Börsen waren heuer schon auf Rekordkurs - Noch etwas Luft nach oben
RCB: Innenpolitik ohne Einfluss auf Kurse - "Party" für
Immo-Werte - Von KÖSt-Senkung hätten Flughafen, Post, BAWAG,
OMV, Verbund profitiert - Externe Risiken wirken immer weniger
Viele Börsen haben in den vergangenen Tagen ein
Rekordhoch verzeichnet, in den USA und Europa. Die Luft ist noch
nicht ganz heraußen, der Großteil der Anstiege dürfte aber schon
vorbei sein. Die Turbulenzen in der heimischen Innenpolitik wirkten
sich kaum auf die ATX-Performance aus. Die vorerst abgeblasene
Senkung der Körperschaftsteuer (KÖSt) hätte bestimmte Aktien
beflügeln können, so die RCB.Der Wiener Börse-Leitindex ATX habe einen sehr starken
Jahresstart hingelegt, während das zweite Quartal auch international
volatiler war. Bis Ende September könne der Index noch ein paar
Prozent zulegen, kurzfristig rechne man aber eher mit einem
schwachen Sommerquartal. Jeder Kursrückgang führe zu einem
Kaufsignal, weil die Bewertungen gut seien. Österreichs Innenpolitik
habe "keinen Einfluss auf den Kursverlauf gehabt", sagte der
Chefanalyst der Raiffeisen Centrobank (RCB), Bernd Maurer, am
Freitag vor Journalisten.
Alles was nach Bekanntwerden des "Ibiza-Video" passiert sei, habe
allenfalls "Unterhaltungswert" gehabt, aber keine Auswirkungen auf
die Aktien, so Maurer. Investoren-Rückfragen hätten sich kaum darauf
bezogen, auch nicht am Anleihemarkt. Das habe wohl auch damit zu
tun, ergänzte Volkswirtschafter Gunter Deuber von der Raiffeisen
Bank International (RBI), dass damit gerechnet werde, dass auch in
der nächsten Regierung die ÖVP vertreten sein werde.
Eine positive Auswirkung hätte von der mit der Steuerreform
geplant gewesenen KÖSt-Senkung ausgehen können, meinte Maurer, doch
diese sei ja nun vom Tisch. Eingepreist gewesen sei sie nicht am
Aktienmarkt, daher habe man sie dort auch nicht auspreisen müssen.
Die frühere ÖVP-FPÖ-Regierung wollte ja die KÖSt in zwei Schritten
2022/23 von 25 auf 23 und dann 21 Prozent reduzieren, damit wäre sie
unter das jetzige EU-28-Niveau von 21,9 Prozent gesunken.
Besonders stark profitiert von der KÖSt-Senkung hätten
Unternehmen mit einer Besteuerung (fast) ausschließlich in
Österreich bzw. einem für sie hoch wirksamen Steuersatz - also
Flughafen Wien, Post, BAWAG, OMV und Verbund, so Maurer. Als
mögliche Wahlkampfthemen, die von Relevanz sein könnten, nannte er
eine mögliche Steuerreform, ein Thema Mietpreisregulierung wie in
Berlin, Energiethemen und die Pflegeversicherung ("ob, wie, wann?").
Dass der ATX im Zweitquartal schwächer gewesen sei, liege an der
Indexzusammensetzung mit recht vielen Finanzwerten an der Wiener
Börse.
Gründe für die heurige Top-Performance des ATX seien die
Immo-Werte wie Immofinanz und CA Immo gewesen, wobei die CA Immo mit
über 30 Prozent Plus überhaupt der beste ATX-Wert gewesen sei. Das
Umfeld für Immobilienhalter sei weiterhin "top", die Mieten würden
steigen, die Leerstandsraten sinken, und von der Zinsseite her
spiele es überhaupt "Party für den gesamten Sektor in der
Finanzierung, das unterstützt aber auch das Bewertungsniveau".
Als Kaufempfehlungen hat die RCB Agrana, EVN, Post und
Mayr-Melnhof mit durchaus defensivem Profil, des weiteren Andritz,
OMV und VIG.
Die Liste der externen Risikofaktoren werde nicht kürzer, doch
wirkten die mit der Zeit immer weniger. Kurzfristig bleibe aber
"Enttäuschungspotenzial", meinte Maurer, deshalb sei die RCB auf
12-Monats-Sicht "neutral" eingestellt. Als Risikofaktoren nannte der
Experte die Handelskonflikte USA-China sowie USA-EU, den Brexit,
Italiens Innenpolitik und Staatsschulden sowie den Iran. Dennoch
bleibe das "Pro-Aktien-Argument" im Vergleich mit Alternativanlagen.
(Schluss) sp/cri
ISIN AT0000606306
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