Mellach-Verkauf: Pierer Industrie, deutsche Meyer-Werft in Gesprächen
Konkreteste Interessenten für Kraftwerks-Deal - Paierl berät
Pierer - Causa "komplex" wegen Strompreis-Tiefs und Fernwärme
für Graz - Deal nicht mehr fürs erste Quartal erwartet
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KORREKTUR-HINWEIS
In APA0382 vom 19.02.2016 muss es im Titel und im Text richtig
heißen: "Pierer Industrie AG" (nicht: Cross Industries AG)
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Für den geplanten Verkauf der
Verbund-Kraftwerke im steirischen Mellach stehen die deutsche
Meyer-Werft, bekannt etwa durch die "Aida"-Kreuzfahrtschiffe, und
die oberösterreichische Pierer Industrie AG von Stefan Pierer in
Gesprächen mit dem Stromkonzern. Dies erfuhr die APA am Freitag. Mit
einem Abschluss eines Deals wird aber nicht mehr für das erste
Quartal gerechnet.
Pierer Industrie lässt sich zu Mellach vom Consulter Herbert
Paierl beraten, dem früheren steirischen ÖVP-Wirtschaftslandesrat.
Er und Pierer kennen einander lange, sind seit zwölf Jahren
Geschäftspartner und sitzen an der Adresse Am Hof in Wien in einem
gemeinsamen Büro. Zusammen wollten sie seinerzeit schon die VA Tech
Hydro übernehmen, die ging dann an den steirischen Anlagenbauer
Andritz. Die Pierer Industrie AG gehört zur Gänze dem Industriellen
Pierer und ist mit 74,9 Prozent der Anteile auch die
Obergesellschaft über der börsenotierten Cross Industries AG.
Meyer-Werft und Pierer sollen aktuell die konkretesten
Mellach-Interessenten sein, heißt es aus informierten Kreisen. Der
deutsche Schiffsbauer habe zu dem Thema Heerscharen von Beratern
unterwegs. Paierl selbst sagte zur APA, es gebe "keine
Verhandlungen" der Industriegruppe des KTM-Gründers Pierer, aber man
stehe nach wie vor "in Gesprächen mit dem Verbund" und in einem
"Dialog". An Pierer sei im übrigen der Verbund herangetreten und
nicht umgekehrt. Durch den niedrigen Strompreis und den
Mellach-Fernwärmevertrag für Graz sei die Causa aber "sehr komplex",
so Paierl. Der Verbund lotet seit Oktober alle Optionen inklusive
Verkauf aus, bestätigt aber lediglich Gespräche mit möglichen
Investoren.
Beobachter sehen gerade den Fernwärmevertrag und die
Strompreisproblematik als Knackpunkte für den Deal an. Kernfrage für
jeden Käufer werde sein, unter welchen Gesichtspunkten Mellach
überhaupt noch wirtschaftlich zu betreiben ist - deshalb hat ja der
Verbund hier auch bereits überwiegend Abschreibungen vorgenommen.
Ein Mellach-Käufer könnte das niedrige Stromgroßhandelspreisniveau
über den Preis für die Fernwärme wettmachen, so die Hoffnung für
potenzielle Erwerber.
Beobachter gehen davon aus, dass der bis zum Jahr 2020 laufende
Vertrag, den der Verbund zur Versorgung der Stadt Graz mit der
Energie Steiermark hat, mitübernommen und auch nicht vorzeitig
beendet wird. Laut Zeitungsbericht von Anfang Februar sollen
deutsch-österreichische Interessenten sogar eine Verlängerung bis
2035 offeriert haben. Für die Zeit nach 2020 sieht das
Fernwärme-Ausfallsszenario indes anders aus als noch vor kurzem. Nun
ist klar, dass dafür nicht mehr auf Mellach zurückgegriffen werden
müsste, sondern dafür der Energie Steiermark nach dem Ausbau das
Gaskraftwerk Puchstraße in Graz zur Verfügung stehen würde. "Daher
ergab sich ein völlig neuer Business Case für mögliche
Mellach-Investoren", heißt es in informierten Kreisen.
Beim Paket, das der Verbund insgesamt loswerden möchte, geht es
um das Gas- und das Kohlekraftwerk am Standort Mellach und um das
mit Öl befeuerte, stillgelegte Heizkraftwerk Neudorf-Werndorf,
ebenfalls südlich von Graz.
(Schluss) sp
ISIN AT0000746409
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