Brezinschek zweifelt EZB-Bondkäufe an: Welche Bank soll die abstoßen?
Programm grenzt an "Bluff": Bestraft Universalbanken und
belohnt riskant agierende Investmenthäuser - RZB-Chefanalyst:
Weitere Euro-Talfahrt vorprogrammiert - Börsen-Blase droht
Für RBI-Chefanalyst Peter Brezinschek
stehen hinter dem EZB-Anleihenkaufprogramm etliche Fragezeichen. Vor
allem sei unklar, woher die Bonds in großem Umfang kommen sollten -
die Banken würden sie nicht hergeben, wenn sie dafür Geld bekämen,
dass sie dann mit Strafzinsen bei der EZB parken müßten. Das
Bondprogramm bestrafe klassische Universalbanken und belohne riskant
agierende Investmenthäuser."Warum sollen sich Banken von mit 0,5 Prozent verzinsten Anleihen
trennen, und das Geld liegt dann auf einem Zentralbankkonto und wird
mit 0,2 Prozent Strafzins belegt?", gab Brezinschek am Donnerstag im
APA-Gespräch zu bedenken. Zudem gebe es Staatsanleihen gar nicht in
so hohem Volumen bei den Geldinstituten - und wenn, dann würden sie
zur Besicherung benötigt, etwa um Zentralbankgeld zu erhalten.
Das Bondprogramm - die Rede ist ja von monatlich 60 Mrd. Euro
bzw. in Summe bis zu 1.140 Mrd. Euro bis September 2016 - grenze
schon an einen "Bluff" und nehme keine "Rücksicht darauf, dass
woanders vielleicht wieder Risse entstehen". Dass sich die
Finanzierungskonditionen für Private und Firmen jetzt verbessern
sollten, wie EZB-Chef Mario Draghi argumentiere, könne er nicht
nachvollziehen - auch werde dadurch nicht mehr Geld in der
Realwirtschaft ankommen.
Denn weil das klassische Kreditgeschäft weniger lukrativ werde,
bestrafe das Bondprogramm klassische Universalbanken und belohne
Investmentbanken. "Das ist systemisch eine sehr gefährliche
Situation, weil die, die riskanter agieren, belohnt werden", warnt
Bezinschek. Zum Ankurbeln der Kredite wäre vielleicht sogar eine
Anhebung der Zinsen besser, meint er. Denn wenn man dezidiert sage,
das Zinstief sei vorbei, könnte es vielleicht eher einen Andrang
nach Krediten geben.
Zum Anleihenkauf habe die EZB jetzt mit der Betonung eines
"Investment Grade" zwar das Hellas-Problem umschifft - für Portugal
und das kleine Zypern ist das für Brezinschek aber noch unklar.
Offenbar wolle die EZB einigen Regierungen "entgegenkommen, damit
sie mehr Zeit für Reformen haben". Das gelte primär für Frankreich,
auch Italien und teils auch für Griechenland, wo Renten- und
Arbeitsmarktreform sowie Privatisierungen aufgeschoben worden seien.
So wie in Griechenland Syriza in die Schranken gewiesen werden
sollte, stelle wegen ihrer Reformfeindlichkeit auch die
Podemas-Bewegung in Spanien eine Gefahr dar.
Anders als Draghi sehe er keine abwärtsgerichtete
Inflations-Dynamik, und die Geldmenge M3 hätte sich auch ohne QE
weiter nach oben entwickelt, so Brezinschek. "Auch wenn Öl billigt
bleibt, werden wir kommendes Jahr - 2016 - eine zunehmende
Teuerungsrate von über einem, also zwischen ein und zwei Prozent
sehen." Denn der inflationsdämpfende Effekt durch den seit Sommer
gesunkenen Rohölpreis werde bis Ende 2015 vorbei sein. Ohne Öl wäre
die Eurozonen-Inflation im vergangenen Dezember nicht bei -0,2,
sondern bei +0,7 Prozent gelegen. Die
Inflations-Nachfrage-Argumentation Draghis überzeuge ihn nicht.
Für 2015 sei eine weitere Talfahrt des Euro bereits
vorprogrammiert. Denn die US-Notenbank Fed werde spätestens zu Ende
des zweiten Quartals mit Zinserhöhungen starten und diese rasch in
0,25er-Schritten vornehmen, "sodass wir Ende des Jahres bei 1,25 bis
1,5 Prozent in den USA stehen werden", meinte der Chefanalyst der
Raiffeisen Bank International (RBI).
Die Jo-Jo-Bewegung an den Börsen - "rauf, runter, rauf" -
verwundert Brezinschek nicht. Ja, auch Aktien könnten vielleicht
profitieren, "denn irgendwo muss das Zentralbankgeld ja hin". An den
Aktienmärkten könnte aber auch die Bildung einer "Riesen-Blase"
drohen, wenn nämlich die Kurse stärker als die Unternehmensgewinne
steigen. Doch auch Immobilien und Energie könnten Profiteure sein.
Die Anleihezinsen freilich würden extrem niedrig bleiben, glaubt
Brezinschek, "denn wohin soll man mit dem Geld?".
(Schluss) sp/ggr
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