RBI will in den nächsten Monaten wieder im Iran starten
Firmenkunden-Vorstand: Repräsentanz in Teheran soll wieder
eröffnet werden - Polbank-Verkauf "in einigen Bereichen noch
unklar" - Weitere Filialschließungen in Ukraine möglich
Die Raiffeisenbank International (RBI) will in den
nächsten Monaten im Iran aktiv werden und ihre derzeit noch ruhig
gestellte Repräsentanz in Teheran wieder eröffnen. Die Bank habe
dort vor den Sanktionen "ein sehr gutes Geschäft" gemacht, sagte der
für Firmenkunden zuständige RBI-Vorstand Peter Lennkh im Gespräch
mit dem "WirtschaftsBlatt" (Montag-Ausgabe)."Wir arbeiten bereits an den Vorbereitungen und wollen unseren
Kunden alles, was sanktionsmäßig erlaubt ist, anbieten", so Lennkh.
Die iranischen Banken seien "sehr interessiert" und man führe
"bereits intensive Gespräche mit ihnen". Bevor die heimische Bank
wieder im Iran starten kann, müssen laut dem RBI-Vorstand noch alle
Sanktionen beendet und die entsprechenden Voraussetzungen von
iranischer Seite geschaffen werden. Der Iran muss wieder an den
internationalen Zahlungsverkehr (Swift) angebunden und die
notwendigen Standards von Kundenidentifikation bis Compliance
eingeführt werden. "Das kann schon noch einige Monate dauern",
erwartet der RBI-Vorstand.
Der neue Anlauf für einen Verkauf der polnischen RBI-Tochter
Polbank dürfte sich ebenfalls noch länger ziehen. "Er ist gestartet,
die Situation ist aber schwierig und in einigen Bereichen unklar",
sagte Lennkh der Zeitung. Es werde "wahrscheinlich notwendig sein,
das Schweizer-Franken-Portfolio mit einem Volumen von rund drei
Milliarden Euro aus der Bank herauszulösen, weil sich das negativ
auf die Bewertung auswirken könnte". Es sei auch derzeit noch
unklar, wie hoch die Wertberichtigungen sein könnten, wenn es zu
einem politisch erzwungenen Umtausch des Frankenportfolios kommen
sollte.
Einen Zeitplan für den Polbank-Verkauf will die RBI nicht nennen.
"Grundsätzlich ist die Linie beim geplanten Verkauf nach wie vor
die, die Bank mit einem strategischen Partner an die Börse zu
bringen und sich dann gänzlich aus Polen zurückzuziehen. Wann das
der Fall sein wird, kann ich aber noch nicht sagen", so der
Raiffeisen-Banker.
Der Ukraine-Konflikt hat die RBI als dort aktive Großbank stark
getroffen. "Im ersten Quartal 2013 hatten wir in der Ukraine noch
13.787 Mitarbeiter und 822 Filialen, im dritten Quartal 2015 waren
es 10.308 Mitarbeiter und 617 Filialen. Und dieser Trend wird sich
weiter fortsetzen", beschreibt Lennkh die Lage. Wie viele weitere
Filialen in der Ukraine geschlossen werden könnten, wollte der
RBI-Vorstand nicht kommentieren. "Das ist derzeit noch in
Diskussion." Raiffeisen hat sich bis dato aus der Krim und der
Donbass-Region zurückgezogen.
Für das Russland-Geschäft zeigte sich Lennkh "nach wie vor
optimistisch". Die RBI habe dort ein auf multinationale und
ausgewählte russische Kunden fokussiertes Geschäftsmodell, aber auch
das Geschäft mit Privatkunden aus dem Mittelstand sei "robust".
(Schluss) cri/tsk
ISIN AT0000606306
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