AK wirft ÖIAG zum Abschied nochmals Steine nach
Staatsholding wird zur ÖBIB, die Rechte und Pflichten der ÖIAG
übernimmt, aber gänzlich anders aufgebaut ist - AR und HV für
Wandlung zu ÖBIB am 20. März - Neuer Chef noch offen - GRAFIK
Die Arbeiterkammer (AK) wirft der Staatsholding ÖIAG
zu deren Abschied - also deren Wandlung zur ÖBIB mit politischem
Mitspracherecht - nochmals Steine nach. Schließlich seien durch das
ÖIAG-Gesetz aus dem Jahr 2000 wirtschafts- und industriepolitische
Erwägungen in den Hintergrund gerückt - wegen einer
Privatisierungspolitik die vom Schuldenabbau dominiert gewesen sei.Die letzte Aufsichtsratssitzung und Hauptversammlung der ÖIAG
findet am Freitag, 20. März statt. Auch ein letzter
Prüfungsausschuss findet dann vor der Wandlung zur ÖBIB statt.
Durchs ÖIAG-Gesetz 2000 seien Privatisierungen von
ÖIAG-Beteiligungen in den Vordergrund gestellt worden, weil es der
damaligen ÖVP/FPÖ-Regierung darum ging, den ÖIAG-Schuldenstand in
kurzer Zeit zu tilgen, analysiert die Arbeiterkammer. Die ÖIAG hatte
mit Jahresende 1999 auch die Finanzverbindlichkeiten der Postholding
PTBG rückwirkend in ihre Bücher auf Gesetzesbasis zu schlucken
gehabt.
Vor allem sei der ÖIAG das "wichtige wirtschaftspolitische
Instrument eines aktiven Beteiligungsmanagements verhindert" worden,
heißt es in der AK-Analyse, die der APA vorliegt. Das Halten
bestehender Beteiligungen und Mitziehen bei Kapitalerhöhungen zum
Aufrechterhalten des Einflusses seien zwar grundsätzlich erlaubt
gewesen - nicht aber das Aufstocken von Anteilen an bestehenden
Beteiligungen oder das grundsätzliche Eingehen neuer Beteiligungen.
Die ÖBIB wird das können, bei den Casinos Austria ist das fix.
Nicht zuletzt störte die AK an der ÖIAG bekanntlich der durchs
ÖIAG Gesetz 2000 fixierte Paradigmenwechsel zum sich
selbsterneuernden Aufsichtsrat. Dieser sei nur "unter dem Deckmantel
der Entpolitisierung" geschehen, so die AK. Der Bund als
ÖIAG-Eigentümer habe jedenfalls den Einfluss auf die eigene Tochter
verloren. In den folgenden Jahren seien "viele
Aufsichtsratsmitglieder aus dem Dunstkreis der
Industriellenvereinigung (IV) und/oder des Magna-Konzerns, einige
davon auch mit FPÖ-Hintergrund" akquiriert worden. Die AK nennt in
ihrer Analyse zahlreiche Namen, wie die ehemaligen ÖIAG-Präsidenten
Peter Mitterbauer und Noch-AR-Chef Siegfried Wolf.
Vor allem sei der "derart hohen Vernetzungsgrad untereinander
kaum für ein Best-Practice-Beispiel in Sachen Unabhängigkeit
geeignet", so die AK. Die wenigen vom "Club" unabhängigen Mitglieder
hätten das Machtgefüge im ÖIAG-AR jedenfalls nicht ändern können.
Die Agenden des mit seiner letzten Sitzung scheidenden
ÖIAG-Aufsichtsrates werden in der ÖBIB von einem politisch besetzten
Nominierungskomitee übernommen. Das Komitee legt der Regierung
Vorschläge für die ihr zustehenden Besetzungen von AR-Mandaten vor.
Statt des Vorstands wird ein Geschäftsführer eingesetzt. Wann die
Personalie entschieden ist, blieb vom Finanzministerium -
Eigentümervertreter der Republik bei der ÖBIB bleibt der
Finanzminister - vorerst auf Anfrage vorerst allerdings nicht
beantworten.
Das Nominierungskomitee wird aus SPÖ-Staatssekretärin Sonja Steßl
und ÖVP-Staatssekretär Harald Mahrer bestehen, zu denen sich der von
der SPÖ nominierte Experte VIG-Manager Günter Geyer und der
ÖVP-Fachmann Andritz-Vorstandschef Wolfgang Leitner gesellen. Wer
Geschäftsführer wird, war indes noch offen. Auch gab es seitens des
Eigentümervertreters - Finanzministerium - auf Anfragen bisher keine
Auskunft über den Zeitplan für die Besetzung der Geschäftsführung.
( 0051-15, Format 88 x 120 mm)
(Forts.) phs/gru
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