RBI: Profitabilität für Banken in Osteuropa für Banken herausfordernd
Studie: Institute müssen mehrere 10-Prozent-Hürden meistern -
Konzentration auf kleinere Märkte erfordert entsprechende
Marktanteile
In Osteuropa tätige Banken müssen nach Einschätzung
der RBI-Experten mehrere 10-Prozent-Hürden meistern - von
Profitabilität bis hin zum Anteil notleidender Kredite. Die
Profitabilität hat sich im Vorjahr in Zentral- und in Südosteuropa
verbessert, während sie in Russland und in der Ukraine deutlich
gefallen ist. Um in kleineren Ländern profitabel zu sein, sind
entsprechende Marktanteile nötig.Die Banken würden auf beiden Seiten arbeiten - Steigerung der
Profitabilität und Senkung der Kapitalkosten, so RBI-Analyst Gunter
Deuber am Donnerstag in einer Pressekonferenz anlässlich der
Präsentation des jüngsten CEE Banking Sector Report. Ein größerer
Teil des Wachstums finde mittlerweile außerhalb der großen Ländern
statt. Kurzfristig sieht die RBI Wachstumspotenzial vor allem in
Zentraleuropa (CE) und Südosteuropa (SEE).
Die Banken würden sich auf bestimmte kleinere Märkte und
Geschäftsfelder wie Retail konzentrieren. Um in diesen kleineren
Märkten profitabel zu sein, seien entsprechende Marktanteile nötig.
Laut CEE Studie verlangt das aktuelle Umfeld in kleineren und
mittleren Märkten einen Marktanteil von mindestens 10 Prozent.
Wachstumpotenzial für Kredite sieht die RBI vor allem in Polen,
Tschechien und der Slowakei, insbesondere bei Hypothekarkrediten.
Ein Großteil der Kredite in diesen Ländern sei in lokaler Währung,
so Deuber. Auf der Retailseite gebe es aber auch sehr viele
regulatorische Maßnahmen. Gesehen wird auch eine weitere
Konzentration am Bankensektor.
Die "neue Realität" mit strikteren Kapitalvorschriften,
regulatorischen Einflüssen, anhaltend niedrigen Zinsen inmitten
einer nach wie vor wackligen Wirtschaftslage in Russland und in der
Ukraine sei eine deutliche Bürde für die Profitabilität gewesen,
schreibt die RBI. Die Entwicklung innerhalb der einzelnen Regionen
in Osteuropa war im Vorjahr höchst unterschiedlich. Insgesamt lag
die Eigenkapitalrentabilität (Return on Equity/RoE) in der Region
unter 5 Prozent, in der Eurozone waren es rund 6 Prozent. In
Russland lag die Kennzahl bei 2,3 Prozent und damit laut Studie auf
dem niedrigsten Wert seit 1998/99. In der Ukraine war der
durchschnittliche RoE negativ.
In der Regionen CE und SEE verbesserte sich die Profitabilität
dagegen deutlich von durchschnittlich rund 5 Prozent 2014 auf fast
10 Prozent im Jahr 2015. Verluste wurden im Vorjahr nur mehr in
einem Land, in Kroatien, verzeichnet, 2014 waren es mit Ungarn,
Slowenien und Rumänien noch drei Länder. Das Erreichen von
mindestens 10 Prozent Eigenkapitalrendite werde in den kommenden
Jahren ein harter Kampf bleiben, so die RBI. Die Banken hätten in
der Region höhere Kapitalkosten, für ein nachhaltiges
Geschäftsmodell sei daher auch eine größere Profitabilität nötig.
Die Qualität der Aktiva gemessen am Anteil der notleidenden
Kredite (NPL-Ratio) hat sich wegen Verbesserungen in Zentraleuropa
und Südosteuropa erhöht. Die NPL-Ratio betrug im Durchschnitt 7,3
Prozent, nach 8,5 Prozent 2014. Die stärkste Verbesserung gab es in
Rumänien. Eine deutliche Verschlechterung gab es dagegen in der
Region EE, zu der Russland, die Ukraine und Weißrussland gehören:
Die NPL-Ratio stieg von 4 bis 6 Prozent im Jahr 2013 auf 7 bis 9
Prozent im Jahr 2015. Für heuer werden hier weitere
Verschlechterungen erwartet. Für CEE-Kreditgeber mit substanziellem
Exposure in der EE-Region werde es herausfordernd sein, dort eine
NPL-Ratio von unter 10 Prozent zu zeigen, so die RBI. Die Zahl der
Banken ist im Vorjahr gegenüber 2014 in der Ukraine von 163 auf 117
geschrumpft, in Russland um rund 100 auf 733 Institute. Der Trend
werde anhalten.
Die RBI-Experten betonten heute, dass die großen westlichen
Banken, die ihr Engagement in Russland bekräftigt hätten, den Markt
übertroffen haben. In einem günstigen Szenario scheine eine
Eigenkapitalrendite von 12 bis 13 Prozent am russischen Markt noch
immer möglich.
(Schluss) itz/ivn
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