die OMV betrachte die Erzeugung von erneuerbaren Energien
nicht als ein Kerngeschäft, damit kenne sich der Partner Verbund
besser aus. "Ich erkenne bei der OMV auch nicht irgendeinen großen
Wettbewerbsvorteil bei der Stromerzeugung oder im Stromhandel. Nein,
die OMV transformiert sich in Richtung Chemie und nicht in Richtung
Strom." Die Stromprojekte seien vor allem auf den Eigenbedarf
ausgerichtet und man werde sie in Partnerschaft mit dem Verbund
verfolgen.
(Forts. mögl.) ivn/sp
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