Vorsteuergewinnrückgang bei VIG - Wohnbaufirmen neu zu bilanzieren
Bis Juni 200 Millionen Euro Gewinn vor Steuern - Nachträgliche
Änderung der Bilanz 2015
Der börsennotierte österreichische
Versicherungskonzern Vienna Insurance Group (VIG) hat am Mittwoch
nach einer Aufsichtsratssitzung seinen vorläufigen Vorsteuergewinn
für das erste Halbjahr 2016 mit rund 200 Mio. Euro bekannt gegeben.
Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2015 waren es 250 Mio. Euro
gewesen.Für das Gesamtjahr 2016 wurde die Prognose bekräftigt. Demnach
strebte der Vorstand für heuer zumindest eine Verdopplung des
Vorsteuergewinns bis zu 400 Mio. Euro an. Halbjahrespressekonferenz
ist erst am 23. August.
Der Aufsichtsrat hatte sich heute vor allem aber mit Fragen der
Bewertung und Bilanzierung der Beteiligungen an gemeinnützigen
Wohnbaugesellschaften zu befassen. Damit kommt es jetzt im
Nachhinein zu Korrekturen von Bilanzansätzen ("Restatement").
Die VIG hatte in den letzten Jahren ihre Beteiligungen an
gemeinnützige Wohnbaugesellschaften sukzessive auf ihren
Hauptaktionär (Wiener Städtische Versicherungsverein) übertragen.
Damit war die Konsolidierungsmethode dafür (von vollkonsolidiert auf
at equity) umgestellt worden. In den nächsten Wochen muss nun wieder
auf at equity umgestellt werden.
Grund ist ein Bescheid der Finanzmarktaufsicht (FMA, laut
Rechnungslegungskontrollgesetz). Der flatterte den
VIG-Verantwortlichen gestern, Dienstag, ins Haus. Darin hat die FMA
"die Abbildung der Beteiligungen an gemeinnützigen
Wohnbaugesellschaften als nicht IFRS-konform" festgestellt. Es ging
um die Halbjahresberichte und Konzernabschlüsse für 2014 und 2015.
Der Bescheid besagte, dass gesetzliche Ausschüttungs- und
Verwertungsrestriktionen, denen gemeinnützige Wohnbaugesellschaften
unterliegen, sowohl bei der Ermittlung des beizulegenden Zeitwertes
als auch bei der Erfassung der Gewinnanteile aus diesen Unternehmen
nicht ausreichend berücksichtigt waren.
Eine erste vorläufige Analyse für das Geschäftsjahr 2015 ergab
laut VIG eine Reduktion des Vorsteuergewinns um rund 45 Mio. Mio.
Euro und des Konzerneigenkapitals um rund 550 bis 580 Mio. Euro.
Heute beriet der Aufsichtsrat. Die Aufsichtsratsgremien hätten
"der Wiedererlangung des beherrschenden Einflusses über die
gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften durch die Vienna Insurance
Group zugestimmt", schrieb die Assekuranz in einer
Pflichtveröffentlichung.
Voraussichtlich mit August 2016 würden die Anteile der neun
Gesellschaften daher vollkonsolidiert und die wesentlichen
Vermögenswerte in der Konzernbilanz berücksichtigt.
Das betreffe u.a. Liegenschaften mit rund 3,5 Mrd. Euro Buchwert.
Bei Vollkonsolidierung steige der Anteil der gemeinnützigen
Wohnbaugesellschaften am Eigenkapital um rund eine Milliarde Euro,
basierend auf vorläufigen Halbjahresdaten 2016. Auf die
Solvabilitätsrate wirke sich die bilanzielle Änderung nicht aus, so
die VIG.
(Schluss) rf/sp
ISIN AT0000908504
WEB http://www.vig.com