Zulieferer FACC sieht US-Strafzöllen gegen Airbus gelassen entgegen
CEO: 10-Prozent-Importzoll betrifft beim europäischen
Flugzeughersteller nur "0,7 bis 1 Prozent des Umsatzes"
Der Luftfahrtzulieferer FACC sieht
den US-Strafzöllen gegen Flugzeugimporte aus der EU, die kommenden
Freitag in Kraft treten sollen, relativ entspannt entgegen: "Im
Endeffekt sind 0,7 bis 1 Prozent des jährlichen Verkaufsvolumens von
Airbus betroffen", relativierte FACC-Chef Robert Machtlinger am
Dienstag vor Journalisten in Wien. Der europäische Flugzeugbauer
Airbus ist sein Hauptkunde."Status quo heute ist: keine Auswirkungen für die FACC", betonte
der CEO bei der Präsentation der Halbjahresergebnisse des
Rumpfgeschäftsjahres 2019 (März bis Dezember). Nicht auszuschließen
sind jedoch später einsetzende, indirekte Effekte im Gefolge der
WTO-Entscheidung: "Das kann natürlich geschehen", räumte Machtlinger
ein. Das aktuelle Luftfahrtumfeld bezeichnete er als "dynamisch
durchwachsen".
Etwas über 50 Prozent des Umsatzes macht der börsennotierte
Luftfahrtzulieferer mit Sitz in Ried im Innkreis (Oberösterreich)
laut CEO mit Airbus-Produkten und rund 20 Prozent mit Boeing. Etwa
30 Prozent verteilen sich auf den kanadischen Flugzeughersteller
Bombardier und den brasilianischen Hersteller Embraer, weitere rund
5 Prozent entfallen auf den staatlichen chinesischen Flugzeugbauer
Comac. Vor fünf bis sechs Jahren sei die FACC noch "etwas mehr
Boeing-lastig" gewesen.
Das Streitbeilegungsgremium der Welthandelsorganisation WTO
(World Trade Organization) hat die Billigung der US-Strafzöllen
gegen Flugzeugimporte aus der EU erst gestern, Montag, formell
bestätigt. Damit wurde eine WTO-Entscheidung von Anfang Oktober
bekräftigt. Die Importzölle dürfen gemäß WTO-Urteil wegen
jahrelanger rechtswidriger Subventionen für den Flugzeugbauer Airbus
erhoben werden.
Strafzölle gibt es künftig auf Flugzeuge mit einem Leergewicht
über 30.000 Kilogramm, also "auf nahezu jeden Airbus-Flieger, der in
Deutschland, Frankreich, England oder Spanien produziert wird",
erklärte der FACC-Boss. 13 Prozent aller Airbus-Flieger werden den
Angaben zufolge an US-Kunden verkauft. Flugzeuge des europäischen
Herstellers würden aber auch in Alabama hergestellt - mit Bauteilen
und Komponenten aus Europa. Auch in Montreal werde produziert.
"Flugzeugkomponenten trifft der neue 10-prozentige Importaufschlag
nicht", bekräftigte Machtlinger.
Die USA und Europa werfen sich wechselseitig rechtswidrige
Staatsbeihilfen für die jeweils eigene Flugzeugindustrie vor, die
als wettbewerbsverzerrend empfunden werden. Nicht nur Airbus,
sondern auch der amerikanische Konkurrent Boeing hat bereits vor der
WTO wegen illegaler Subventionsvergabe verloren. Im Fall des
amerikanischen Flugzeugbauers wurde die Schadenssumme noch nicht
festgesetzt. Die diesbezügliche WTO-Entscheidung steht also noch
aus. "Gegen Boeing wird die WTO in sechs bis sieben Monaten ein
entsprechendes Urteil gefällt haben", erwartet der FACC-Chef.
Die USA und Europa streiten seit 15 Jahren vor der WTO über
milliardenschwere staatliche Hilfen für die Flugzeugbauer Airbus und
Boeing, die die WTO jeweils für unzulässig erklärt hat. US-Präsident
Donald Trump hatte zuletzt Strafzölle in Höhe von zehn Prozent für
die Einfuhr von Flugzeugen aus der EU beschlossen.
(Schluss) kre/tsk
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