Telekom-Prozess - Ex-Manager: Roadshow ist wie Bestechung
Fischer: Hätten Aufsichtsratschef bei der Finanzmarktaufsicht
anzeigen müssen - Fischer wurde bei erstem Prozess noch vom
jetzigen Justizminister vertreten
Für den ehemaligen Festnetzchef der börsenotierten
Telekom Austria, Rudolf Fischer, sind Roadshows, also Werbetouren
von Akteingesellschaften, nichts anderes als "eine Art Bestechung",
bringen aber absolut nichts. "Man hat damit keinen Erfolg", so
Fischer als Angeklagter im Telekom-Prozess rund um eine
Kursmanipulation im Jahr 2004.Das sei auch mit ein Grund gewesen, warum die Telekom zur
Kurspflege nicht nur auf Roadshows gesetzt habe, sondern auch den
Broker Johann Wanovits als "Marketmaker" einsetzen wollte. Wanovits
sitzt neben Fischer auf der Anklagebank im Wiener
Straflandesgericht, ihm wird vorgeworfen gegen mehrere
hunderttausend Euro in einem Papiersackerl den Kurs der
Telekom-Aktie in die Höhe getrieben zu haben, damit für fast hundert
Telekom-Manager knapp 10 Millionen Euro an Boni ausgeschüttet werden
konnten.
Diese Boni hätte es laut Fischer sowieso gegeben, denn wäre das
ausgemachte Kursziel für die Bonizahlungen nicht erreicht worden,
dann hätte man eben in den nächsten Tagen untere einem anderen Titel
Boni ausbezahlt - um Schaden für die Telekom durch frustrierte
Mitarbeiter abzuwenden. Richter Wolfgang Etl erinnerte daraufhin
Fischer daran, dass er selbst rund 196.000 Euro aus der Bonuszahlung
erhielt. Sein Monatsgehalt habe damals knapp 35.000 Euro brutto
monatlich betragen, hatte Fischer zuvor auf Frage von Etl ausgesagt.
Kein gutes Haar ließ Fischer an dem damaligen ÖIAG-Chefs und
Telekom-Aufsichtsratschef Peter Michaelis. Dieser habe mit
unbedarften Aussagen den Kurs der Telekom nach unten gedrückt..
"Eigentlich hätten wir ihn bei der Finanzmarktaufsicht anzeigen
müssen", so Fischer. Auch an der FMA ließ er Kritik laut werden, bei
deren Untersuchungen würde üblicherweise nicht viel herauskommen.
Das Verfahren ist die zweite Auflage des Telekom 1-Prozesses, der
Oberste Gerichtshof hatte das Ersturteil (Untreue mit mehrjährigen
Haftstrafen) aufgehoben, da möglicherweise Betrug statt Untreue
vorliegt. Im ersten Verfahren wurde Fischer noch von dem jetzigen
Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP), auf den Fischer heute
mehrmals verwies, als Verteidiger vertreten.
Die Angeklagten - neben Fischer und Wanovits sitzen noch ein
Prokurist und der ehemalige Telekom-Finanzchef Stefano Colombo auf
der Anklagebank - sehen ihre Aktivitäten zum Erlangen eines
millionenschweren Bonusprogrammes als Verdienst an dem Unternehmen.
Damit wurde ein Angriff über die Deutsche Bank auf den Aktienkurs
der Telekom "korrigiert" und die Manager durch die Boni motiviert.
Warum man dann überhaupt Erfüllungskriterien in das Bonusprogramm
geschrieben hat und warum die vermeintlichen Angriffe über die
Deutsche Bank nicht dem Aufsichtsrat und der Finanzmarktaufsicht
umgehend gemeldet wurden, blieb bei der Befragung von Fischer offen.
(Schluss) stf/gru
ISIN AT0000720008
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