Brexit sorgt für Unsicherheit, Österreich dürfte wenig betroffen sein
Brexit-Votum überraschte Finanzmärkte, Zukunft steht weiter
offen - Währungen litten besonders, Anleihen- und Aktienmärkte
weniger
Noch knapp vor dem Brexit-Votum hielten Buchmacher
und Wettquoten den mehrheitlichen Wunsch eines EU-Austritts für sehr
unwahrscheinlich. Dass Großbritannien doch aus der EU aussteigen
will, traf die Finanzmärkte sehr unerwartet und hart. Währungen
schwanken seither heftig, Anleihen- und Aktienmärkte
unterschiedlich. Die Achterbahn wird in den nächsten Monaten
weitergehen, erwarten RBI-Analysten.Wie die wirtschaftliche Zukunft Großbritanniens aussieht, wisse
derzeit niemand. Auch Europas Zukunft sei ungewiss. Die Unsicherheit
in den Finanzmärkten, die es seit dem starken Medienrummel um einen
möglichen Brexit gibt, wird es auch noch in den nächsten Monaten
geben, waren sich Peter Brezinscheck, RBI-Chefanalyst und Stefan
Maxian, RCB-Chefanalyst, bei einer Pressekonferenz heute, Freitag
einig. Die Talfahrt der europäischen Wirtschaft wurde durch den
Katalysator Brexit nur beschleunigt, so Maxian. Die ohnedies nicht
sonderlich hohen BIP-Wachstumsraten in der EU mussten nach dem
Brexit-Votum weiter gesenkt werden.
Der Brexit dürfte geringe Auswirkungen auf Österreichs Wirtschaft
haben, erwartet Brezinscheck. Nur 3,2 Prozent der österreichischen
Exporte gingen 2015 nach Großbritannien. Allerdings schien diese
Beziehung ein wachsendes Potenzial zu haben: 2015 wuchsen die
Exporte auf die Insel um 6,0 Prozent im Vergleich zu 2014 während
die gesamten Exporte nur um 2,7 Prozent anstiegen.
Österreich profitiert von den Geschäften mit osteuropäischen
Staaten. Die österreichische Wirtschaft hat daher ein großes
Interesse an einem starken Wirtschaftswachstum der zentral- und
osteuropäischen Staaten. Diese würden eher die politischen als die
wirtschaftlichen Konsequenzen des Brexits mitbekommen, so
Brezinscheck. Der polnische Zloty und das ungarische Forint werden,
laut den zwei Chefanalysten, kurzfristig am ehesten unter dem Brexit
leiden. Zudem würden die osteuropäischen Länder als Nettoempfänger
mittelfristig den EU-Austritt des Nettozahlers Großbritannien
spüren.
Was sich in den europäischen Finanzmärkten in nächster Zeit tun
wird, hänge neben dem Brexit auch von den Ergebnissen des
Bankenstresstests der EBA, die am 29. Juli 2016 bekannt gegeben
werden, ab, so Brezinscheck.
(Schluss) fpr/tsk
ISIN AT0000606306
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