Vienna Insurance will in Osteuropa weiter wachsen
Neue Konzern-Chefin Stadler will Potenzial in der Region
weiter nutzen - Stärkerer Fokus auf CEE-Krankenversicherung -
Kein Sparpaket - Aktie verlor 17 Prozent - BILD
Die börsennotierte Vienna Insurance Group (VIG)
setzt weiter auf Osteuropa und will ihre Mehrmarkenstrategie
beibehalten, wie die neue Konzern-Chefin Elisabeth Stadler am
Donnerstag in einer Pressekonferenz erklärte. Die VIG habe ein
klares Wachstumsziel, sie wolle führender Versicherer in Mittel- und
Osteuropa bleiben und organisch oder durch Zukäufe wachsen. Ein
Sparpaket werde es nicht geben.In den kommenden Monaten werden die 25 Märkte, in denen der
Versicherungskonzern vertreten ist, auf ihr Wachstumspotenzial
untersucht. Länder, in denen die VIG Top-Marktanteile hält, wie
Österreich, Tschechien und die Slowakei, sollen abgesichert werden.
In Polen, Ungarn, Kroatien und Serbien will man den Marktanteil
mittelfristig auf mindestens jeweils 10 Prozent steigern.
Die VIG konzentriere sich auf die 25 Länder, in denen sie
vertreten ist. Die Türkei beispielsweise sei noch ein kleines
Pflänzchen, in Deutschland sei man in einer Nische tätig. In
Rumänien habe es in den vergangenen eineinhalb Jahren eine
Normalisierung gegeben. Die VIG glaube an den Markt, verfolge aber
nach wie vor sehr aufmerksam die Entwicklung. Zukaufen wolle man, wo
es wirtschaftlich sinnvoll erscheine und man so schneller die
Marktposition erreichen könne.
Einen stärkeren Fokus will Stadler in Mittel- und Osteuropa (CEE)
auf die Krankenversicherung legen.
Ein großes Sparpaket wird es nicht geben, betonte Stadler und
verwies auf das permanente Kostenbewusstsein im Konzern. Die VIG
beschäftigt in den 25 Ländern insgesamt rund 23.00 Mitarbeiter. Die
VIG habe Kostensenkungen eigentlich in ihren Genen, daher sei es
ganz klar nicht notwendig, dass man sich ein großes Sparpaket gebe,
so Stadler. Geprüft werde, wo Konsolidierungen sinnvoll sein könnten
und Serviceleistungen und Prozesse für mehrere Gesellschaften
gebündelt werden könnten.
Als Beispiele für Innovationen im Konzern nannte Stadler heute
ein SMS-Reiseversicherungs-Angebot in Ungarn sowie in Polen die
Möglichkeit, Autoversicherungen an Automaten abzuschließen, da alle
relevanten Daten dort auf dem Zulassungsschein gespeichert sind.
Fortsetzen wolle man auch die Mehrmarkenstrategie, das lokale
Unternehmertum, den Multikanalvertrieb sowie die konservative
Veranlagung und konservative Rückversicherungspolitik, so Stadler.
Fortgesetzt werde die Kooperation mit der Erste Group. Veranlagt
waren im VIG-Konzern per Ende des Vorjahres ohne fonds- und
indexgebundene Lebensversicherung rund 31,8 Mrd. Euro, davon
entfielen 70,4 Prozent auf Anleihen, 9 Prozent auf Darlehen, 6,3
Prozent auf Immobilien und 4,4 Prozent auf Aktien.
Die Umsetzung der strategischen Pläne werde durch solide
Eigenmittel unterstützt. Die Solvenzrate gemäß der eigenen
partiellen Modellierung (PIM) im Rahmen der neuen Eigenkapitalregeln
für Versicherungen (Solvency II) liege in einer Größenordnung von
rund 200 Prozent. Die VIG sei die einzige österreichische
Versicherungsgruppe, der von der FMA ein solches partielles internes
Modell genehmigt worden sei.
2015 ist der Gewinn vor Steuern (EGT) nach gestern bekannt
gegebenen vorläufigen Zahlen von 518,4 Mio. Euro auf rund 172 Mio.
Euro und damit auf ein Drittel eingebrochen. Die Dividende soll von
1,40 Euro auf 60 Cent je Aktie gekürzt werden. Für 2016 peilt die
VIG mindestens eine Verdoppelung des Vorsteuerergebnisses auf bis zu
400 Mio. Euro an. Die Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio - Schäden
und Kosten in Relation zu den Prämieneinnahmen) lag im Vorjahr laut
vorläufigen Zahlen bei 97,3 Prozent. Mittelfristig ist eine
Verbesserung in Richtung 95 Prozent geplant.
Belastet wurde der VIG-Gewinn von außerordentlichen
Abschreibungen. Neben bereits im Vorjahr bekannt gegebenen
IT-Abschreibungen im Ausmaß von 195 Mio. Euro kommen nun noch 50
Mio. Euro für Rumänien und 25 Mio. Euro für Polen dazu sowie 14 Mio.
Euro aus einer Änderung der Cash Generating Units wegen einer
Neuzusammensetzung der Bewertungseinheiten nach Ländern.
Zum Thema Gerichtsurteile und mögliche Klagen zum Rücktrittsrecht
in der Lebensversicherung in Österreich sagte Stadler, man habe
einige Anfragen und gehe davon aus, dass dies für die VIG keine
wirtschaftliche Relevanz habe. Die zum Konzern gehörende Wiener
Städtische habe rund ein Dutzend Kundenanfragen zu diesem Thema
bekommen, die nun individuell geprüft würden, hieß es heute aus dem
Unternehmen. Aus jetziger Sicht könne aus dem Prüfungsergebnis
abgeleitet werden, dass dieses Thema für die Wiener Städtische von
keiner wirtschaftlichen Relevanz sei. Aus der s Versicherung heißt
es, man sei aktuell nicht betroffen, es könnte sich aber höchstens
um Einzelfälle handeln.
Der VIG-Aktienkurs stürzte am Donnerstag regelrecht ab. Gegen
15.20 Uhr lag er mit 18,77 Euro um 17,32 Prozent tiefer.
(Schluss) itz/sp/ivn
ISIN AT0000908504
WEB http://www.vig.com